Fringe: Entrada (3×08)

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Ich erinnere mich an die erste Fringe-Staffel und die Reaktionen auf diesen Versuch von FOX, ein Produkt für ein Massenpublikum zu schaffen: negative The X-Files-Vergleiche… In den letzten Jahren kann man die Arbeit der Networks als Hin-und-her-gerissen-Sein beschreiben. Eigentlich spürt man, dass es durch die Welle an Procedurals im neuen Jahrhundert, ausgelöst durch den CSI: Crime Scene Investigation-Erfolg, immer schwerer wird, einen richtigen Hit in jenem Bereich zu landen. Man kann zwar noch nicht von einer Übersättigung des Marktes sprechen, aber er steuert darauf zu. Die Lösung könnte dann eine Serie mit Fortsetzungshandlung sein. Das Problem: Solche Investitionen sind sehr riskant und bringen immer wieder ein Wort an die Tagesordnung, vor dem die Networks Panik zu haben scheinen – Nischen-Publikum.

Überdies gilt die Kombination aus Serial und Science Fiction als die schlimmstmögliche und dürfte vor allem FOX als Dilemma par excellence bekannt sein. Interessanterweise besteht die Beziehung des Networks zu Sci-Fi-Serials ebenfalls in Hin-und-her-gerissen-Sein: Mit The X-Files hatte FOX einen großen Hit und mit Firefly einen großen Flop – bezogen auf die Ratings und ganz abgesehen davon, wie der Sender mit den Formaten umging. Terminator: The Sarah Connor Chronicles darf auch nicht vergessen werden! Also: es musste eine Mischung her, die Massenpublikum anlockt – und halten kann.

Zum Anfang der zweiten Fringe-Staffel schien mir, FOX habe realisiert, dass die Serie kein Massenhit würde, dass also das Monster-of-the-Week-Rezept, kombiniert mit Fringe-Science und John Nobles Schauspielkunst, keine monströse Ratings bringen würde. Es wirkte, als hätte FOX‘ eiserne Hand, mit der sie sich bekanntlich in ihren Serien einmischen, den Autoren mit einem Wink grünes Licht gegeben, zu machen, was sie wollen… Ich möchte das Network nun nicht als den Mörder aus „Freitag, der 13.“ darstellen. (Obwohl FOX, der Freitag, Wiederholung und Serientod irgendwie zusammenpassen!) Der Wink von FOX, falls es ihn denn gegeben hat, kam jedenfalls zum richtigen Zeitpunkt.

Die Verantwortlichen, sei es des Senders, sei es auf Produktionsseite, stellten richtig fest, dass man durch den Versuch, das Massenpublikum zu locken, im Begriff war, das Nischen-Publikum – den Kern der Zuschauer von Fringe – zu vertreiben. So entwickelte sich Fringe zu einer fast reinen Sci-Fi-Serie: stark serialisiert, kompliziert und zugleich höchst unterhaltend. Fringe ist trotzdem nicht The X-Files. Ich halte von solchen Vergleichen generell wenig, aber es muss gesagt werden, dass sich Fringe von Serien wie The X-Files und Battlestar Galactica schon von der Grundstimmung her unterscheidet.

Ich sage das nicht, um den Rang dieser beiden großartigen Produktionen zu schmälern, sondern um einen wichtigen Aspekt von Fringe hervorzuheben, der zentral ist für die hier zu besprechende Episode Entrada: Fringe ist eine Serie über Hoffnung. Während Battlestar Galactica und The X-Files mit Untergangsstimmung daherkamen und einen (v)erbitterten Kampf gegen ein unausweichliches Schicksal führten, hält Fringe an der Hoffnung fest. „We need to restore hope“, sagt Col. Broyles’ Frau in Entrada. „If you don’t trust me, there is no hope“, sagt auch Olivia (Anna Torv) zu ihm. Fringes Kern bildet der Glaube an dem menschlichen Intellekt: als Quelle der Energie, die die Kräfte des Guten speist – allgemein und auch in einer einzelnen Person, ohne Ironie und Verbitterung oder Pathos.

