Firefly: Bushwacked (1×03)

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Beim ersten Anschauen von Firefly achtet man mit Sicherheit nicht auf die Musik, auf den Soundtrack. Beim zweiten Mal sollte man es aber tun. Warum? Weil Joss Whedon & Co. im alten Sergio Leone-Style unterschiedliche Musikthemen erschaffen und wiederholt benutzen, um nicht nur bestimmte Stimmungen und Emotionen zu kreieren, sondern auch um die Figuren zu charakterisieren. Sogar das Schiff Serenity hat seinen Song, dessen Melodie immer wieder erklingt, wenn die Crewmitglieder zurück an Bord kommen, von wo auch immer. Es ist eine Art der heimatlichen Begrüßung, die Ruhe, Geborgenheit und Zufriedenheit vermittelt.

Greg Edmonson und Joss Whedon schufen für Firefly ein musikalisches Raster, das man schon im Piloten vorführte bzw. vorspielte, welches aber meiner Meinung nach in Bushwacked besonders zum Tragen kommt. Es ist sehr interessant, dass die Instrumente, die in Serenitys Musikthema vorkommen, tragbar und damit leicht transportierbar sind, wie die Gitarre oder Geige, und damit das Leben der Crew, das Nomadentum, unterstreichen, während zum Beispiel das Simon/River-Musikthema von einem Klavier dominiert wird. Das Thema der Geschwister ist nostalgisch und mit Erinnerungen verbunden. Es verkörpert den Verlust ihres Zuhauses, die Trauer danach, die schönen Kindheitserinnerungen, die Ungewissheit der Zukunft und die Angst vor dieser Zukunft auf der Flucht.

Über die Angst kommen wir zu einem anderen Thema, das in dieser Episode sehr dominant ist, dem der dunklen Bedrohung, der Töne des Wahnsinns, die extrem mit dem Rest des Soundtracks kollidieren. Genauso wie die Emotionen in Bushwacked miteinander kollidieren. Die Episode eröffnet mit einer Szene, in der die Crew fröhlich ein Basketball ähnliches Spiel genießt. Diese Szene unterstreicht nicht nur die Kameradschaft innerhalb der Crew, sondern sie zeigt gleichzeitig den Abstand, den Simon und River – und sogar zu einem gewissen Teil Inara – zum Rest der Crew noch bewahren. Sie sind nur faszinierte Beobachter.

Bis ein Alarm ertönt! Ab diesem Punkt ist kompletter Stimmungswechsel angesagt, trotz Washs One-Liner. Serenity stößt auf ein verlassenes Schiff, das mehrere Familien an Bord haben sollte. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Mal & Co. entdecken, was wirklich auf diesem Schiff passiert ist, funktioniert der schnelle Wechsel zwischen den humorvollen Einlagen (Jayne – Simon) und der Atmosphäre der Bedrohung (Rivers Alpträume und Visionen) nur mit Hilfe des Soundtracks. Ansonsten würden die Zuschauer das Ganze als eine zu widersprüchliche Inszenierung empfinden, in der man sich, was die Spannung und die Gefühlslage betrifft, kaum zu orientieren weiß. Die Spannung steigert sich in dem Moment, als das River/Simon-Thema von den metallenen dunklen Klängen übertönt wird, als River wie in Trance das verlassene Schiff betritt.Obwohl die Serenity-Crew bisher nichts Gefährliches an Bord gefunden hat, verrät uns der Soundtrack alles. Es sind Reavers gewesen! “Firefly” hat eine musikalisch-emotionale Signatur für Gefahr, die wir schon in der ersten Episode hören und spüren, aber sie verwandelt sich immer wieder in zwei unterschiedliche Richtungen. Während die Alliance-Eintritt-Musik einem verlangsamten Puls ähnelt und das Gefühl verschafft, als würde man sich ducken wollen, um nicht gesehen zu werden, ist jede Erwähnung der mystischen Weltraum-Kannibalen, der Reavers, wie ein musikalisches Häuten!

Die Bedrohungsmelodie wird zu ohrenbetäubenden Frequenzen gesteigert, die blutrünstige Rastlosigkeit und gnadenlose Verunstaltung des Menschlichen suggerieren. „No Mercy“ – das sind die Worte, die der einzige Überlebende auf dem Schiff, Zeuge der Taten der Reavers, immer wieder flüstert. Nachdem zuletzt das Humorvolle die Stimmung dominierte, präsentiert Bushwacked nicht wirklich einen Feind, sondern eine unausweichliche Wahrheit: Wenn man die eigene Menschlichkeit verliert, ist keine Rettung mehr möglich. Das Gespräch zwischen Book und Mal spiegelt diese Einstellung wieder: „They are no men!

Auf diesem Hintergrund ist der Auftritt der Alliance beinahe wie eine kurzzeitige Erlösung im Vergleich zur vorangegangenen Atmosphäre des Unmenschlichen. Und das nicht nur, weil Mal den Kommandanten des Alliance-Schiffes vor dem sich in einen Reaver verwandelten Überlebenden rettet und der Kommandant Serenity „gehen“ lässt. Auch in den Szenen mit den Verhören wird demonstriert, dass die Alliance-Soldaten einfach Angestellte sind und keine hasserfüllten Monster. Sie sind Bürokraten, eine Tatsache, die sehr den humorvollen Inszenierungen der Verhöre in die Karten spielt. Dabei steht das Komödienhafte zwar im Vordergrund, aber wir lernen auch dadurch Einiges über die Crew und die Vergangenheit der einzelnen Mitglieder.

Bushwacked bleibt eine von den Emotionen sehr widersprüchliche aber für die einzelnen Handlungsstränge wichtige Episode, der man zuhören muss.

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