Justified: Fathers and Sons (1×12)

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Bei Serien wie Justified kann man schwer über Doppelepisoden oder Ähnliches reden. Es ist zwar ersichtlich, dass der Weg immer enger und die Bewegung immer schneller wird – von Veterans über Fathers and Sons zum Finale Bulletville (schon bei dem Titel zuckt mein Zeigefinger) -, aber im Grunde ist dieser Dreiakter Ergebnis der kleinen, aber feinen Bewegungen der Erzählung aus all den vorherigen Episoden. Justified schafft es, den Vorgeschmack auf das Finale extrem intensiv zu gestalten, indem diese Episode ganz klar zeigt, wieviel für die Figuren auf dem Spiel steht.

Das Interessante daran: Im Grunde will keine der Figuren diese Entwicklung in Richtung Showdown wirklich! Wenn nur die Kentucky-Bewohner nicht eine so extreme Hartnäckigkeit an den Tag legen würden… Als Zuschauer allerdings ist man für diese Hartnäckigkeit dankbar – auch für die der Autoren, die sich schon früh entschlossen hatten, Walton Goggins aka Boyd in den Hauptcast zu befördern: denn geschickt setzen sie ihn im Laufe der kompletten Season als Dreh- und Angelpunkt der Bewegung innerhalb der Justified-Erzählung ein. Zwar erzählt Justified Raylans (Timothy Olyphant) Geschichte, aber Boyd ist derjenige, der sie vorantreibt. Durch seine Handlungen und seine Beziehung zu Raylan befördert er sämtliche Facetten von Raylans Charakter ans Tageslicht und treibt ihn somit unausweichlich dazu, sich selbst zu begegnen, Entscheidungen nicht leichthändig zu treffen. Wenn man es ganz genau nimmt, redet Boyd zwar davon, dass er durch Raylans Tat verändert wurde – aber eigentlich ist es Raylan, der in den letzten Episoden durch Boyd verändert wurde.

Fathers and Sons zeigt eins: Boyds Worte, wenn auch in biblische Metaphern verpackt, sind nicht leer. Sie lauteten und lauten noch immer: „Fire in the Hole!“ Um diesen Ausruf – übrigens Titel von Leonards Vorlage für die Serie! – gruppieren sich die letzten Episoden: um ihn und um Boyds Gesicht, das nach wie vor schwer zu lesen ist. Zwischen den Zeilen muss wiederum Bo in dieser Episode lesen, um festzustellen, dass Boyd ihn in seiner großartigen, selbst inszenierten und gespielten Predigt in der Kirche eine letzte Warnung übermittelt hat: „Like Jesus, we must never be afraid to strike out against those who practice evil.“ Das Familienblut wird immer dünner.

Söhne rebellieren gegen Väter, was Letzteren – wie immer, wie überall – nicht gefällt. Arlo sagt zu Raylan: „Should be glad your mother didn’t live to see how you turned out.“ Das passiert, nachdem die Marshalls mit Arlo einen Deal abgeschlossen haben: Arlo soll als Maulwurf arbeiten, um Bo und Boyd hinter Gitter zu bringen. Raylan besteht darauf, dass er eine Wanze trägt, was Arlo ganz und gar nicht zusagt. Sein Plan: die Marshalls ausnutzen, beide Seiten gegen einander ausspielen, um selbst aus dem Schneider zu kommen und obendrein vielleicht ein bisschen was zu verdienen… Faszinierend spielen Raymond J. Berry (Arlo) und M.C. Gainey (Bo) die Szene, in der Arlo zu Bo geht und ihm mit Stift und Papier mitteilt, dass er Maulwurf ist und eine Wanze trägt. Arlo kann sehr geschickt Geschichten flechten, wie wir im Veteranenheim erleben dürfen, als er den Soldaten mit einer – wie man später erfährt: erfundenen – Geschichte aus dem Vietnamkrieg überreden kann, sich und das Haus nicht mit der Granate in die Luft zu jagen.

Like father, like son! So hätten die Väter es gern. Die Söhne aber haben ihre Charakterzüge nur übernommen, um sich gegen ihre Väter aufzulehnen: „My son’s been fighting wars since the day he was born“, sagt Arlo. Die Frauen neigen ihrerseits dazu, um Raylan zu kämpfen: Winona (Natalie Zea) lässt hier dem Flirt am Fahrstuhl (letzte Woche) den nächsten Schritt folgen und stattet Raylan einen romantischen nächtlichen Besuch ab. Man sah es kommen! Ava auch – denn leider sieht sie Winona aus Raylans Zimmer gehen und konfrontiert ihn später mit der Tatsache. Fast alle Frauen der Serie – es sind ihrer ja nicht viele – sehen wir involviert in Tête-à-têtes. Winona: „It’s kinda hard to stay mad at Raylan.“ Ava: „I wouldn’t know. I’m just getting started.“

Da Bo weiterhin seine Leute hinter Ava herschickt, sieht sie sich gezwungen, ihm einen bewaffneten Besuch abzustatten, nachdem sie sich von Helen das passende Gewehr geholt hat. Ich finde, diesmal haben die Autoren die Frauen-Szenen herausragend hinbekommen. Was mich aber ein bisschen stört, ist Rachels Verschwinden. Natürlich hat man mit den Geschichten aller Übrigen reichlich zu tun, aber Rachel einfach verschwinden zu lassen…? Oder habe ich die Begründung dafür verpasst?

Bo nun verpasst tatsächlich etwas. Er besucht den Drogenboss in Miami, um das große bevorstehende Meth-Geschäft abzuwickeln. Nach dem üblichen “Ich-drohe-dir-du-drohst-mir” werden sie sich einig, und die Lieferung ist unterwegs. Aber Bo hat die Rechnung ohne seinen Sohn gemacht, denn ein Raketenwerfer ist nicht dazu da, Staub zu fangen…

Was wir definitiv alle auf der Rechnung haben müssen, ist das Finale nächste Woche:

„Fire in the Hole!“

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