Game of Thrones: Fire and Blood (1×10)

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Unser Blick fällt in den ersten Sekunden des Game of Thrones-Staffelfinales auf die Klinge eines Schwertes, das den Bildschirm diagonal in zwei Hälften teilt. Die Kamera fährt weiter die Klinge entlang nach unten Richtung Spitze, und das Schwert wird blutig. Im extremen Close-Up tropft das Blut von der Spitze. So beginnt Fire and Blood: mit der Erinnerung an den großen Verlust der letzten Episode, an den Tod Ned Starks (Sean Bean).

Eigentlich könnte die Episode Blood and Fire heißen, denn sie beginnt mit Blut und endet mit Feuer. Wir verbringen die meiste Zeit (gefühlt) mit Dany (Emilia Clarke), die in den letzten Episoden den Aufstieg zur Macht und deren jähen Verlust erfahren musste. Nicht nur das: Sie verliert auch ihren Mann und ihr Baby, bevor sie im Finale dieser ersten Game of Thrones-Staffel aus der Asche der Verluste wieder aufsteigt – aber nicht wie ein Phönix, sondern wie ein Drache.

In ihrer ersten Szene in der Serie stieg Dany ins Wasser und beugte sich dem Befehl ihres Bruders, aber das Wasser konnte den Drachen in ihr nicht auslöschen. In meinen Augen hat ihre Figur in der ersten Staffel die größte Entwicklung durchgemacht. Emilia Clarke, eine Neubesetzung nach dem Anfang der Dreharbeiten, meistert Danys Weg sehr überzeugend. So steigt Dany am Ende der Staffel in ein Bad aus Feuer – nicht nur um zu überleben, sondern um sich endgültig von jeglicher Abhängigkeit rein zu waschen. Am Anfang der Staffel stand Dany nackt da, ausgeliefert einer Welt, in der die Männer die Entscheidungen für sie trafen.

Am Ende dieser ersten Staffel ist sie wieder nackt im Bild zu sehen, aber nicht allein – und niemandem mehr ausgeliefert. Es scheint so, als würde Westeros bald Dany und ihren Drachen ausgeliefert sein… Ja, Drachen! Ich hätte nicht erwartet, dass Game of Thrones die Drachen so früh ins Spiel bringt – und um so zufriedener machten mich die letzten Minuten. Ich weiß, es klingt nach Fanboy, aber das kommt dabei heraus, wenn die Serie so rundum gelungen alles zusammenführt, Versprechen einlöst und einen Ausblick auf kommende Ereignisse bietet. (Außerdem hat die technische Crew die Baby-Drachen richtig niedlich hinbekommen…)

In der Game of Thrones-Welt ist alles miteinander verbunden. Ganz egal, welche Entfernung zwischen den Handlungsorten liegt oder wie unwichtig persönliche Entscheidungen mancher Figuren auf den ersten Blick für den Gesamtverlauf erscheinen: Keine Tat bleibt verborgen; jede verbreitet sich über alle Lande mit dem raschen Schlag der Rabenflügel. Letztendlich stehen alle Figuren durch jedes Ereignis und durch jede Entscheidung in Verbindung miteinander, und das Schwingen eines Schwertes kann zum Aufeinandertreffen mehrerer solcher führen. Spontane Handlungen werden in dieser Welt bestraft.

Von Brans Fall über Catelyns Entscheidung, Tyrion gefangen zu nehmen, bis hin zu Joffreys Befehl, Ned zu köpfen: All dies löst zwar Kettenreaktionen aus, aber schlussendlich ist niemand ganz unbeteiligt an dem Schicksal, das ihm / ihr selbst oder Anderen widerfährt. Catelyns Entscheidung brachte Ned in Schwierigkeiten, aber seine eigenen noblen Entscheidungen kosteten ihn den Kopf. Jaimes und Cerseis Inzest (den sie jetzt auch mit Lancel fortsetzt) führte schließlich zum Krieg.

Und es ist nicht mehr ein Krieg zwischen zwei Familien, sondern ein Bürgerkrieg, in dem es um den Eisernen Thron geht.

