Firefly: Out of Gas (1×08)

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Hätte FOX die vorgesehene Ausstrahlungsreihenfolge eingehalten, wäre Out of Gas genau an dem Platz, für den die Episode vorgesehen war. Denn Out of Gas ist eine Mitte-der-Staffel-Episode, die nicht so sehr dafür gedacht ist, – Flashbacks können täuschen – uns die Figuren und ihre Eigenschaften zu präsentieren, sondern zu rekapitulieren, zusammenzufassen. Damals, nach der Ausstrahlung auf FOX, konnte man viele Reviews lesen, die diese Episode kritisierten, vor allem weil die Flashbacks aus der Vorgeschichte der Figuren keine neuen Aspekte hinzufügten und keine Enthüllungen boten. So ist es ja auch.

Meiner Meinung nach war es aber auch so gewollt. Die Flashbacks sind eine Art liebevolle Bestätigung der Charakterisierung, die alle im Laufe der bisherigen Episoden erfahren haben. Um diese Episode zu genießen, muss man die Serenity-Crew schon kennen. Out of Gas bringt keine Enthüllungen, sondern sie verleitet den Zuschauer dazu, die Handlungen und die Reaktionen der Crew noch mehr nachzuvollziehen. Außerdem wird den Zuschauern nahe gelegt, was vielleicht in absehbarer Zukunft passieren könnte. Ein kleines Beispiel, um das zu veranschaulichen, ist der Flashback vom ersten Treffen zwischen Mal, Zoe und Jayne. Wir sehen, wie Jayne als Teil einer Räuberbande Serenity ausräumen und sogar in seine Gewalt bringen will. Aber Mal bietet ihm bessere Arbeitsbedingungen an. Jayne schießt einfach seinem bisherigen Chef ins Bein und wechselt sofort die Seiten. Es ist nicht nur die Charakterisierung von Jayne in dieser Szene enthalten, sondern auch die Befürchtung, dass irgendwann in der Zukunft Jayne ein noch besseres Angebot bekommen könnte und dann vielleicht wieder die Seiten wechselt.

In dieser Episode treffen sich alle von Fireflys Themen und Farben. Warum Farben? Out of Gas entfaltet sich nicht nur anhand einer non-linearen Erzählung, sondern mit Hilfe unterschiedlicher Farbpaletten. Man wechselt zwischen Grün, Sepia-Gelb und Blau, um die unterschiedlichen Zeitabschnitte zu präsentieren und sie zu interpretieren. Denn die Flashbacks von Mal, wie er damals Serenity kaufte und seine Crew zusammenstellte, sind von Licht durchströmt. Das Licht lässt sich auf jedes Detail nieder und das sepia-gelbe Leuchten der Bilder kreiert eine Atmosphäre der Unbesorgtheit, der Aufbruchstimmung.

Damit korrespondiert die Szene aus der nahen Vergangenheit, in der die Crew in warmes gelbes Licht getaucht am Tisch sitzt und entspannt über Books Klostergeschichten lacht. Die Farbe wechselt zu grün, als die Situation später immer gefährlicher wird. Und das Bild aus der Gegenwart, in der Mal sich mühsam Schritt für Schritt durch die Räume quält, wird dann zum kalten Blau. Die musikalische Begleitung enthält ein Thema, das von den Machern „sad violin“ genannt wird und eigentlich immer mit dem Tod einer Figur verbunden ist. Wir erinnern uns: Das Thema erklang auch, als Mal Simon anlog, Kaylee sei tot, und damit eine auditive Täuschung für die Zuschauer schuf. Im Fall von Out of Gas wird mit Musik und Farbe (die blaue Erzählung) eine Unausweichlichkeit orchestriert, ein Zustand der Trauer über Serenity, die leblos im Weltraum schwebt.Die eigentliche Dauer der Episode beträgt nur ein paar Minuten, in denen Mal, der angeschossen in der leeren Serenity liegt, sich durchkämpfen, das Ersatzteil anbringen und das Schiff wieder in Betrieb setzen muss. Jeder Schritt des Helden wird aber zerschnitte -, in Bilder, die zwischen seinen eigenen Erinnerungen (oder sind das Serenitys Erinnerungen?) und der nahen Vergangenheit wechseln und uns aufklären, wie alles begann, und gleichzeitig, wie alles enden könnte.

Während die Crew am Tisch versammelt scherzt und anschließend Simons Geburtstag feiert, hat Serenity eine Fehlfunktion. Es kommt nicht dazu, dass Simon die Kerzen auspustet, denn plötzlich wird alles von einem Feuerball weggepustet und das Schiff hört auf zu funktionieren. Serenity ist nur mit Hilfe eines bestimmten Ersatzteils, das man nicht besitzt, wieder in Gang zu setzen. Ansonsten sind alle einem qualvollen Tod geweiht – durch Erfrieren und Ersticken. Mal teilt alle acht in zwei Gruppen auf und schickt sie mit den Rettungsbooten weg. Sie sollen ihr Glück versuchen und Hilfe suchen, während er bei Serenity bleibt.

Was Joss Whedon & Co. hier machen, ist eine klassische Western-Inszenierung, die den Helden von seinen Gefährten getrennt präsentiert und uns zeigt, wie er das große Unheil abwenden kann. Gleichzeitig wird auch eine Liebesgeschichte zwischen dem Captain und seinem Schiff erzählt, ein Porträt von Mal Reynolds und seinen Konflikten mit Freunden, Feinden und dem dunklen Unausweichlichen. Out of Gas‘ Funktion ist, den Helden seinen Status verdienen zu lassen, seine Crew und seine Serenity. Am Anfang der Episode hören wir eine Stimme, vermutlich eines Verkäufers, die aus dem Off redet: „Tell you what. You buy this ship treat her proper, she will be with you for the rest of your life!

Erst am Ende sehen wir, dass der Verkäufer – im Flashback – zu Mal spricht, aber über ein ganz anderes Schiff, während Mal daneben steht, nicht zuhört und verträumt in eine andere Richtung schaut, zu ihr, zu Serenity.

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