Firefly: War Stories (1×10)

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Diese Episode beginnt mit einem dramaturgischen Eingriff, der meiner Meinung nach sehr typisch für Joss Whedons Arbeit ist. Anhand einer Unterhaltung über ein explizites Ereignis wird implizit das Thema der entsprechenden Episode mitgeteilt. In diesem Fall sprechen Book und Simon darüber, was die Alliance River angetan hat, und Book erzählt über das Schaffen von Shan Yu (De Sade des Firefly-Universums), das eine grausame Hauptprämisse enthält: Durch die extreme Folter kann man das wahre Sein, die Essenz eines Menschen ans Tageslicht befördern.

Ausgehend davon, dass Firefly direkt nach 9/11 das Licht der Welt erblickte, kann man darüber spekulieren, dass diese Einführung Joss Whedons Art an der Diskussion über Folter, Wahrheit und Menschlichkeit teilzunehmen war. Shepherd Books Erklärung, warum man River gefoltert haben könnte, stößt auf wenig Verständnis bei Simon, denn die Präzision mit der an River gearbeitet wurde, lässt auf einen ganz bestimmten Zweck und ein ganz bestimmtes Ziel schließen. Wie schon erwähnt, liefert diese kleine Szene das narrative Fundament für die Episode War Stories, die die Natur des Selbsts untersucht bzw. wie der Kern dieses Selbsts sich unter extremen Bedingungen, wie physischer Folter, manifestiert. Geht es dabei darum, die wahre Natur zu zeigen oder sie zu bewahren?

Um das herauszufinden, schicken die Firefly-Autoren Mal und Wash direkt in Niskas (aus The Train Job) Arme. Hiermit behält Firefly die Tradition bei, Figuren aus früheren Episoden in die Handlung wieder einzubauen, um so die Konsistenz des Firefly-Universums zu gewährleisten und das Beziehungsgeflecht dichter zu gestalten. Denn in der allerersten Szene mit Niska in dieser Episode sehen wir ihn einen Menschen foltern und danach fragen, ob er die Arbeiten von Shan Yu kennen würde, genauso wie davor Book Simon gefragt hat.

An diesem Punkt ahnt man schon, dass für die Serenity-Crew der Tag der Abrechnung mit dem sadistischen Niska gekommen ist. Die Auseinandersetzung mit Niska zeigt uns wiederum, dass das Serenity-Team als solches funktioniert. Das meinte ich mit dem dichten Beziehungsgeflecht. Denn die Situation, in die Mal und Wash geraten, beleuchtet wiederum die Dreieckbeziehung zwischen den beiden und Washs Ehefrau Zoe. Bisher wurde die Andersheit ihrer Beziehung nur anhand von kleinen humorvollen Einlagen geschildert und uns klar gemacht, dass Zoe generell nicht für ihren Mann kocht (Our Mr. Reynolds). Warum erwähne ich gerade dieses Beispiel?

Weil in War Stories, die von Firefly erzählten unterschiedlichen Konzepte von Beziehung und Sexualität, von Rollenzugehörigkeit, von Männer- und Frauenbildern zusammengefasst werden. Ich werde an dieser Stelle mich nicht von den Einzelheiten verführen lassen und nur die wichtigsten für diese Auseinandersetzung Szenen erwähnen, ansonsten wird dieses Review kein Ende nehmen können.Was Firefly so komplex macht sind Szenen, die auf den ersten Blick unwichtig erscheinen und später in der Episode enormes emotionales Gewicht bekommen. Am Anfang der Episode sehen wir River und Kaylee, die in Serenitys Räumen Fangen spielen. In dieser Szene wird nicht nur eine mögliche Freundschaft zwischen den beiden impliziert, sondern auch das Mädchenhafte der Figuren gezeigt. Außerdem wird damit die entspannte Atmosphäre an Bord geschildert. Was wir am Ende der Verfolgung sehen, ist, dass es um einen Apfel ging. Die frischen Äpfel wurden wiederum aus unerklärlichen Gründen von Jayne spendiert. Damit wird sein schlechtes Gewissen angedeutet und auf die letzte Episode verwiesen.

Außerdem benutzt man die Äpfel, um Zoe die Möglichkeit zu geben eine Kriegsgeschichte („War Story“) zu erzählen, in der es um sie und Mal ging und um Äpfel und Granaten (Formähnlichkeit). Damit leitet man gleichzeitig den Konflikt zwischen ihr und Wash ein, der es nicht mehr ertragen kann, dass Zoe so eine enge Bindung mit Mal hat und letztendlich – für seine Verhältnisse – hochgeht. Wie wir sehen: Mit einer Klappe zwei Äpfel. Was uns zum nächsten Teil der Firefly-Themenkonstruktion führt, nämlich zu Inaras Besuch. Sie bekommt einen weiblichen Besuch, was den Rest der Crew mit offenem Mund (in Jaynes Fall voller Apfelstückchen) stehen lässt und zu einem One-Liner seitens Jayne führt, der für immer im Gedächtnis der Firefly-Fans bleiben wird: „I’ll be in my bunk.

Dieser Satz kommt nicht nur noch einmal im Laufe der Episode aus Jaynes Mund, sondern damit wird War Stories beendet, als Zoe und Wash zu Mal sagen: „We will be in our bunk.“ Denn Zoe steht zu ihrem Mann … zu ihren Männern: „Take me, sir. Take me hard.“ Das sagt Zoe, mit ihrem typischen ernsten Gesichtsausdruck, zu Mal, nachdem sie Wash gerade „wife soup“ gemacht hat. Schockierend? Nicht im Geringsten. Es ist der krönende humorvolle Abschluss einer langen von Mal inszenierten und Wash mitgespielten Unterhaltung über die Bindung, die Mal mit Zoe hat. Dadurch erreicht Mal, dass Wash während der Folter bei Niska nicht zusammenbricht.

Als die Crew Niskas Station stürmt um Mal zu befreien, nachdem Zoe schon Wash und das eine Ohr von Mal abkaufen konnte, schließt sich der Kreis, den die Serie mit dem Spiel von River und Kaylee anfing zu zeichnen. Kaylee kann im entscheidenden Moment nicht abdrücken, aber River – nachdem sie zuerst nur einen Blick auf die Szene wirft – erschießt ohne zu gucken drei von Niskas Leuten. Zu Kaylee sagt sie: „No power in the ‘verse can stop me.“ Das ist derselbe Satz, den Kaylee im Spiel zu ihr sagt. Damit beschreibt Firefly eigentlich sich selbst, als eine Erzählung die auf der Oberfläche humorvoll erscheint, aber das Ernste des Lebens miterzählt. Für mich eine der am besten konstruierten Firefly-Episoden!

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One response »

  1. Wollte einfach mal danke sagen für die wundervollen Reviews. Die Reviews schaffen es immer wieder die folgen sehr gut einzufangen und zu beschreiben.Tiefgründig und doch nicht zu sehr im detail verloren liefern sie immer wieder schönen Lesestoff und Anregungen die Folge genauer anzuschauen. Danke also für all die in der Vergangenheit geschriebenen Reviews und für die vielen die hoffentlich noch kommen.

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