Nach der Nachricht über Neds Tod nämlich wird Robb von seinen Leuten zum King of the North erklärt; er und Catelyn schwören einander, jeden Lannister zu töten, den es auf der Welt gibt, nachdem sie Sansa und Arya in Sicherheit gebracht haben. Übrigens scheint mir die Szene, in der Catelyn den verzweifelten Robb findet, der mit seinem Schwert auf einen Baum einschlägt, direkt mit der Szene zwischen Catelyn (Michelle Fairley) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) zu korrespondieren, als der die Götter hinterfragt (die Bäume, zu welchen die Menschen aus dem Norden sprechen). Wenn es nach Catelyn ginge, so wäre Jaime von keinen Göttern zu helfen. Aber sie braucht ihn: als Tauschmittel gegen Sansa und Arya.Währenddessen erkennt Tywin, in welche Schwierigkeiten ihn Joffreys Entscheidung manövriert hat, und schickt kurzerhand Tyrion als Hand of the King nach King’s Landing. In der kleinen Szene zwischen den beiden macht Tyrions Reaktion sichtbar, durch welches Wechselbad der Gefühle einzelne Familienmitglieder geschickt werden. Wenn man sich die erneut grandiose verbale Auseinandersetzung zwischen Littlefinger und Varys anschaut, kommt Vorfreude auf: auf den Zeitpunkt nämlich, da Tyrion in diese Schlachten einsteigen wird.

Während Arya Richtung The Wall geht – als „boy“ Arry mit kurzen Haaren, Yorens Anweisungen und all den „Boy“-Andeutungen aus den ersten Episoden gemäß -, steigt ihr Bruder Jon in eine andere Schlacht ein, die viel wichtiger ist als der Kampf um den Thron und Jons Begehren, sich Robb anzuschließen und Rache für seinen Vater zu üben. „When dead men, and worse, come hunting for us in the night, do you think it matters who sits on the Iron Throne?“ fragt Commander Mormont. Das eisige Gefühl, das aus der mit Weiß überzogenen Welt jenseits der Mauer emporsteigt, droht Westeros in naher Zukunft in tödliche Starre zu versetzen. Auf Westeros kommen Eis und Feuer.

Die zwei Handlungsstränge um Jon und Dany repräsentieren die beiden Gefahren für Westeros. Damit endet auch die Episode: mit einer Einstellung, in der Jon und die anderen Night-Watch-Ranger durch den Tunnel reiten und Dany in der Asche sitzt. Zum ersten Mal werden beide Handlungsorte in ähnlichen Farbpaletten präsentiert: ausgeblichen und mit Grau überzogen. Die zwei Farben, die aus diesen Handlungssträngen mit gnadenloser Sättigung Richtung Westeros funkeln werden, sind das Blau der White Walkers und das Rot der Drachenaugen.

Daenerys, Arya, Sansa und Catelyn: all diese Frauenfiguren erleiden große Verluste und erwachen zu größerer Stärke. Man sieht buchstäblich den Augenblick nahen, in dem Sansa (Sophie Turner) auf Rachegedanken kommt, und wenn es ihr Leben kosten sollte. So ergeht es auch Dany. Sie steigt in das Feuer, in welchem Drogo (von ihrer Hand aus dem Koma erlöst) und die Magierin verbrennen. Dany sieht sich mit dem Ergebnis einer schnellen Entscheidung konfrontiert: Sie rettete die Sklavin – und gab ihr damit die Möglichkeit, sich an Daenerys’ neuem Volk und seinem Anführer zu rächen für die Qualen und die vielen Toten, die sie hinterließen. „Death pays for life“, lauten ihre Worte.Dany überwindet den Schmerz ihres grausamen Verlustes und steigt aus dem Feuer zu neuer Macht empor: „I am Daenerys Stormborn of the House Targaryen, of the blood of old Valyria. I am the dragon’s daughter and I swear to you that those who would harm you will die screaming.“ Die Drachen auf ihrem Schoß und auf ihrer Schulter stoßen Schreie aus, wie kleine Babys – doch zugleich sind es Schreie, bei welchen das Blut gefriert…

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