Fringe: Stowaway (3×17)

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Nachdem Fringe seine Zuschauer letzte Woche mit offenem Mund sitzen ließ, als William Bell (Leonard Nimoy) sich in Olivia (Anna Torv) materialisierte, bietet Stowaway die nächste Überraschung. FBI-Agent Lincoln Lee (Seth Gabel) taucht auf: der Lee der blauen Welt, den uns die Serie so lange vorenthielt. In Stowaway arbeiten die Figuren pärchenweise: Walter und Bellivia, Peter (Joshua Jackson) und Lee. Trotz Anna Torvs exzellenter Arbeit als Leonard Nimoy gebe ich zu, die Zusammenarbeit zwischen Peter und Lee mehr genossen zu haben. Klug von den Autoren, Lee in dem Moment zu bringen, da Olivia, die ihn erkennen könnte, nicht mehr Olivia ist.

Aber ist auch Bell nicht schon einmal dem Lee aus der roten Welt begegnet? Anscheinend nicht, denn er/sie reagiert nicht auf das Erscheinen des hiesigen Lee. Agent Lincoln hilft dem Fringe-Team bei der Untersuchung der diversen Tode der Dana Gray (Paula Malcolmson aus Deadwood, Caprica, Sons of Anarchy). Dana will sterben, kann aber nicht: Sie wurde vor achtzehn Monaten zusammen mit ihrer Familie getötet, aber anscheinend – laut Walters und Bells Theorie – sind die Moleküle ihres Körpers nach zweimaligem Blitzschlag so stark magnetisiert, dass sie so etwas wie eine Superverbindung aufgebaut haben, die sie nicht “auseinander lässt”. Fringe-Science: fragt mich bitte nicht nach weiteren Erklärungen!

Abgesehen von dem wissenschaftlichen Wirrwarr benutzt man diesen Fall wieder einmal für die Fragestellung, welche Grenzen wir zu überschreiten bereit sind, um mit geliebten Menschen zusammen zu sein, die uns genommen wurden. Bei Fringe hat sich mittlerweile das dramaturgische Schema etabliert, anhand des Falls der Woche Walters damalige Grenzüberschreitung zu kommentieren. Die Menschen in Fringe handeln aus Trauer: so auch Dana, die mit ihrer Familie – wie sie glaubt, im Himmel – wieder zusammen sein will. Diese Trauer ist es, für die ein wissenschaftliches Labor keine Lösung ausspucken kann: sie lässt sich nicht messen und einordnen.

Fringe erzählt davon, dass Menschen zu allem bereit sind, um mit dieser Trauer fertig zu werden – und dass dieses Nicht-loslassen-Können, die Auflehnung gegen das eigene Schicksal schreckliche Konsequenzen haben kann. Schicksal, Kettenreaktionen, Koinzidenzen… Beginnen wir mit Letzteren: Paula Malcomson spielte in Caprica Amanda Graystone; auch hier ging es um eine Bombe an Bord eines Zuges, wenn mich meine Caprica-Recherchen nicht täuschen. Nicht nur lässt Fringe die Zuschauer mit einem Augenzwinkern Verbindungen herstellen, sondern die Fringe-Autoren kommentieren geschickt selbst aufgebrachte Themen auf dieser Meta-Ebene. Vieles, was als Koinzidenz erscheint, ist Absicht… und der Zufall letztendlich vielleicht Schicksal?

In Stowaway scheint Dana bereit zu sein, etliche Menschenleben zu opfern, um den Weg zu ihrer Familie zu finden. Sie will in den Himmel, per Anhalter. Deswegen stirbt sie mehrere Tode mit unterschiedlichen Menschen. Wenn im Augenblick des Todes die Seele, die Energie den Körper verlässt, will Dana mitgehen – doch bisher blieben ihre Versuche, mitgenommen zu werden, erfolglos. Sie arbeitet für eine Selbsthilfe-Hotline, wo selbstmordgefährdete Menschen anrufen. Im Office sehen wir nicht nur blaue Wände und rote Vorhänge, sondern auch große Sonnenblumen an der Wand, wie aus einem Van Gogh-Gemälde. Und wir wissen, dass der berühmte Maler Selbstmord beging. Zufall?

Dana trifft auf einen verzweifelten Mann, der ihr gesteht, eine Bombe in einem Zug platziert zu haben, bevor er Selbstmord begeht. Dana begibt sich in den Zug, um – laut Fringe-Team – vielleicht mit Hilfe der Energie so vieler Seelen auf einmal endlich den Weg zu ihrer Familie zu finden. „I’m stuck here“, sagt sie verzweifelt zu Peter – und er versichert ihr, dass er ihre Situation definitiv verstehen kann. Am Ende aber verlässt sie den Zug und lässt die Bombe im Freien explodieren, so dass niemand verletzt wird. Nur Dana bleibt tot auf dem Feld liegen: diesmal wirklich.

Zuvor sahen wir, dass sie sich von der Tasche entfernte. Wie also ist sie gestorben? Trifft Bells bzw. Bellivias Vermutung zu, dass sie erst ihre Mission zu erfüllen hatte, bevor sie das Schicksal gehen ließ? War es ihr bestimmt, all diese Menschen zu retten? „She needed to be here to save those people“, sagt Bellivia. Gilt das Gleiche für Peter? Muss er in der blauen Welt sein, um sie zu retten – oder aber umgekehrt? Blieb er in der blauen Welt stecken, um seine eigentliche, die rote, retten zu können? Und: Wird die Liebe zu der einen Olivia doch noch die Kettenreaktionen unterbrechen können, die die Observer so engmaschig überwachen?

Auf einer anderen Ebene kommentiert die Geschichte von Dana Grey die Inbesitznahme von Olivias Körper durch William Bell. Das führt in dieser Episode nicht nur zu einer Reihe humorvoller Einlagen, wie Bellivias Avancen Richtung Astrid (die schließlich ihre Bluse bis zum letzten Knopf zuknöpft) und den fröhlich vor sich hin kiffenden Walter (John Noble), sondern auch zu der Erkenntnis, dass Bell alles von langer Hand geplant hat, falls sein physischer Tod eintritt. Bei ihrem ersten Treffen in der roten Welt hat er heimlich so genannte “soul magnets” in Olivias Tee gekippt (noch einmal: fragt mich nicht, wie das funktioniert), um sie als Wirt für seine eigene seelische Energie zu präparieren. Auf je eigene Weise sind Dana Gray und Bellivia tatsächlich „soul vampires“, wie Lincoln Lee es nennt.

Bell spricht mit Peter und erklärt ihm: „trying to avoid fate leads you right to fate’s doorstep“… aber was ist in dem Tee, den er ihm am Ende serviert? Besteht Bells Weg, das Schicksal zu manipulieren, darin, dass er andere an es glauben lässt, um die richtige Kettenreaktion auszulösen?

Zum Schluß eine Bitte an euch: Nicht vergessen, euch an unsere Netiquette zu halten, freundlich miteinander umzugehen und die Meinung anderer zu respektieren. Beleidigungen jeglicher Art werden nicht toleriert! Um es mit Marshall Raylan Givens (Justified, Timothy Olyphant) zu sagen: „You make me pull, I’ll put you down!”

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