Fringe: Back to Where You’ve Never Been (4×08)

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Wo gehören wir hin? Dorthin, wo wir geboren wurden, wo wir immer waren? Steht uns die Welt zu? Oder müssen wir einen eigenen Weg in dieser Welt finden, der uns dann an einen Ort führt, den wir unser Zuhause nennen können? Allzu leicht verliert man die Orientierung, vor allem dann, wenn man ungleich Hänsel und Gretel keine Spur aus Brotkrümeln findet. Die Krümel in Fringe sind die Gefühle, die einem helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben: Wegbegleiter, die gleichzeitig Orientierungspunkte bilden. Für Peter (Joshua Jackson) sind dies Olivia (Anna Torv) und Walter (John Noble) – genauer: die aus seiner Zeitlinie, bevor sie überschrieben wurde.

Fringes Back to Where You’ve Never Been eröffnet mit einer Traumsequenz: Wir befinden uns in Peters Kopf, in seinem Traum, wo ein nackter Walter in der Küche Pfannkuchen zubereitet und Olivia Peter einen Guten-Morgen-Kuss gibt. Peter träumt von einem Ort, wo er hingehört, er träumt von den Menschen, die ihm geholfen haben, zu sich selbst zu finden. Denn ist man nicht dort zu Hause, wo man zu sich gefunden hat? Die erste Episode nach der langen Winterpause zieht das Tempo an, nicht nur die Emotionen, sondern auch die Handlung betreffend.

Etliche Fringe-Zuschauer beschwerten sich darüber, wie Fringe in der alternativen Zeitlinie des Nicht-das-Fringe-wie-wir-es-kennen gefangen blieb, ohne sich irgendwohin zu bewegen. Fehlende Entwicklung wurde bemängelt, fehlende Action… Eigentlich aber begehren die Zuschauer etwas ganz Einfaches. Sie wollen, so wie Peter, nach Hause zurückkehren, ihre emotionalen Orientierungspunkte wiederfinden – denn ein Spiegelbild ist vielleicht nicht das, was es sein sollte: Es ist nicht man selbst. Sehr schön wird die Handlung der Episode in den ersten Minuten visuell vorweggenommen.

So kann man zum Beispiel die sich in Walters Labor schnell drehenden Windrädchen als Beschreibung des Erzählwechsels in dieser Episode sehen, die sich von einem Universum ins andere und zurück bewegt. Eine Farbe wechselt die andere ab, aber nicht in der herkömmlichen Abfolge: nicht in der gewohnten Richtung, genauso wie die Handlung später in der Episode überraschende Wendungen nimmt.Nach seinem Traum geht Peter zu Walter und fleht ihn an, ihm mit der Maschine und damit bei der Heimkehr zu helfen. Aber Walter antwortet: „I am the only man who can help you, but I am also the only one man who cannot help you.“ Als er das sagt, hält er kurz vor einem Spiegel inne, so dass wir ihn gespiegelt sehen. Diese sowohl sprachliche als auch visuelle Anspielung auf Walternate hat auch Peter verstanden.

Er geht zu Olivia und bittet sie, ihm nach drüben zu helfen. Olivia, die sich den Tag wegen ihrer Kopfschmerzen frei genommen hat, erklärt sich einverstanden, spannt aber den gerade eingetroffenen Lincoln mit ein: Er soll drüben als Alt-Lincoln posieren und Peter so zu Walternate hineinschmuggeln. Eigentlich aber hat auch Olivia andere Pläne. An diesem Punkt fangen die Windrädchen an, sich in die “falsche” Richtung zu drehen. Peter vertraut Olivia – nur eben der Olivia aus seiner Zeit. Unausweichlich aber beeinflusst das, was einem vor Augen steht, das eigene Denken und auch das Herz.

Die Frage, mit der diese Episode spielt, lautet: Wie “anders” kann das Gleiche sein, als man es aufgrund von Erfahrung und Erinnerung erwartet? Von jeder Sache gibt es zwei: das wurde in Fringe schon oft gesagt. Die Eins existiert nicht. Darf vielleicht nicht existieren, um die Balance nicht zu stören? Das einmalige Ereignis, jene Eins, ist Peter – und er beharrt auf dem Recht auf Existenz. Peter ist der einzige, der nicht nur so aussieht, sondern tatsächlich und ausschließlich ist, was und wer er ist. Und seine Existenz wird bedroht. Er geht mit Lincoln nach drüben, nur um sich in tödliche Gefahr zu begeben – denn dort ist nichts so, wie es aussieht. Die Shapeshifter scheinen die komplette rote Welt infiltriert zu haben.

Walternates Tun? Das glaubt nicht nur Peter, sondern sogar Fauxlivia und Alt-Lincoln sind davon überzeugt. Shapeshifter übernehmen das Aussehen, vielleicht gar die Persönlichkeit ihres Opfers bis zu einem gewissen Grad – nicht aber das Herz. In Fringes Universum bleibt das Herz die letzte Instanz, an welcher man gemessen wird. Wenn zwei Menschen gleich aussehen, macht das Herz den Unterschied. Walternates scheint, zumindest was die Shapeshifter-Sache anbetrifft, am rechten Fleck zu sitzen, wie Peter feststellt, nachdem ihm Elizabeth zu einem Treffen verholfen hat.

Übrigens wird auch Walternate anhand einer Spiegelung (in der Tischplatte, während er vor dem tatsächlichen Spiegel steht) in die Episode eingeführt. Es erweist sich überraschenderweise, dass Brandon selbst ein Shifter ist, den Walternate kurzerhand erledigt – und dass Broyles und kein Geringerer als David Robert “Mr.” Jones hinter der Shifter-Invasion stehen. Bei diesem Schock lässt es die Episode nicht bewenden, sondern verpasst uns gleich noch einen zweiten: Am Ende wartet Olivia im Theater auf Lincoln, in orangefarbenes Licht getaucht. Doch es erscheint der Observer, offenbar schwer verletzt.

Er teilt Olivia mit letzter Kraft mit, dass sie sterben müsse – ganz egal, wie man die Zukunft drehen und wenden möge, er habe sie in jeder möglichen Variante gesehen… Dieses Ende erinnert an Mr. X aus Lysergic Acid Diethylamide und lässt die Frage offen, ob Olivia der Preis sein soll, um den Peter wieder in die Zeitlinie eingefügt werden kann.

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