Fringe: Olivia (3×01)

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Rotes Haar. Roter Vorspann. Wir befinden uns drüben, in der Fringe-Welt, die von Walternate (John Noble) regiert wird. Die ersten Bilder zeigen unsere Olivia (Anna Torv), die von einer Psychologin befragt wird. Die Frau versucht sie davon zu überzeugen, dass sie hierher gehört und durch die Explosion vor der Oper nur ein Trauma erlitten hat. Aber Olivia weiß: „There is no place like home.“

Die Fringe-Autoren stecken Olivia in die roten Schuhe von Dorothy aus dem “Zauberer von Oz”, die nach Hause will. Aber der Zauberer von Oz, Walternate, treibt ein Spiel, das die heutige Welt mit jedem von uns zu treiben versucht: uns vorzuschreiben, wer wir sind. Uns zu überzeugen, wer wir sein müssen. Walternate will Olivia überzeugen, dass sie Alt(ernate)-Olivia ist, dass sie die andere ist.

Wie aber kann man sich sicher sein, wer man ist? Durch die Erinnerungen? Walternate und seine wissenschaftlich-medizinische Unterstützung Alt-Brandon behandeln Olivia mit den Erinnerungen von Alt-Olivia. Kann Walternate Olivia und Alt-Olivia eine und dieselbe Person werden lassen? Kann man eine Verschmelzung erzwingen?

Am Anfang der neuen Saison mit ihren zahlreichen neuen Piloten zeigt Fringe mit dieser phantastischen Auftakt-Episode eines: Gut Ding will Weile haben. Damit ist nicht gesagt, dass die erste Fringe-Staffel schlecht war – aber vermutlich hätte sich niemand eine solche Entwicklung vorstellen können. In diesem Sommer habe ich mir erneut und quasi am Stück die zweite Fringe-Staffel angeschaut, den Weg bis zu Olivia noch mehr genossen – und klar sehen können, wie uns die Serie an der Hand immer tiefer hineinführt in diese Welt voller Fragen:über Identitäten, Parallelwelten und die Spielchen des Unbewussten.

Am Beginn der neuen Staffel befindet sich der Zuschauer tief in diesem Wald aus Spiegel-Bildern, die mal rot, mal blau aufleuchten: „Sometimes you just gotta believe in what you can’t see.“

Da sind die Worte eines Taxifahrers (Andre Royo, The Wire) aus dem anderen Universum, den die aus der Gefangenschaft geflohene Olivia zwingt, sie durch die Stadt zu fahren – auf der Suche nach dem Heimweg. Auf sehr subtile, aber deutliche Art und Weise präsentieren uns die Fringe-Produzenten die andere Welt unter Walternates alles sehenden Augen.

Das “Drüben” wird nicht nur durch die dominierende rote Farbe und rötliche Oberflächen markiert, sondern auch anhand von Kameraeinstellungen (viele Low Angle-Aufnahmen), die unseren Blick, der auch an Olivias gekoppelt ist, vom Gesehenen distanzieren. Nach Olivias Flucht suggerieren auch die zahlreichen Long Shots, in denen die Umgebung präsentiert wird, diese Distanz. Sie schwindet schließlich im selben Maße, wie Olivia nach und nach von Alt-Olivias Erinnerungen überwältigt wird – durch den Adrenalinausstoß, wie Brandon später erklärt. Nun dominieren Medium Shots und “weiche Close-Ups”. Sie erhöhen nicht nur unsere Empathie mit der Figur, sondern demonstrieren ihren Fall: immer tiefer in das Kaninchenloch hinein.

Die Schauspieler und die Autoren stehen vor der Herausforderung, die Figuren neu, anders zu erzählen: mit denselben Gesichtern, aber unterschiedlichen Identitäten und Erinnerungen, Wünschen und Beziehungen. “Drüben” ist eine Welt, die Walternate regiert, in der aber alle Mütter noch existieren: Peters, Olivias. Dafür gibt es kein Massive Dynamics: Nina Sharp (Blair Brown), Olivias einzige “mütterliche” Stütze (wenn man es so ausdrücken kann) in ihrer eigenen Welt, ist nicht da.

Die Welt, in der Alt-Olivia sich jetzt befindet, ist die Welt der Kinder – angefangen mit Walters kindlichem Benehmen bis hin zu Olivias Schwester, Olivias Nichte und Peter. Die letzten Minuten verbringen wir in der hiesigen Welt mit einer sehr schönen Szene zwischen Alt-Olivia, Walter und Peter, die mit einem Kuss zwischen ihr und Peter endet. Beginnt damit Alt-Olivias Veränderung? Wird sie zu Olivia werden? Drüben sagt Walternate, als Olivia in Alt-Olivias Erinnerungen versinkt: „She’s our Olivia now.“ Er will ihre Fähigkeiten benutzen, um die Grenze überqueren zu können. Werden Olivias und Welten verschmelzen? Oder wird nur alles spiegelverkehrt?

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