Luther: Season 2, Episode 2

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John Luther (Idris Elba) steht mit den Händen in den Taschen da. Unbeweglich am Straßenrand, während die Kamera ihn umkreist, als wolle sie die Bewegung in seinem Innern vorführen. Längst ist Luthers Welt aus dem Gleichgewicht geraten – hinein in einen Sog, der dem eines Schwarzen Lochs ähnelt. Und doch ist Luther selbst derjenige, der diese Bewegung erzeugt, in ihrem Zentrum steht und Andere mit in den Abgrund reißen kann. Oder auch retten. In dieser zweiten Episode der BBC-Produktion hängt Ripleys Leben an einem nicht seidenen, sondern sehr groben Faden, Jenny braucht weiterhin Luthers Hilfe, und Alices seidige Worte in Luthers Ohr geben ihm zu denken.

Kann er seiner Welt den Rücken zukehren und mit Alice nach Mexiko gehen? Wäre er dann noch John Luther?In dieser Episode zitiert er Alice zwei Mal: am Anfang der Episode und an ihrem Ende. Seine Antwort auf ihre Frage zum Schluss, warum er nicht mit ihr nach Mexiko kommt, lautet: „Because I am what I am.“ Man erinnere sich außerdem an das Gespräch zwischen Luther und Alice (Ruth Wilson) aus der ersten Staffel, als Alice über den Sog der Schwarzen Löcher und das ultimative Böse sprach: Jene Worte wiederholt Luther am Anfang vor seinen Kollegen, als alle um Ripleys (Warren Brown) Schicksal bangen.

Alice ist erst am Schluss der Episode kurz zu sehen, doch ihre Worte begleiten Luther die ganze Zeit über und weisen ihm den Weg, um Cameron unter die Haut zu gehen: Luther führt Cameron (Lee Ingleby) dessen eigene Nichtigkeit vor Augen, zieht ihm die Bühne unter den Füßen weg. Er inszeniert für Cameron den fehlenden Blick auf ihn. Cameron will die Hand Gottes sein: so drückt es Luthers Vorgesetzter aus, während er einen Komplizen verhört. Aber niemand hört Cameron zu.

Das Setting korrespondiert mit dieser Leere, der sich Cameron ausgesetzt sieht: Die Kamera zeigt uns Bilder des Verfalls in London. Die meisten Gebäude sind leer oder kaum bewohnbar, wie Camerons Tatorte, Luthers Wohnung oder aber Mark Norths verwahrlostes Domizil.Doch genauso wie die Blume, die Mark mit Zärtlichkeit begießt, bleibt ein Rest Hoffnung hinter der abgeblätterten Farbe der Häuser am Leben. Luther und Ripley schaffen es, die Schulkinder zu retten, die Cameron töten will. Außerdem entscheidet sich Luther, Jenny (Aimee Ffion Edwards) weiterhin zu helfen, und nimmt sie bei sich auf. Dafür freilich überschreitet er erneut das Gesetz.

Luther handelt zwar mit guten Absichten, nimmt aber Grenzüberschreitungen in Kauf – und, wie man argwöhnt, nicht ungern. Auch er spielt, wenn man so will, die Hand Gottes. Sinnbildlich bekommt er dafür einen Nagel durch die Hand geschlagen. Aber das hindert ihn nicht daran, weiterzumachen. „You’ve done enough“, sagt Alice zu ihm und wiederholt damit nun ihrerseits seine eigenen Worte zu Jenny und ihrer Mutter, „now give it up and walk away.“ Genau das aber kann Luther nicht…

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