Luck: Episode 2

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Obwohl bislang nicht viele Zuschauer ein Auge auf Luck werfen wollten, setzt HBO auf dieses Pferd. Wie bei einem echten Pferderennen fließen mehrere Faktoren in die Wette ein, und manchmal kann sogar das Glück entscheiden. Was aber ist Glück? Existiert es tatsächlich? Oder wurde das Wort von den Verlierern erfunden, um ihre Niederlagen zu rechtfertigen?

Luck handelt zwar von Glück – aber nicht davon, ob man es hat oder nicht, sondern von der Zusammensetzung dessen, was wir Glück nennen. Lässt sich Glück erzwingen, und wenn ja, um welchen Preis? Lässt sich präzise Vorbereitung auf einen Erfolg als Glück verkaufen? Und warum? Im Vergleich zur Pilotepisode verbringen wir diesmal weniger Zeit auf der Rennbahn – aber doch genug, um dank dieser Aufnahmen wieder das halluzinatorische Gefühl von Ohnmacht, völliger Vergessenheit und gleichzeitig Glückseligkeit aufkommen zu sehen: wie die kleinen Staubpartikel, die in der Nachmittagssonne aufgewirbelt werden, um dann wieder zurück zu Boden zu sinken.

Genauso wirbelt Luck in dieser zweiten Episode mehr aus den Geschichten der einzelnen Beteiligten auf, sei es durch einen eindringlichen Monolog, einen Pferdekauf, ein Pokerspiel oder “die Stimme aus der Hose”. Jede/r will das eigene Glück versuchen, ob mit Frauen, Wetten, Poker oder als Jockey. Alle werden getrieben von Leidenschaft, von Liebe – zur Rennbahn zwar, aber letztendlich gilt die Liebe jenem Gefühl, das ich oben beschrieben habe. Für manche ist dieses Gefühl eine Erinnerung, oft eine schmerzvolle; so etwa für Nick Noltes Walter, der in einem wunderschönen Monolog dem Jockey-Veteran Ronnie vom Tod des Pferdes Delphi erzählt („Kentucky quality killed Delphi“).

Die tiefe Trauer dieser Geschichte trifft Ronnie stärker als die Tatsache, dass beim nächsten Rennen er und nicht Rosie Walters Pferd reiten wird. Rosie (Kerry Condon) bleibt nach wie vor die einzige Frau, die in Luck über ein bloßes Auftauchen im Bild hinauskommt. Wenn sie auch in dieser Männerwelt vorerst verloren scheint, spürt man ihre leidenschaftliche Energie und ihr Suchen nach ihrer Möglichkeit. Wenn man dann aber einmal diese Möglichkeit bekommen, den Durchbruch geschafft, Glück gehabt hat – was macht man daraus?

Diese Frage verbindet alle Beteiligten. Lebt man für immer in den Erinnerungen daran, oder plant man für die Zukunft, um eine Wiederholung jenes Glücks zu erzwingen? Luck setzt die vier Jackpot-Gewinner aka „gambling degenerates“ um Marcus (Kevin Dunn) ein, um einen Blick auf diese Frage zu werfen. Während Marcus, die Seele des Teams, mehr ist als ein erhobener Zeigefinger, nämlich eher eine Maschine für trostlose und präzise Schimpftiraden, hegen die restlichen drei eigene Vorstellungen davon, wie sie mit dem Gewinn umgehen sollen.

Man muss sagen, dass die Szenen mit Lonnie und den zwei Frauen, die ihn umzubringen versuchen, die humorvolle Note nicht trifft, falls eine solche beabsichtigt war. Im Gegensatz dazu erscheinen die Geschichten um Jerry und vor allem Renzo umso gelungener. Renzo versucht trotz seiner kindlichen Art als Einziger, aus dem Gewinn etwas zu machen – nicht nur für sich, sondern für die ganze Gruppe. Er will ein Pferd kaufen. Obwohl der Versuch misslingt, bringt uns diese Nebenhandlung tiefer in diese Welt hinein und erklärt uns Abläufe und Gegebenheiten.

Jerrys Pokersucht (schlechter Call, Jerry, nur die Dame getroffen auf diesem Board…), die er in vollen Zügen auslebt, zeigt, dass Glück bei einer Gambling-Art nicht automatisch Glück bei einer anderen bedeutet. Es kommt auf die Fähigkeiten an. Und Poker, umstritten in Medien und Meinungen, gibt eine gute Metapher dafür ab, dem eigenen Glück auf die Sprünge helfen zu können. Glücksspiel oder nicht? Ace Bernstein (Dustin Hoffman) wäre bestimmt meiner Meinung: Zwar ist durchaus Glück im Spiel, aber letztendlich hängt es von den eigenen Fähigkeiten ab, ob man als Gewinner oder Verlierer aus der Sache hervorgeht. Disziplin und Langzeitplanung zahlen sich aus – und die Scharfsinnigkeit, die Züge Anderer zu erkennen: „Looks like you took a beat on a game you ran“, sagt Ace zu Escalante.

Er durchschaut Escalantes (John Ortiz) Spielchen, Kalkulation als Glück aussehen zu lassen und so die Odds zu Gunsten seiner eigenen Wetteinsätze zu treiben. Wir wiederum erhalten erste Einblicke in Aces Plan, sich an DiRossi, Cohen und Mike zu rächen. Obwohl auf den ersten Blick unauffällig, spürt man buchstäblich, wie Aces Präsenz an Gewicht zunimmt. Offenbar verwenden David Milch & Co die ruhigen Szenen zwischen Ace und Gus (Dennis Farina) im Hotelzimmer als dramaturgischen Eingriff zum Abschluss einer jeden Episode, um die Ereignisse zusammenzufassen, darüber zu philosophieren und zu zeigen, dass diese alten Männer ihr Glück zu erspielen wissen.

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