Luther: Season 2, Episode 1

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Alices (Ruth Wilson) Lächeln. Was amüsiert sie? Der Verlauf der Geschichte um sie und Luther (Idris Elba)? Die eigenen Worte während einer Befragung am Anfang dieser zweiten Staffel? Wegen Luther sitzt Alice in einer psychiatrischen Anstalt. Sie wollte ihm helfen und tötete den Freund, der ihn verriet. Trotzdem bringt sie der Gedanke an Luther zum Lächeln. Währenddessen betrachten wir Luthers Vorbereitung auf den neuen Arbeitstag: Anziehen, Kaffee machen, eine Kugel in den Revolver stecken und… russisches Roulette spielen. Sieht fast nach Routine aus. Das Klicken beim Abdrücken lässt uns Zuschauer die Augen zukneifen. Alices Augen stehen weit offen, aber ihr Blick scheint anderswo zu sein: bei Luther.

Durch das Hin- und Herspringen zwischen zwei Handlungsorten in dieser ersten Sequenz hat man das Gefühl, Alice würde Luther beobachten, während sie über den Mord an Ian und ihre Beziehung zu Luther spricht. Schon immer haben sie und Luther russisches Roulette im eigenen Kopf gespielt und waren eigentich nie sehr weit von einem Treffer entfernt. Was hält die beiden davon ab, den letzten Schritt zu machen? Eine Differenz in einem indifferenten Universum zu erzeugen?

In der ersten Staffel überstieg die Chemie zwischen Idris Elba und Ruth Wilson physikalische Gesetze. In einem Interview erzählte Ruth Wilson, wie sehr sie The Wire gemocht habe – vor allem Elbas Figur. Dann kam die Rolle in Luther und das erste Treffen mit Elba, der sofort versicherte, sie als Jane Eyre geliebt zu haben. Ihre Antwort: „You never watched Jane Eyre!“ Dieses Detail aus dem realen Leben klingt genau wie eine Unterhaltung zwischen Luther und Alice. Ruth Wilson bereitete sich mit „Das Schweigen der Lämmer“ und John Grays philosophischen Werken auf ihre Rolle vor. Aber Luthers und Alices Reise durch menschliche Abgründe ist mehr Alice Through the Looking Glass.

Die Richtungswechsel im Zuge dieser Reise, die verwinkelten Gänge menschlicher Makel, durch die sie führt, sind spannend, aber auch trostlos. Denn diese Reise will und kann keine Endstation erreichen. Luthers Bilder sind voller enger Gassen, undefinierbarer Räume, verwinkelter Gänge, Hintertreppen. Man verliert beim Zuschauen die Orientierung und weiß nicht, was im nächsten Moment geschieht und was sich hinter der nächsten Ecke befindet. Durch die ausgeblichenen Farben der Erzählung aber führt uns eine dunkelrote Krawatte: Luther hat seinen Job zurückbekommen, darf Ripley an Bord holen und muss seinem neuen Chef (Dermot Crowley) versprechen, keine Spielchen hinter seinem Rücken zu treiben… und natürlich „no Alice Morgan“. Luther verspricht alles – bis auf Letzteres.

Die Räume und Orte in Luther wirken wie eine Kartographie von Luthers mentalem und seelischem Zustand: ein Stillleben, das den Rahmen sprengt. Gleichzeitig spiegeln die verkommenen Räume in London, die wir betreten, den Fall der Woche, in dem ein gescheiterter Kunststudent (bitte: immer das Studium zu Ende führen!) bühnenartige und blutige Inszenierungen mit jungen Frauen als Opfern hinterlässt. Der Mann will die Stadt aus ihrem Stillstand holen, den Rahmen sprengen. Gleichzeitig will die Witwe eines von Luther überführten Kriminellen, der im Gefängnis Selbstmord begangen hat, dass Luther ihre Tochter aus dem Bann von Sexvideos, Prostitution und Drogen herausholt. Ausgerechnet Mark, Zoes verhinderter Zweit-Ehemann, wird ihm dabei eine Hilfe sein.

Der neue Serienmörder (Lee Ingleby) – der Luther und seinen Kollegen zu schaffen macht, indem er mit dem Team als Publikum live via Webcam einen Mord begeht -, trägt eine Mr.-Punch-Maske und hegt eine Vorliebe für Londoner Geschichte. Die Serie macht typischerweise kein großes Geheimnis um seine Identität: In Luthers Welt sind Maskierungen überflüssig. Wir begegnen hier Grimassen der Realität, die zum Beißen nah sind. Mit einem Biss holt sich Luther bei der Auseinandersetzung mit Mr. Punch seine DNA, seine Identität. Und mit einem Biss holt er sich Alice wieder. Er besucht sie in der Anstalt und bringt einen roten Apfel mit. Alices Arme sind bandagiert: Auch sie hat Russisches Roulette gespielt.

Nachdem sich Alice über die mangelnde Erotik in der Anstalt beschwert hat, beißt Luther genüsslich ein großes Stück vom Apfel ab: so groß, dass eine Chipkarte Platz im Apfel bekommt. Beim Hinausgehen wirft er den Apfel über den Zaun, den Alice beim Hofspaziergang prompt findet. Mit Kapuze auf dem Kopf, dem roten Apfel in der Hand (und somit einem Teil von Luther: seiner DNA!) und einem Lächeln auf den Lippen steht sie da: Rotkäppchen, Alice im Wunderland und Schneewittchen in einer Figur. Die Frage ist: Wird der Apfel sie nach Hause bringen oder töten?

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