Fringe: One Night in October (4×02)

Standard

Der Übergang vom September zum Oktober: Ausgerechnet dann wird die Fringe-Episode One Night in October ausgestrahlt, die auf den ersten Blick wenig mit dem handlungsübergreifenden Erzählstrang zu tun hat, aber letztendlich… nur von diesem handelt! Was geschicktes Einflechten von Fällen der Woche in die fortlaufende Handlung und umgekehrt anbetrifft, so erweist sich Fringe ein weiteres Mal als ‘marktführend’ – so sehr, dass man bei der FOX-Serie zuweilen meint, den Fall der Woche kaum mehr trennen zu können von der großen Erzählung.

Von September zu Oktober. Von einem “alten” Observer zu einem “neuen”? Sollte man meinen – aber die neue Episode handelt nicht wirklich von den Observern; ungeachtet dessen jedoch versucht die Serie stets, mit kleinen und feinen Hinweisen immer und von allem zu handeln. Fringe bietet ein unbegrenztes Feld für Spekulationen, Interpretationen und andere Gehirnübungen. Das schönste Feld, das die Serie bislang geboten hat, war sicher eines voller weißer Tulpen, in dem zwei kleine Kinder vor dem Trauma ihres Alltags Zuflucht beieinander suchten; die Erinnerung dieser Begegnung brannte sich für immer in ihre Seelen ein… Was aber, wenn solche glücklichen und vor allem prägenden Momente aus der Kindheit ausgelöscht werden? Bleibt tatsächlich keine Spur von ihnen? Oder kann man zu ihnen zurückfinden, wenn man den Brotkrümeln folgt?

Die neue Fringe-Staffel scheint Brotkrümel für die Figuren zu streuen, die ihnen den Weg zeigen: den Weg zu ihnen selbst. Man muss Gastdarsteller John Pyper-Ferguson ein großes Kompliment für seine Doppelrolle in One Night in October aussprechen. In der roten Welt verkörpert er den genialischen Serienmörder John McClennan – und in der blauen denselben Mann, der hier aber als Professor für klinische Psychologie arbeitet. Sein Spezialgebiet: Serienmörder! John-2 entführt Menschen und zwingt sie mit Hilfe einer Maschine dazu, ihm ihre glücklichsten Erinnerungen mitzuteilen, sie ihm buchstäblich zu übertragen.

Damit nimmt One Night in October eines der großen Themen des Fringe-Universums auf und erzählt davon, auf welche Weise kleine Veränderungen einander ähnliche, wenn nicht gar gleiche Menschenleben in unterschiedliche Richtungen treiben können. Die zwei McClennans und die zwei Olivias stehen im Zentrum dieser Episode, denn Broyles-2 (der am Leben ist!) fordert von Broyles’ Leuten Unterstützung. Das bedeutet: Olivia muss mit Fauxlivia zusammen arbeiten und Letztere wieder zum Spiegelbild Ersterer werden – um vor John-1 die Tatsache zu verschleiern, dass er sich in Welt-2 befindet, um bei der Suche nach seinem eigenen Spiegelbild zu helfen. Ein weiteres Kompliment an Anna Torv für die wieder einmal sehr gelungene Darstellung der zwei Olivias, die dieses Mal des Öfteren zusammen im Bild zu sehen sind!

