Justified: Riverbrook (1×02)

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Es war einmal ein Cowboy, der sich in gelassener Haltung von uns Richtung Horizont bewegte…
Wer sich gefragt hat, ob Justified ein Procedural oder ein Serial wird, bekommt mit Riverbrook die Antwort: Wie heutzutage üblich, ist die Serie beides. Riverbrook ist demnach eher die Procedural-Episode und es ist auch gut so. Denn nach dem explosiven Anfang in Fire in the Hole musste man das Tempo etwas bremsen, sonst würde nach sechs Episoden alles erzählt und die Luft raus sein. Manche US-Kritiker, da sie ja großen Wert auf serialisierte Sachen legen, fanden Riverbrook sogar schwach.

Nun, dem muss ich vehement widersprechen. Man kann ja nicht gleich in der zweiten Episode wieder auf der Boyd-Raylan-Story herumreiten bis in den Sonnenuntergang. Klar ist die Chemie zwischen den beiden kaum zu toppen, aber man darf nicht vergessen, dass Justified kein Kammerspiel ist. Und klar heben Timothy Olyphant und Walton Goggins schauspielerisch die Messlatte sehr hoch, aber die Nebendarsteller in Riverbrook, das Trio Shirley/Dupree/Cooper, schaffen es, sich perfekt in die Stimmung und die Erzählweise der Serie einzufügen und sie teilweise sogar hervorzubringen.

Und wie ist die Stimmung? Sie ist eine, die mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu genießen ist. Was ich so großartig an Justified finde, ist der melancholisch-liebevolle Umgang mit den Figuren, sowohl mit den bösen als auch mit den guten. Keiner wird hier abgestempelt, jeder versucht den eigenen Zug im Leben zu machen und bei den meisten geht es schief. Manchmal aber kriegen sie eine zweite Chance, wie Boyd, der auf dem Bett im Gefängniskrankenhaus seinem Besucher Raylan dankt, ihn verschont zu haben: „I am now in peace.“ Boyd meint, nach diesem Shootout die Erleuchtung bekommen zu haben. Vermutlich wird das eine sein, die durch das Leuchten der Mündung von Panzerfäusten zustande kommt. Werden wir ja sehen…

Das Brechen der Nase vom Boyds Nazi-Komplizen leuchtet mir wiederum als Running Gag ein, mit dessen Hilfe man hier den Episodenplot einführt: Gefangenentransport. Gehört zu Raylans Job. Mit dem Unterschied zu anderen TV-Marshalls lässt er aber den Gefangenen selbst fahren! In Kentucky lässt man generell Gefangenen viel Raum, sonst wäre der grandiose Live-Auftritt von der Gefangenen-Band The Big House Boys auf einer Geburtstagsparty gar nicht möglich. Wie rief noch mal die Frau auf der Party die Bandmitglieder auf: „Freebird!“ Cooper, ein älteres Mitglied der Band nimmt aber diesen Aufruf wörtlich und flieht.

Sein Plan: Nach 15 Jahren zu seiner Frau Shirley zurückzukehren und mit ihr zusammen das Geld, das er damals nach einem Raubüberfall versteckt hat, zu holen. Sein Problem: Raylan. Den schafft er aber aus dem Weg, indem er ihm Waffe, Auto und Hut abnimmt. Raylans Kommentar im Halbdunkel des Zimmers, wo er eingesperrt wurde: „Shit.“ Übrigens scheint Cooper Raylans Vater zu kennen und die beiden haben eine interessante Meta-Konversation: 
„Marshall? Like in Gunsmoke?“ fragt Cooper. 
„More like The Fugitive.“ antwortet Raylan.

Oh, einen Witz über Coopers Komplizen, den er ja wegscheucht und der laut Cooper ein schlechter Schlagzeuger war, hat Raylan auch: „How can you tell there’s a bad drummer at your door? Knock speeds up.“ Ein schnell schießender, wütender, gutmütiger und sanft sprechender US-Marshall, der immer für einen Witz gut ist? Damit kann ich sehr gut leben. Womit Cooper nicht leben kann, ist Dupree, dem „not-first-cousin“ von seiner Ex-Stripperin-Ex-Frau Shirley, mit dem sie jetzt schläft und der von dem versteckten Geld weiß.

Während sich die drei auf die Suche machen, suchen die zwei Frauen in Raylans Leben ihn auf. Seine Ex Winona (Natalie Zea) will wissen, was er in der Nacht zu ihrem jetzigen Mann Gary gesagt hat, so dass Gary seitdem nicht mehr schlafen kann. Und Ava (Joelle Carter) will mit Raylan schlafen. Darf er aber nicht. Ja, ein Marshall hat es nicht immer leicht. Tim, Raylans Kollege und Ex-Scharfschütze, hatte es, als er damals seine Zielpersonen beobachten musste, bevor er abdrückt, auch nicht leicht.

Er erzählt Rylan, wie den Scharfschützen beigebracht wurde, sich Storys über die potenziellen Ziele auszudenken. Nun, das führte aber nur dazu, dass manche (wie Tim) ein schlechtes Gewissen bekamen. Diese Story, wie auch viele andere Details in Justified, wird wieder aufgenommen, wenn später Tim nach seiner Dupree-Story gefragt wird. Tim: „Yeah, if he does anything out of line, I get to shoot him.“
Es war einmal ein Cowboy, der sich in gelassener Haltung von uns Richtung Horizont bewegte… „Bang, bang, you shot me down…“

Nein, Nancy Sinatra ist nicht Teil des Justified-Soundtracks, aber dafür Cliff Wagner and The Old #7 mit “Castleneck”, Audrey Auld mit “I’d Leave Me Too” und nicht zu vergessen den Titelsong von Tom Heyman “Haunted”.
Und der Vorspann? Die Machart erinnert an True Bloods Vorspann, also: Awesome!

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