Luck: Episode 8

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Das Schicksal liebt die Ironie, oder? Eine Serie namens Luck wird vom Glück verlassen und muss das Rennen um die Spitzenplätze der Seriengeschichte früh abbrechen. Boten die Ereignisse einen willkommenen Anlass für HBO, dem auch in den Ratings glücklosen Projekt den Gnadenschuss zu verpassen? Darüber kann man nur spekulieren – genauso wie darüber, wer die Schuld trägt am Tod dreier Pferde während der Dreharbeiten. Und spekulieren möchte ich nicht. Dafür bin ich doch zu betroffen von HBOs Entscheidung. ABER: Ich verstehe sie vollkommen.

Eine Serie, die sich der Liebe zum Pferderennen und zu den Tieren verschrieben hat, kann unter solchen Umständen nicht fortgesetzt werden. Über Organisationen wie PETA brauchen wir nicht zu sprechen: um sie geht es hier nicht, auch wenn sie sich einbilden, Pferden Reden und Schreiben beibringen und in naher Zukunft mit Hühnern über Kognition und Emotionen diskutieren zu können. Es geht um unsere Emotionen als Zuschauer und die der Beteiligten an dem Projekt. Nach den Ereignissen wird das Unbehagen diese Gefühle dominieren, sei es beim Zusehen oder beim Arbeiten an der Serie.

Vielleicht lohnt es sich jetzt nicht mehr, über die ohnehin abgesetzte Serie zu schreiben. Aber ich habe immer gern über Luck geschrieben, denn die HBO-Serie wusste zu inspirieren, was heutzutage viel zu wenige Serien fertigbringen. Von daher ist es besonders traurig, dass ausgerechnet im Kabelsektor, wo sich TV-Kunst wohl zu fühlen schien, mit Rubicon, Terriers und jetzt Luck in relativ kurzer Zeit drei hervorragende Projekte nach nur einer Staffel abgesetzt wurden. Unglücklich? Ja und nein.

Die Gründe kann man lange abwägen, gar den Großteil der Zuschauer als The Watching Dead bezeichnen, Senderpolitik kritisieren etc., aber das wollen wir uns ersparen – und statt dessen mit den den letzten zwei Reviews über Luck schlicht betonen, dass es einfach schön war, diese Serie gesehen zu haben. Ihrerseits wollte die Serie genau dies: schön sein bzw. die in der Luft schwebende Schönheit unserer menschlichen Existenz in den sich langsam legenden Staubwolken auf Santa Anita festhalten. Wenn sie sich gelegt haben, bleibt ein strahlender Himmel, von dem wir in dieser Episode mehrere Aufnahmen zu sehen bekommen.

Aber wolkenlos bedeutet nicht unbedingt ungefährlich. Die Episode baut sich zum großen Teil um drei metaphorische Rennen auf (Escalantes, Aces und Walters), deren Ausgang auf der Hand zu liegen scheint, dessen Ergebnis sich aber dennoch als sehr fragil erweist. Man hat beim Zusehen das Gefühl, die Luft würde für kurze Zeit angehalten – so, als zöge sich das Wasser zurück, bevor die Tsunami-Welle kommt. Man erwartet, dass jeden Moment etwas passieren wird, vor allem in der Ace-Rache-Story… und es passiert nichts. Noch nicht. Eine Welle braucht Zeit, um sich aufzutürmen. Als Ace (Dustin Hoffman) mit Sicherheit weiß, dass Mike Israel getötet hat, holt er zum Gegenschlag aus, aber auf seine Art: auf stille Art.

Die Bedrohung wächst aus der Stille heraus, wie DiRossi feststellen muss, als er für gewisse Zeit in einem Stall gemeinsam mit einem schweigsamen Gus eingepfercht wird. Währenddessen stellt Ace Mike ein Ultimatum: „You are out.“ Dann erzählt er ihm von dem As in seinem Ärmel, das er gegen Mike ausspielen kann. Aber ob Mike sich einschüchtern lässt? Walter gewinnt zwar die nächste Auseinandersetzung mit Mr. Bowman, aber auch hier scheint das Spiel noch nicht beendet. Ganz anders sieht es für Leon aus: Er muss erneut aus dem Sattel, da sein Gewicht nicht stimmt. Rosie wiederum bekommt die Möglichkeit, beim Rennen direkt vor dem Big Western Derby Mon Gateau zu reiten.

Ronnie zeigt beim Rennen der Woche, dass Walter nicht umsonst Vertrauen in ihn gesetzt hat. Aber wird er auch im Derby gegen Pint of Plain als erster durchs Ziel gehen? Wird Jos Schwangerschaft ein glückliches Ende nehmen, nachdem ein Pferdetritt sie ins Krankenhaus befördert? Escalante steht an Jos Seite, während Massive Attacks dieser Episode den perfekten Schlusspunkt setzt: mit “Paradise Circus” dem Titelsong in BBCs Luther. Gewinnen und Verlieren liegt so dicht beieinander, dass man die Grenzlinie kaum ausmachen kann…

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