Game of Thrones: The Kingsroad (1×02)

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Während Game of Thrones uns in der Pilot-Episode mit allgemeinen Informationen über die Figuren sowie vergangene und mögliche zukünftige Schachzüge auf dem Schachbrett eines Königreichs versorgte, schafft es die zweite Episode, alles zu vertiefen und die unterschiedlichen Handlungsstränge klarer herauszuarbeiten. Vor allem erzählt The Kingsroad den Zuschauern, was die Beteiligten denken, wünschen und wer bzw. wie sie sind. Aus diesem Grund enthält die Episode mehrere Szenen, die uns Dialoge zwischen jeweils zwei Figuren zeigen. Der Fokus bewegt sich dadurch ein bisschen mehr vom Allgemeinen zum Speziellen, aber behält doch die Erzählstränge fest in der Hand – so wie man die Zügel eines Pferdes festhält, damit es nicht von dannen galoppiert.

The Kingsroad zeigt ein Königreich und viele Figuren an einem Scheideweg. Mache davon haben ihren Weg gewählt, andere wurden dazu gezwungen, und wieder andere zwingen sich selbst, einen Pfad zu beschreiten, auch wenn sie Unheil am Wegesrande lauern spüren.

Während im Piloten drei Hauptplots mit Neds und Jons Entscheidungen und Daenerys’ (zur Abkürzung ab jetzt: Dany) Zwangshochzeit etabliert wurden, nimmt nun der Sturz des kleinen Bran durch Jamie Lannisters (Nikolaj Coster-Waldau) Hand und seine Konsequenzen als vierter Plot an Wichtigkeit zu. Wie wir zu sehen bekommen, ist Bran nach dem Fall nicht gestorben, aber er liegt im Koma und kann nicht erzählen, was geschehen ist. Seine Mutter Catelyn weicht ihm nicht von der Seite und weigert sich, von ihm Abschied zu nehmen, während alle Anderen um sie herum gehen.

Als Neds Sohn Jon Snow zu Bran kommt, bevor er zur Night Watch on the Wall reitet, wird man zum ersten Mal Zeuge der Ablehnung seitens Catelyn: Sie ist nicht seine Mutter, und er ist kein Stark. Aber dennoch ist er Neds Sohn, den Ned vor 17 Jahren nach dem Sieg gegen The Mad King mit nach Hause brachte – was ihm Catelyn nie verziehen hat.

Aber die verzweifelte Catelyn bekommt nicht nur von Männern Abschiedsbesuche, sondern auch von einer Frau, nämlich Königin Cersei. In meinen Augen gehört die Szene zwischen den beiden Müttern zu den drei besten dieser Episode. Lena Headey sorgt dafür, dass man ihrer Figur trotz eigentlich eindeutiger Positionierung mit gemischten Gefühlen entgegentritt. Cerseis Worte an Catelyn kommen überraschend und wiegen den Zuschauer in einer Art Sicherheit, bevor nach der Abreise der Königin der nächste Versuch erfolgt, Bran das Leben zu nehmen. Nach diesem Vorfall breitet sich in Winterfell die Gewissheit aus, dass die Lannisters dahinter stecken und dass Bran etwas gesehen haben muss, was er nicht sehen sollte.

Sehen und gesehen werden: Für Dany gilt es einen Weg zu beschreiten, der die Sicht ihres Mannes Khal Drogo auf sie selbst verändern soll. Die Situation, in die hinein sie gezwungen wurde, lässt ihre Lebensflamme beinah erlöschen – so wie die Dracheneier, die ständig im Bild zu sehen sind, keine Drachen mehr hervorbringen. Aber Dany entschließt sich, die Situation unter Kontrolle zu bekommen.

Auch Ned Stark (Sean Bean), der es Robert nicht abschlagen konnte, The Hand of the King zu werden, sieht sich in einer problematischen, gar unerträglichen Situation gefangen – zwischen Freundschaft, Ehre und der Sorge um die eigene Familie. An den anderen zwei besten Szenen, von denen ich sprach, sind Ned Stark (Sean Bean mit grandioser Leistung), Robert und Sansas Direwolf Lady beteiligt. Die erste zeigt uns Ned und Robert, die zusammen sitzen und über vergangene Zeiten und den Krieg gegen die Targaryens reden. Interessant zu erfahren, dass Jaime Lannister derjenige war, der The Mad King, Viserys und Danys Vater, tötete. Sean Bean und Mark Addy (Robert) haben schon seit der ersten Episode die so genannte Chemie entwickelt, die auch eine unbedeutende Szene zwischen den beiden sehenswert macht.

Nach dem Zwischenfall mit dem Prinzen Joffrey, Sansa, Arya (Maisie Williams), dem Schlächterjungen und Aryas Direwolf Nymeria kommen wir zu der dritten Szene, in der Ned ebenfalls eine prominente Rolle spielt. Roberts Entschluss, Sansas Direwolf Lady zur Strafe töten zu lassen, wirkt wie ein kleiner Verrat an seinem alten Freund Ned. Der Moment, als Ned eigenhändig das Todesurteil an Lady ausführt, ist nicht nur voller Trauer, sondern auch Wut über sich selbst – und vielleicht auch Reue, sich in diese Lage gebracht zu haben, wenn auch gezwungenermaßen.

Aber keine Entscheidung ist leicht, kein Weg ohne Hindernisse -und jeder Winter fordert seine Opfer. Und dieser Winter naht, egal in welchem Sinne…

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