Währenddessen stellt der Blick in spiegelnde Oberflächen eine Gefahr für Walter (John Noble) dar. Die Szenen im Labor sind wieder durchdrungen von tiefer Trauer und gleichzeitig Humor. Walter befindet sich an der Grenze zum Wahnsinnigwerden, und Astrid ist wohl die Einzige, die ihn an dieser Grenze aufhalten kann. Nicht nur bedeckt Walter alle spiegelnden Oberflächen im Labor, sondern er hört Mozart in voller Lautstärke, denn Peter versucht auch auditiv mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Mit Lincoln haben die Fringe-Autoren definitiv einen Zugewinn fürs Team geschaffen, aber bis auf den kleinen Austausch mit Walter („Kennedy, help me.“ – „Lincoln…“) bleibt er in dieser Episode außerhalb der Geschehnisse. Vielleicht weil Lincoln-2 die Bühne betritt und die Handlung drüben spielt? Ja, nicht nur Broyles-2 ist am Leben, sondern auch Lincoln; Fauxlivia ist mit Frank zusammen, und Charlie hat “The Bug Girl” geheiratet. Und Olivia? Astrid legt ihr nahe, Lincoln und sich selbst ein Date zu gönnen, aber laut Olivia ist er nicht ihr Typ. Astrids Bemerkung, dass Olivias Typ vielleicht gar nicht existiere, hören unsere Zuschauerohren als weiteren Hinweis auf Peter… !

Anhand eines Fotos in John-2s Haus findet John-1 heraus, dass etwas nicht in Ordnung ist. Olivia muss ihn mit den zwei Universen konfrontieren und erzählt im darauf folgenden Gespräch von den Misshandlungen seitens ihres Stiefvaters. Die Szene zwischen den beiden mit Fauxlivia als Zuhörerin im Hintergrund ist wohl die beste dieser Episode, da sowohl John Pyper-Ferguson als auch Anna Torv subtil, aber trotzdem intensiv jede Gefühlsregung und jede Erinnerung darzustellen wissen.

What’s in him is in me, sagt John-1 – doch er wusste die Dunkelheit in sich in Glück umzuwandeln dank der Begegnung mit einer Frau namens Marjorie, die ihn aufnahm, als er seinem brutalen Vater davongelaufen war. In einer Oktobernacht. „Even when it’s the darkest, you need not stay there, you can step into the light“, lauteten Marjories Worte, die seine Seele berührten und dort einen Eindruck von Glück für immer hinterließen.

Etwas später treffen die beiden Johns aufeinander, als John-1 den Mord an einer weiteren unschuldigen Person verhindern will. John-2 trachtet ausgerechnet nach den Marjorie-Erinnerungen, als Olivia und Lee das Ganze unterbinden und John-2s Leben retten. Marjorie jedoch ist weg, die Erinnerung an sie ausgelöscht. In Olivia steigt die Angst empor, dass nun nichts mehr John von der Dunkelheit fernhalten könne. Aber er erinnert sich an Marjories Worte – und an die Hoffnung, die sie ihm gaben.

Im Gespräch zwischen Fauxlivia und Olivia erfahren wir, dass Olivia ihren Vater in der neu gestalteten Fringe-Realität getötet hat. Vielleicht ein Ergebnis ihres Nicht-Treffens mit Peter im Tulpenfeld? Aber wie es Broyles Olivia gegenüber ausdrückt, berühren manche Menschen unsere Seelen derart, dass der Abdruck, den sie hinterlassen, niemals ausgelöscht werden kann – so wenig wie der Duft von Gänseblümchen (die man in Johns Flashbacks sieht, wenn ich mich nicht täusche) oder die reine Schönheit weißer Tulpen. Haben möglicherweise die Abdrücke, die Peter (Joshua Jackson) in den Seelen der von ihm geliebten Menschen hinterlassen hat, seine komplette Auslöschung verhindert?

Am Ende der Episode versucht Walter erneut, Peters Hilferufe mit Musik zu übertönen, aber das Echo bleibt. Peter scheint wirklich in einem Niemandsland zwischen den Welten gefangen zu sein und zurückkehren zu wollen. Wird aber Walter auf die Hilferufe hören? Was glaubt ihr: Wo ist Peter, und wie lange werden die Autoren ihn noch verborgen halten? Was haltet ihr von den Veränderungen durch seine Nicht-Existenz? Und werden sie rückgängig gemacht, falls er in einer der beiden Welten wieder auftaucht?

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s