Diese Hoffnung kommt aber nur durch das Vertrauen ineinander zum Tragen. Entrada knüpft genau an dem Punkt an, da Peter (Joshua Jackson) erfährt, dass sein Vertrauen missbraucht wurde: dass die vermeintliche Olivia (Anna Torv) Fauxlivia ist. Die Episode wiederholt die letzte Szene aus der vorherigen: wir sehen, wie Peter den Anruf erhält.Übrigens ist auf seinem Display ein gelber Roboter zu sehen, der vielleicht auf JJ. Abrams’ Produktionsfirma Bad Robot verweist (oder doch nur Product Placement ist?).

Obwohl: Roboter-ähnliche Figuren haben wir oft im Hintergrund gesehen…Fringe gehört zu den wenigen Serien, die extrem viel Gebrauch vom Hintergrund des Bildes machen und den Zuschauer dadurch extrem fordern. Ein anderes Beispiel wären die schwarz-weißen Fotos von Brücken, die oft an Wänden im Hintergrund hängen, wie zuletzt in Broyles Office. Kein Blau, kein Rot, sondern Schwarz und Weiß. Schwarz oder Weiß? Ein Bild der Überquerung: von einer Welt in die nächste? Auf der Suche nach Wahrheit oder auf der Suche nach Hoffnung? Gibt die Wahrheit Hoffnung?

Zum ersten Mal ist der Vorspann in beiden Farben gehalten: Blau und Rot. Wenn ich mich nicht täusche, enthält die Episoden-Erzählung sechs Szenen in der blauen und vier in der roten Welt. Peters Gefühlswelt gleicht dem Springen der Erzählung: In einer sehr schönen Szene, die von der visuellen Gestaltung lebt – Waffe auf dem Tisch, und kurze Zeit später ist sie weg -, bekommt er die Bestätigung, dass Olivia Fauxlivia ist. Peter sagt auf Griechisch „Be a better man than your father“, die Phrase aus der Premiere der zweiten Staffel. Fauxlivia erkennt sie nicht – aber sie erkennt, dass sie den Test nicht bestanden hat.

Eine Sekunde später sind die Liebhaber Feinde geworden! Während Fauxlivia flieht und Walternate mit der Bitte um Heimreise kontaktiert, will dieser Olivia opfern, um den Tausch zu ermöglichen. Er hält zu seinem Prinzip: Eine Sache für die andere! Es ist lange schon vorbei mit dem “von allem gibt es zwei”!

In Entrada erhalten sowohl Peter als auch Olivia eine Spritze. Peter wird durch sie paralysiert (auf metaphorischer Ebene: auch durch den Fauxlivia-Betrug). Olivias Spritze hingegen enthält Adrenalin, injiziert von Broyles, der ihr zur Flucht verhilft. Diese Action-lastige Entwicklung spiegelt die Entwicklung der Figur selbst: Für Anna Torv ist diese dritte Staffel eine Art Tour de Force! Am Ende, nachdem sie es durch den Tank in Walternates altem Labor nach Hause geschafft hat, sagt sie zu Peter: „You were the only thing that got me through… you saved my life.“ Hoffnung und Liebe als Adrenalinspritze direkt ins Herz!Doch auch Fauxlivia hat Abschiedsworte für Peter parat, als er und Broyles sie am Bahnhof festnehmen: „This started out as an assignment…“ Er glaubt ihr zwar nicht, aber in ihrem Gepäck entdeckt er die Fotos, die die beiden von sich gemacht haben. Wird Peter erkennen, dass ihm ein Teil seiner selbst, von drüben, erlaubt hat, sich in die Olivia von drüben zu verlieben? Ich bin gespannt, wie die Autoren diesen emotionalen Konflikt behandeln wollen. Denn nachdem die beiden Olivias in ihre Welten zurückgekehrt sind, wird sich der Fokus vermutlich mehr auf Peter verschieben.

Eine letzte starke Szene in Entrada hat Lance Reddick: als Broyles aus Welt-1, der mit der Leiche von Broyles aus Welt-2 konfrontiert wird. Die nämlich hat Walternate als Tausch für Fauxlivias Überqueren benutzt. Im Close-Up sehen wir, wie er seiner Spiegelexistenz die Augen schließt.

Welche Opfer wird die Auseinadersetzung noch fordern? Ist Walternates Leuten das richtige Maschinenteil in die Hände geraten?

Und Fringes Versetzung auf den Freitag? „There is still hope!“

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