Fringe: Bloodline (3×18)

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Wie der Observer am Ende dieser Episode sagte: „It is happening.“ Ja, Fringe wird uns mindestens noch eine weitere Staffel lang in ein fiktionales Universum versetzen dürfen, in dem nichts stärker ist als die Liebe. Aber auch diesseits, in unserem Universum, bildet die Liebe der Fringe-Fans einen wichtigen Grund dafür, dass die Serie es geschafft hat. Dabei kam der Zeitpunkt der Verlängerung überraschend früh. Wir kennen nicht alle Faktoren, die mitgespielt haben, aber eine schwere Geburt dürfte es gewesen sein…Also: Die Fringe-Fans müssen nicht rot sehen – obwohl wir mit Bloodline genau das zu sehen bekommen: Rot. Und der rote Fluss der Ereignisse ist von langer Hand geplant. Also doch kein Schicksal? Es scheint, als würde Walternate (John Noble) diesen Fluss lenken und seinen Verlauf manipulieren. Aber Fringe (oder auch Isaac Asimovs Romanreihe “The Foundation”) hat uns gelehrt, dass nichts endgültig kalkulierbar ist. Entscheidungen eines Einzelnen können die Kalkulation stören: sei es die von Walternate, von William Bell (Leonard Nimoy) oder den Observern.

Wie eine Person in einem bestimmten Moment in der Zeit, geleitet von Emotionen und Gefühlen, auf ein Ereignis reagiert: darin liegt die störende Variable in einer perfekten Gleichung. Walternates Gleichung involviert die Geburt von Fauxlivias Baby, die er in dieser Episode forciert. Genauso wie FOX die Entscheidung im Fall Fringe forcierte. Mit der Ironie des Schicksals flimmert ausgerechnet jetzt die Episode „Bloodline“ über die Bildschirme, die von Fauxlivias (Anna Torv) schwerer Geburt erzählt; und wieder einmal wird uns eine schöne Vorlage für etliche metaphorische Vergleiche zwischen unserem und dem fiktionalen Fringe-Universum geliefert.

Aber genug der Wortspielerei: Diese Abhandlung über Bloodline wird sich eher auf die Bildspielerei konzentrieren. Nicht nur sind Universen in Fringe mit unterschiedlichen Farben gekennzeichnet, sondern auch die Kameraarbeit in den entsprechenden Episoden weist Unterschiede auf. Bloodline gibt ein sehr gutes Beispiel ab, um neben dem Kommentar der Ereignisse auch die visuelle Gestaltung näher zu untersuchen.

Blood – Line: Ein roter Erzählfaden, ein Blutfluss mit einer besonderen DNA, anscheinend von langer Hand geplant. Die Spannung dieser Episode ergibt sich nicht so sehr aus der Enthüllung, dass Walternate hinter Fauxlivias (Anna Torv) Entführung steht, sondern aus der visuellen Umsetzung der Episode, die mit extremen Kamerapositionen und -einstellungen aufwartet. Während im blauen Universum der visuelle Erzählfluss standardgemäß abläuft und ausbalancierte Bilder präsentiert, die den Eindruck dieses horizontalen Fließens vermitteln, erscheint das rote Universum von Unruhe gekennzeichnet.Oft sind dort die Bilder “gekippt” (wie in der ersten Szene zwischen Walternate und Brandonate), drohen die Balance zu verlieren, so wie die Welt, die sie zeigen, bereits aus der Balance geraten ist. Die Kamera wechselt zwischen Unter- und Aufsichten, sie verändert ihre Position auf der Vertikalen, um uns dann plötzlich mit extremen Close-Ups von den Gesichtern der beteiligten Figuren zu konfrontieren oder mit Details, die die Erzählung aufnehmen und ihr eine besondere Färbung verleihen.Färbung ist hier das Stichwort, angefangen mit Fauxlivias Blutabnahme am Anfang – die Fläschchen haben rote und blaue Deckel, und an der Wand hängt ein “fließendes” Bild (vertikale Bewegung) – und endend mit dem roten Shirt und der blauen Mütze ihres neugeborenen Sohnes.Auf grausame Art zwar und eigennützig, aber dennoch: Walternate rettet sowohl Fauxlivia als auch das Baby. Denn sie ist, wie auch ihre Schwester, Trägerin von VPE, „viral propagated eclampsia“: einem Virus, das im Falle einer Geburt Mutter und Kind das Leben kosten kann. Fauxlivias Schwester und ihr Kind sind daran gestorben. Zu Walternates Plan gehört es, dies zu vermeiden und das Fließen des Blutes in beiden, Mutter und Kind, zu sichern. Warum? Weil in diesem Blut die Rettung der roten Welt verborgen liegt, die einzige Chance, sie wieder in die Horizontale zu bekommen? Brandonate sagt zu Walternate: „Peter is uniquely suited to power the machine!“ Und Peters Sohn? Macht ihn die Blutlinie zu einem Ersatz für den Vater? Dabei besteht Walternate auch in dieser Episode darauf, dass Experimente an Kindern zu unterbleiben haben…

Achterbahn der Gefühle: das ist zwar eine Floskel, die aber sowohl inhaltlich als auch visuell die Ereignisse am besten beschreibt. Zum Anfang des Artikels haben wir gesagt, dass in Fringe immer die Gefühle im Weg stehen. In der roten Welt leitet Walternate geschickt die Geburt seines Enkelsohns in die Wege – doch auch hier gibt es eine Variable, die seine Gleichung stören könnte: Lincolns Liebe zu Fauxlivia. Nicht nur ist Lincoln durch die Ereignisse gezwungen, sich und anderen seine Gefühle für Fauxlivia endlich einzugestehen, sondern er zwingt seinerseits Walternate, mehr zu erzählen, als er ursprünglich preisgeben wollte.

Vielleicht etabliert sich demnächst mit Lincoln, Charlie und Henry eine Art Opposition zu Walternate, eine kleine Gruppe, die in der Gegenüberstellung von Rot und Blau geneigt ist, Gelb zu sehen? Nicht nur stimmt die Chemie zwischen Charlie Francis und Lincoln Lee, sondern mir erscheint Henry (Andre Royo) als perfekte Ergänzung zu den beiden.

Was bezweckt Walternate? Wie gefiel euch das Zusammenspiel zwischen Lee, Charlie und Henry? Wie wird Fauxlivias Sohn heißen?

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