Justified: The Hammer (1×10)

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Fire in the Hole! Wir sind wieder am Anfang angekommen! The Hammer präsentiert uns eine Figurenkonstellation wie im Piloten – nur unter umgekehrten Vorzeichen. Es ist so, als wäre man auf der andere Seite einer Möbiusschleife gelandet. Aber: hat die wirklich eine andere Seite? Haben sich Raylan und Boyd verändert?

Raylan, der Mann mit Überzeugungen und Selbstbewusstsein, vertrat die Regel „Zuerst schießen und dann Fragen stellen“, während Boyd einfach darauf aus war, ein Verbrechen mit dem nächsten zu toppen. Und jetzt? Raylan scheint völlig verunsichert, beinahe ratlos, und hinterfragt jede der eigenen Entscheidungen.

In den letzten Episoden sahen wir ihn bemüht, möglichst keinen Schuss abzufeuern und jede Situation friedlich lösen zu wollen. Währenddessen ist Boyd Gottes Mann geworden, erleuchtet, ruhig, wieder geboren. Können zwei der wütendsten und gewaltbereitesten Männer im heutigen Fernsehen Frieden finden?

The Hammer eröffnet wieder einmal mit einer grandiosen Dialogszene der beiden. Boyd hat in den Wäldern ein Zeltlager errichtet, wo er eine Art Kirche betreibt und verlorene Seelen zu heilen versucht, meistens Meth-Junkies und andere Kleinkriminelle. Auch wenn es einer Kanone direkt an der Schläfe bedarf: Gottes Worte sind halt streng und erfordern Aufmerksamkeit.

Raylan besucht die Kirche; nach dem erwähnten Gespräch der beiden, bei dem manzwischen den Zeilen lauschen muss, möchte man ein Gebet sprechen. Dieses Gebet würde ich hier gern zitieren: nicht nur wegen des sprachlichen Genusses, sondern weil es genau die Tatsache verrät, das die beiden kein Stückchen von ihren Zielen abgerückt sind, trotz Sinneswandel:

Dear Lord, before we eat this meal, we ask forgiveness for our sins, especially Boyd, who blew up a black church with a rocket launcher and afterwards shot his associate Jared Hale in the back of the head on (?) Street Bridge. Let the image of Jared’s brain matter on that windshield not dampen our appetite but may the knowledge of Boyd’s past sins help guide these men. May this food provide them with all the nourishment they need, but if it does not, may they find comfort in knowing the United States Marshals Service is offering $50,000 to any individual providing information that will put Boyd back in jail.

Solche Gebete scheinen mir tatsächlich mehr Sinn zu ergeben als das, was das Christentum sonst so auf Lager hat. Denn sie sind genauso hilfreich wie gefährlich: Wie damals mit seiner Neo-Nazi-Ideologie verschafft sich Boyd auch jetzt eine Truppe höriger Soldaten, die in Gottes Namen alles tun.

Erste Aufgabe: Ein Meth-Labor in den Wäldern in die Luft zu jagen – mit einem Menschen drin, aus Versehen. Fire in the hole! Kommt aus Boyds Mund. Traditionen muss man bewahren. Gute Arbeit von Walton Goggins: als Boyd realisiert, dass im Meth-Wohnwagen doch ein Mensch war, kann man seinen Gesichtsausdruck nicht mit Sicherheit deuten. Ist es ein leichtes Lächeln oder tiefe Betroffenheit? Oder sogar beides?

Genauso gut ist der Gastdarsteller der Woche: Stephen Root als Richter Mike „The Hammer“ Reardon, dessen Leben bedroht wird. In seiner allerersten Szene sehen wir den Richter in Unterwäsche mit einer Frau – auch in Unterwäsche – zwischen den Beinen, die an ihm saugt.

Nein, Justified ist nicht so weit gegangen: Sie versucht, vor den Augen der gerade eingetroffenen Sanitäter das Blut aus der Wunde eines Schlangenbisses zu saugen! Jemand möchte ihn umbringen, den exzentrischen Richter, der, wie wir sehen, unter seiner Robe nur einen knallroten Speedo trägt. Aber bei so vielen Feinden wegen strenger Urteile ist es schwer, herauszufinden, wer hinter dem Ganzen steckt. Der Richter verlangt Personenschutz – ausgerechnet und nur durch… Raylan. Er findet, sie beide hätten etwas gemeinsam: das harte Urteilen!

Virgil übrigens, der schließlich ermittelte Schuldige, wird von einem anderen Deadwood-Gast gespielt, Sean Bridges aka Johnny Burns. Das ist kein Zufall mehr, liebe Autoren! Genauso wie die Gespräche mit dem Richter in dieser Episode, die uns zeigen wollen, wie Raylan sich in dieser moralischen Grauzone herumwandern fühlt, die er schon betreten hat. „You made the call. You did what you had to. No regrets“, sagt The Hammer.

Aber Raylan schafft es nicht bis auf die dunkle Seite. Otis – der Pfarrer-Drogendealer, dessen Kirche Boyd im Piloten in die Luft gejagt hatte – erklärt sich bereit, Boyd auf Raylans Befehl zu identifizieren, ohne ihn wirklich gesehen zu haben. Trotzdem entscheidet sich Raylan, nicht in diesen Abgrund zu steigen, der ihm offen steht. Was aber dann?

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