Fringe: Concentrate and Ask Again (3×12)

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Auf den ersten Blick ist Concentrate and Ask Again keine besondere Episode: Wir erfahren nichts wirklich Neues aus der Fringe-Mythologie, und die Antworten, die wir auf manche Fragen bekommen, scheinen die Handlung weder voran zu treiben noch Erkenntnisse über “Gott und die Welt” zu enthalten. Aber das ist, wie generell beim Schauen von Serien, eine Frage des Blickwinkels: der Position, von der aus man auf das Ganze blickt.

So sagt am Ende der Episode Sam Weiss, den wir seit langer Zeit wieder einmal zu Gesicht bekommen, zu Nina Sharp, dass die Maschine Schöpfung oder Zerstörung hervorbringen könne: je nachdem, wie man es sieht. Je nachdem, wie Peter auf sie wirkt. Und wie wir nun Sachen sehen und auf sie einwirken – bzw. sie auf uns -, hängt von unserem „State of Mind“ ab, von dem Zustand, in den uns unsere Erfahrungen und Emotionen hinein manövriert haben: Die zu ignorieren, ganz egal auf welcher Ebene, ist unmöglich. Genau hier versteckt sich Fringes großartige Leistung, und aus diesem Grund gehört auch Concentrate and Ask Again zu den herausragenden Episoden dieser dritten Staffel.Vielleicht stellt man oft die falschen Fragen – vielleicht will man nämlich die richtigen Antworten gar nicht wissen und fragt deswegen “falsch”. Will man wissen, was Andere wirklich denken? Besteht nicht Gefahr, unter einem solchen Wissen zusammenzubrechen?Die Episode deutet zwar einen Fall der Woche an, in dem das Fringe Team Biowaffen-Angriffe auf die Teilnehmer des ehemaligen Militärprojekts “Operation Jellyfish” untersucht – aber im Grunde dient dieser Fall nur als Mittel zum Zweck. Concentrate and Ask Again ist eine Episode über Gefühle: ausgesprochene und nicht ausgesprochene. Und sie macht ein Statement, das womöglich manche Fans enttäuschen dürfte, die sich einen Krieg der Welten oder aber besagte Enthüllungen über “Gott und die Welt” erhofft haben.

Mit dieser Episode liefert Fringe eine einfache Antwort, die auf den ersten Blick alles überraschend simpel und unspektakulär erscheinen lässt. Aber gleichzeitig um so komplizierter. Keine großen Enthüllungen – weil es die vielleicht gar nicht gibt? Weil am Ende alles darauf ankommt, wie wir unsere Gedanken und Gefühle über Andere in Handlungen umsetzen und so das Universum vorantreiben? Das Schicksal, dem sich das Fringe-Universum zu fügen scheint, wird auf sein pures Wesen reduziert: auf seinen Kern.

Damit das Schicksal Schicksal sein kann, wäre eine objektive, totale, panoramatische Perspektive von Nöten, ein Blickpunkt, von dem aus man alles sieht und so die Zusammenhänge erkennt – und ein solcher Blickpunkt existiert nicht. Wie kann man die Wahrheit über die Wahrheit sagen? Von wo aus? Ein objektiver Blickpunkt müsste sich “außerhalb” dieser Zusammenhänge befinden, nicht eingebunden in den und beeinflusst vom Kontext des Existierenden. Ist “Schicksal” also doch eine Konstruktion unserer von Gefühlen voran getriebenen Handlungen?

Die Erkenntnis dieser Episode besteht darin, dass sich die Schwarzen Löcher als unsere „States of Mind“, unsere Gemüts- bzw. Bewusstseinszustände entpuppen (das englische “mind” berührt beide Bedeutungsebenen, die emotionale und die rationale). Sie saugen alles in sich ein, und man kann kaum vorhersagen, was sie schließlich “ausspucken”: oft Uneindeutiges, nicht leicht zu Definierendes – mit anderen Worten: Interpretationsbedürftiges. Damit sind wir wieder beim Blickwinkel. Fringe behandelt diese Thematik auch auf visueller Ebene, indem es zwischen Bildtiefe und Blickwinkel manövriert (siehe Fotos). Das demonstriert sehr eindrucksvoll, dass auch Blickwinkel durch Andere beeinflusst werden.Die einzige Möglichkeit, die Biowaffen-Angriffe aufzuhalten, besteht in den Fähigkeiten Simon Phillips’, eines weiteren Cortexiphan-Kindes. Simons (großartige Leistung von Omid Abtahi) Fähigkeit besteht darin, Gedanken Anderer lesen zu können – und so schloss ihn Walter (John Noble) aus dem Programm aus: aus Furcht, die Wahrheit über Peter (Joshua Jackson) preisgeben zu müssen.

Das Gefürchtete tritt nun doch ein: Letztendlich teilt Simon Olivia die Wahrheit über Peter mit, eine Wahrheit, die sich sogar zuerst selbst verrät: in einem Pappbecher mit Kaffee. Peter bringt Olivia (Anna Torv) Kaffee mit Milch, obwohl sie ihn schwarz und mit etwas Zucker trinkt: Peter hat Fauxlivia einen Kaffee gebracht. Diese Erkenntnis wird von Simon bestätigt, Peters Beteuerungen seiner Gefühle für Olivia zum Trotz. Gefühle sind keine Frage einfacher Oppositionen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden könnten. Zu wissen, was Andere wirklich denken, kann katastrophale Wirkungen haben: „No one should know exactly what someone else is thinking.“Nachdem Nina Sharp durch den First People-Büchervergleich Sam Weiss als Autor identifiziert hat, stattet sie ihm einen Besuch ab und befragt ihn nach dem Sinn des Ganzen. Sams Antwort: Es komme darauf an, für welche Olivia sich Peter entscheidet, wie Peters „state of mind“ sei. Das Schicksal hängt vom Herzen ab! Das Problem: Noch immer hat Peter Gefühle für Fauxlivia, wie Simon Olivia am Ende mitteilt… und war sie für ihn nicht auch die richtige, eigentlich gemeinte Olivia? Schließlich stammen beide aus demselben Universum…

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