Luther: Season 2, Episode 3

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Der Horror lauert vielleicht an der nächsten Straßenecke, wo ein eigentlich unscheinbarer Mann Mitte Zwanzig steht und sein bohrender Blick einen für den kurzen Augenblick in Stein zu verwandeln droht. Eigentlich ist es ein einladender Blick: Komm und tanz mit mir den tödlichen Tanz des Chaos, des kompletten Orientierungsverlustes, des freien Falls. Luther konfrontierte uns schon in der ersten Staffel mit unheimlichen menschlichen Taten, aber Episode 3 bildet meiner Meinung nach einen Höhepunkt, was das Hervorrufen von purem Entsetzen beim Zuschauer betrifft. Ein Unbekannter terrorisiert London, indem er etliche Gewalttaten verübt, die im Laufe der Episode eine kontinuierliche Steigerung erfahren. Es fängt mit Vandalismus und Totschlag an der Tankstelle an und endet mit dem Ermorden mehrerer Büroangestellter am helllichten Tag.

Die Atmosphäre der Episode wird von dem Fall diktiert – eine Tatsache, die in manchen anderen Episoden nicht so perfekt funktionierte. Der starke Sog, den der Fall entwickelt, sorgt in meinen Augen dafür, dass der Nebenplot um Jenny (Aimee Ffion Edwards) und die Mafia eher als Ablenkung funktioniert. Da allerdings möchte man ausrufen: Wenn schon Ablenkung, dann bitte Alice!

Luther begibt sich in noch größere Probleme, um Jenny weiterhin beschützen zu können. Obwohl er im Rahmen des Möglichen (und Illegalen) kooperiert, bekommt Jenny Besuch von Toby Kent (David Dawson), der dann auf Luthers Fußboden im eigenen Blut endet, mit Luthers Küchenmesser im Kopf: Jenny hat den Zweikampf gewonnen. Die Eskalation dieses Nebenplots zum Finale scheint damit gesichert.

Aber kehren wir zurück zu dem Mann, der sich seinen mörderischen Weg durch London würfelt. Er handelt einfach, brutal, sinnlos und vor allem wahllos. Dieses Konzept – oder eher: Täterprofil – ist nicht unbedingt etwas Neues in der Film- und TV-Geschichte, aber die Art, wie Luther den Fall präsentiert, und die Steven Robertsons Verkörperung des Täters wirken äußerst verstörend. Der Angriff im Bürogebäude gehört zu den traumatischsten Szenen der letzten TV-Jahre.

Dabei wissen wir eigentlich gar nicht, ob der Täter ins Schema passt. Bislang ist er nur ein Niemand außer Rand und Band, der anscheinend wahllos Gewalttaten verübt. Auch am Ende der Episode wissen wir – und auch Luther – nichts über ihn, nicht einmal seinen Namen. Luther schafft es ihn zu verhaften, aber nichts Schlimmes konnte verhindert werden. Außerdem gibt es kein Täterprofil, gar keinen ersichtlichen Grund für alles. „He’s making his decisions on the roll of a dice“, sagt Luther. Auch John gelingt es nicht, das Spiel mit den Würfeln, den Zahlen und dem Notizblock zu durchschauen.

Zum ersten Mal in Luthers Geschichte erleben wir ein Verhör, bei dem Luthers (Idris Elba) Gegenüber sich auf kein Gespräch einlässt. Vielleicht, weil er nicht… da ist? Weil er immer noch da draußen ist, um weitere Verbrechen zu begehen: als ein Anderer und doch gleich? “Sweet Dreams” erklingt am Ende und schickt den Zuschauer ins Land der Alp-Träume, wo nächste Woche Luthers Finale wartet.

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