Justified: Cottonmouth (2×05)

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„You will not die in that hole, Kyle. You have my word on that“, sagt Boyd Crowder (Walton Goggins) – und wer zwischen den Zeilen liest / lauscht, spürt das Todesversprechen in diesen Worten. Cottonmouth ist nicht nur die beste Episode im bisherigen Verlauf der zweiten Staffel, sondern eine der besten im Gesamtverlauf der Serie. Wen wundert es, dass Boyd im Zentrum der Ereignisse steht?

Wassermokassinotter: das bedeutet Cottonmouth, der Titel dieser Episode. Diese Schlangenart gehört zur Unterfamilie der Grubenottern. Diese Otternspezies bevorzugt die Dunkelheit. Sie ist nachtaktiv, und an warmen Sommertagen sucht sie den Schatten der Bäume und anderer Vegetation. Ja, der Titel ist nicht zufällig gewählt worden. Justified überlässt es wie immer den Zuschauern, Verbindungen herzustellen und sich an den kleinen (Schlangen-)Spuren zu erfreuen, wenn sich die Erzählung von einem Plot zum anderen windet und gelegentlich bissig wird.Der Biss der Wassermokassinotter ist giftig, aber sehr selten mit tödlichem Ausgang für Menschen. Studien beweisen, dass diese Schlangenart sehr selten angreift und meist nur Drohgebärden einsetzt, um andere zu vertreiben und in Ruhe gelassen zu werden. Boyd will in Ruhe gelassen werden, aber Kyle & Co. zwingen ihn aus seinem Versteck heraus und überreden ihn, bei dem geplanten Überfall mitzuhelfen.

Boyds Hilfe aber ist nur Schein, denn der beste kriminelle Mastermind in Harlan County hat einen Plan – dessen Erfüllung uns einerseits fasziniert, andererseits erschüttert, genauso wie die Figur selbst, die seit der allerersten Episode den Zuschauer durch ein Minenfeld führt. Boyd mit unserem Zuschauerblick zu begleiten, gleicht einem Schlängeln durch ein Minenfeld, wo jede Sekunde alles hochgehen kann. Und die Mine (Grube), in der Boyd Nachtschicht für Nachtschicht seine Ruhe haben wollte, soll tatsächlich hochgehen.

Stattdessen aber lässt Boyd Kyle & Co. ins Gras beißen – nachdem sie die Chance zum Abblasen der ganzen Sache, die er ihnen gibt, nicht wahrnehmen. Mit einer Reihe geschickter Arrangements (zum Beispiel der gespielte Telefonanruf und Avas Anruf) nimmt der vermeintliche Coup seinen Lauf, während sich Boyd zwischen den Grashalmen davon macht.Für Boyd selbst war die ganze Geschichte ein “last call”: Er hat sich selbst am anderen Ende der Leitung und scheint sich damit abzufinden, wie und wer er ist. Das teilt er Ava (Joelle Carter) in der letzten Szene mit – und beweist es mit der Tasche voller Geld, die er beim Überfall doch noch abgezweigt hat…verschachteltes Dasein lässt uns, wie immer, im Niemandsland der Gefühle zurück: dort, wo die positiven und negativen Empfindungen nur Millimeter voneinander entfernt liegen.

Dasselbe gilt für Boyds Beziehung zu Raylan (Timothy Olyphant), die man nicht wirklich in Worte fassen kann. In einer Sache gleichen sich die beiden definitiv: Sie sind “cotton mouths”. Nicht nur bildet der Baumwollanbau die traditionelle Haupteinnahmequelle der Südstaaten, in denen die Wassermokassinotter zu Hause ist: Baumwolle kann überdies als Metapher für die Sprache dort selbst verstanden werden – speziell für die Art und Weise, in der Boyd und Raylan miteinander und mit anderen sprechen.

„Always be cool“, sagt Boyd zu Kyle. Das sind – nach außen hin – sowohl Boyd als auch Raylan: cool und weich, wie ein flockiges Baumwollknäuel – aber in ihrem Inneren brodelt es. Natürlich gibt es auch in dieser Episode ein Gespräch zwischen Boyd und Raylan, draußen vor Avas Haus, in der strahlenden Sonne – vor die Raylan seinen Hut hält, um ihnen beiden, den cottonmouths, Schatten zu spenden.

Einen anderer Schatten, den der Bennett-Familie nämlich, möchte Raylan nicht über sich haben. Scherzhaft sagt Art zu Raylan: „You’re like the Hillbilly Whisperer.“ Damit beschreibt er genau Raylans Tun. Auch in dieser Episode flüstert Raylan Kentuckys Bewohnern Vernunft ein: angefangen mit der ersten Szene im Gefängnis mit Dewey über die Elektroschocker-Doppelschlag-Auseinandersetzung mit dem Vertreter der Church of the Two-Stroke Jesus (wenn das keine Ironie ist!) bis hin zur letzten, liebevollen Szene mit Loretta. Während Raylan “flüstert”, arbeitet Momma Bennett mit dem Hammer.In einer erschütternden Szene mit ihren Söhnen bestraft sie Coover, indem sie ihm die böse Fälscherhand mit einem Hammer zerschmettert – während sich beide gegenseitig Liebe schwören. Dieser verstörende Abschluss liefert allerdings das passende Wort, um diese Episode und die Serie generell zu beschreiben: Einfach der Hammer! Mit Baumwollpolster…

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