Homeland: Pilotenepisode (1×01)

Standard

Über die neue Showtime-Serie Homeland wurde im Vorfeld viel geredet; Vergleiche wurden gezogen, Erwartungen geweckt und der Pilot schon vor der Premiere für alle verfügbar gemacht. Der Sonntag scheint sich zum am härtesten umkämpften Tag der US-Fernsehwoche zu entwickeln! Homeland wird es nicht leicht haben, aber vielleicht hängt der Erfolg der Serie davon ab, wie leicht sie es den Zuschauern machen wird – oder wie schwer.

Die jüngere Fernsehgeschichte – und damit kommen wir zu dem ersten Vergleich, der in der US-Presse kursiert – lehrt uns, wie schwer sowohl Kritiker als auch breite Zuschauermasse mit einem politischen Thriller zufrieden zu stellen sind. Es ist schwer, die Balance zu halten zwischen faszinierenden Rätseln und klaren Antworten, zwischen nachdenklichem Stillstand und furioser Action. Natürlich denke ich hier an die schmerzlich vermisste AMC-Serie Rubicon! Dennoch, keine Sorge: Dieser Text wird sich nicht in „Rubicon“-Lobeshymnen und detaillierten Vergleichen zwischen den beiden Serien ergehen. Ich erwähne „Rubicon“ deswegen, weil die Sichtung der „Homeland“-Pilotepisode klar erweist, dass die Showtime-Serie anders mit den Zuschauern umgehen will. Vielleicht ist diese andere sogar die bessere Art und Weise, um ein größeres Publikum an sich zu binden.

Homeland wirft zwar Fragen auf, nimmt aber im gewissen Sinne den Zuschauer an die Hand und macht die Erzählung zugänglich. Natürlich – und darin besteht die Faszination solcher Art von Storys – kann einem jeden Augenblick der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Das neue Showtime-Drama basiert auf der israelischen Serie Prisoners of War, deren Schöpfer Gideon Raff die 24-Veteranen Howard Gordon und Alex Gansa bei der Adaption unterstützt hat. Damian Lewis spielt den amerikanischen Soldaten Scott Brody, der acht Jahre lang für tot gehalten wurde, bis er plötzlich lebendig in einem Al Queda-Stützpunkt aufgefunden wird. Die CIA-Analytikerin Carrie Anderson (Claire Danes) ist überzeugt: Nur darum ließ man ihn so lange am Leben, um einen Doppelagenten aus ihm zu machen.

Leider werfen Carries Vorgeschichte und ihr labiler emotionaler Zustand (sie nimmt heimlich Tabletten) eine andere Frage auf: Gibt es stichhaltige Gründe für den Verdacht gegen Brody – oder sind nur ihre Obsession mit dem Terroristenanführer Abu Nazir und ihre Vorstellungskraft dafür verantwortlich, einen so genannten amerikanischen Helden zu verdächtigen? Ist Brody wirklich ein Doppelagent? Ich schätze, diese Frage wird nicht so leicht zu beantworten sein. Sogar Andersons Mentor Saul Berenson (Mandy Patinkin) ist kurz davor, sie bloßzustellen, als er erfährt, dass sie Brody gegen seinen Rat und hinter seinem Rücken illegal beschatten lässt und jede einzelne seiner Bewegungen verfolgt.

„Bewegung“ ist hier das Codewort! Es muss gesagt werden, dass vor allem die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptfiguren diese erste Homeland-Episode auszeichnen. Carrie bemerkt, dass Brody bei TV-Übertragungen immer wieder die Finger seiner rechten Hand in denselben Rhythmus-Sequenzen bewegt. Ein Code? Oder vielleicht nur die physischen Auswirkungen eines psychischen Traumas? In zwei Flashbacks aus seiner Gefangenschaft sehen wir, dass Brody sowohl die CIA-Vorgesetzten anlügt als auch die Frau seines Kriegskameraden, der in Gefangenschaft starb. Brody selbst erwartet zu Hause eine Wahrheit, die ihm seine Ehefrau (gespielt von Morena Baccarin, V und Firefly) zunächst verschweigt: nämlich, dass sie mit seinem besten Freund Mike (Diego Klattenhoff) zusammen ist. Carrie wiederum trägt manchmal einen Verlobungsring am Finger, aber welche Vorgeschichte dahinter steckt, bleibt noch zu erfahren. Auf jeden Fall werden hier die Weichen für ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel gestellt, bei dem man nicht weiß, wer die Katze und wer die Maus ist – und vor allem: ob man das Spiel mit sich selbst spielt, mit dem eigenen Bewusstsein, oder mit dem der Anderen. Oder mit beiden?

Es fällt schwer, frühe Urteile über eine so beschaffene Serie zu fällen, aber der Pilot macht durchaus Lust auf mehr.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s