Fringe: Over There, Part 2 (2×23)

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Was man Fringe hoch anrechnen muss, ist nicht nur dieses absolut gelungene Finale, sondern auch, dass sich die Serie nicht hat erweichen lassen. Was ist damit gemeint? Typisch für Hollywood wäre ein dramatischer U-Turn, bei dem sich Protagonisten aus moralischen und anderen Gründen von ihrem Weg abbringen lassen. Das war meine größte Befürchtung bei der Szene zwischen Olivia-1 und Olivia-2, aber Fringe blieb sich treu und behielt die klare Linie zwischen den Fronten bei.

Es gibt von jeder Sache zwei: aber können diese zwei zugleich, am selben Ort existieren? Ein Existenzkampf – das ist schon immer ein Krieg der Welten gewesen. Den Raum des Anderen auslöschen, um den eigenen zu schützen – das ist hier die Ideologie Walternates! Und Peter (Joshua Jackson) kommt mit Olivia-1s Hilfe hinter den Plan seines leiblichen Vaters, nämlich, ihn als biologischen Antrieb für seine Maschine zu benutzen, die Welt-1 auslöschen soll! Aber verdient eine Welt ihre Existenz mehr als die andere? Vermutlich ist diese Frage Peters größtes Problem, abzulesen an seiner Feststellung, dass er nirgendwo hingehört. Aber er gehört ‘wo hin’: zu Olivia-1. Auf diese Szene haben Fringe-Fans lange gewartet: „You have to come back because you belong with me.“ Dann kommt der Kuss. Happy End?

Von Welt-2 aus gesehen – wo uns in eindrucksvollen Bildern die riesigen Quarantäne-Flächen gezeigt werden – schadet ihr Welt-1 tatsächlich. Und Welt-1 war diejenige, die überhaupt den Austausch begonnen hat. Übrigens erinnern die verhangenen Zonen ein bisschen an die berühmten Christo-Verhüllungen. Hat man also den Reichstag ausgetauscht -gegen einen anderen von drüben? Spaß beiseite: Die Risse, die durch den Austausch zwischen den Universen entstehen, sind traumatische Ereignisse, nicht nur weil sie das Gleichgewicht des Eigenen stören, sondern weil sie eine Alternative zeigen. Sie konfrontieren einen zwar mit sich selbst, aber als jemand Anderen. Kann man dem Anderen trauen?

Nachdem Olivia (Anna Torv) und Bell (Leonard Nimoy) Walter erfolgreich aus dem Krankenhaus geholt haben, schafft es Olivia-1, in Olivia-2s Wohnung einzudringen (beide verstecken den Schlüssel an der gleichen Stelle) und sie sozusagen mit sich selbst zu konfrontieren, sie um Hilfe und Vertrauen zu bitten: „You’ve got to trust me. I’m you.“ Wirklich? Es kommt zu einem heftigen Olivia-vs.-Olivia-Kampf!

Was mir in der Doppelepisode sehr gefällt, ist die Präsentation des „Andersseins“: nicht nur anhand von Informationen oder visuellen Details aus Welt-2 (dort hat man eine echte Vorliebe für Comics), sondern durch schauspielerische Differenzierung. Denn genau die unterscheidet Olivia-2 von Olivia-1 und Walternate von Walter. Große Leistungen von Anna Torv und John Noble! Genauso eindrucksvoll sind in diesem zweiten Teil des Finales die Szenen, die man Walter und William gönnt, indem man sie zu zweit den Sprung zurück in Welt-1 vorbereiten lässt. Zwei alte Freunde, zwei „mad scientists“, die die Physik aus den Fugen geraten ließen – genauso wie ihre Freundschaft. Am Ende muss Walter Abschied von Bell nehmen, der sich – und die Energie des eigenen Körpers – dafür opfert, dass Peter, Walter und Olivia-1 nach Hause kommen können.

Aber stimmt denn jetzt alles? Erinnern wir uns an das Stichwort „crack“ aus dem Spruch auf dem Kugelschreiber, den Peter von Sheriff Mathis bekam: „In the darkness, there is always a crack.“ Übrigens: Walt benutzt dasselbe Wort bei KFC, als er über Olivia-1 und ihre Kräfte spricht, mit welchen sie diesen Riss Richtung Welt-1 ermöglichen könnte. Jetzt ist dieser „crack“ tatsächlich Olivia! Am Ende sehen wir, wie sie zur Schreibmaschine schreitet, die die Shapeshifter benutzt hatten, ihre Haare zur Seite streicht – so dass das Tattoo zu sehen ist – und Folgendes schreibt: „Infiltration achieved. Awaiting orders.“

Die letzten Bilder zeigen uns Olivia-1, die in einer dunklen Zelle in Welt-2 eingesperrt ist. Am Fenster, als „crack in the darkness“, erscheint Walternate. Schnitt. Ich erlaube mir hier eine Cross-Referenz zu einer anderen FOX-Serie und werde das Finale so bezeichnen: „The Beginning in the End…“

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