Fringe: The Box (3×02)

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Fringe erzählt über zwei Universen, ist also quasi in sich geteilt. Die Erzählung ist wie eine Münze, die man hoch geworfen hat und die sich nun in Slow Motion dreht. Vor unseren Augen leuchtet mal die eine und mal die andere Seite auf, abwechselnd. Die Frage ist: Auf welcher Seite wird die Münze landen? Kopf oder Zahl? Unsere Welt oder Welt-1? Dramaturgisch gesehen, ist Fringe in dieser Zweiteilung ein Ganzes geworden.

Der Fall der Woche ist direkt mit dem übergreifenden Handlungsstrang verbunden – im Laufe der Serienentwicklung hat eine Verschmelzung stattgefunden, die vorweg nimmt, wie Peter (Joshua Jackson) mit Walternates Massenvernichtungsmaschine verschmelzen soll.

Am Anfang der Episode ist sich Peter nicht sicher, ob er sich weiterhin mit der tödlichen Maschine von Drüben beschäftigen soll: „What if we shouldn’t be working on this thing?“ Während Broyles möglichst viel wissen will, warnt Walter (John Noble) davor. Im Teaser sehen wir, was nur ein einziges Teil der Maschine anrichten kann: Es handelt sich um eine Box, die zwei Männer auf Newtons Anweisung hin aus einem Haus ausgraben und entwenden.

Die angeheuerten Diebe erliegen jedoch ihrer Neugierde und öffnen die Box –die sich prompt als Pandora’s-Box entpuppt: alle in ihrer Nähe sterben. Bis auf einen! Es ist auch ein dritter Dieb da, von dem Newton nichts weiß, der überlebt und die Box mitnimmt. Entgleitet Newton die Kontrolle über seine Operationen? Bisher haben wir Thomas Jerome Newton als Walternates arrogante rechte Hand in unserer Welt erlebt.

Aber Altlivia (Anna Torv) versetzt dieser Arroganz einen Dämpfer: „You work for me.“ Ja, das tut er. Er bringt ihr eine Menge Lernstoff. Altlivia soll möglichst viel über Olivia lernen- und auch über unsere Welt. Das riesige Buch “Guide to Pop-Culture”, das ihr Newton gibt, eignet sich dazu hervorragend… In dieser Szene kann man die Fringe-Autoren buchstäblich zwinkern sehen!

Was sich aber hinter diesem Krieg der Welten versteckt und was ihn so spannend macht, sind nicht unbedingt Massenvernichtungsmaschinen, sondern die Höhen und Tiefen der emotionalen Erzählung über die Familie. Die Szene zwischen Walter und Peter, als Walter sich zu entschuldigen versucht, ist ein Beispiel dafür: dramaturgisch exzellent wird die Gefühlssituation ausgebreitet. Beide sind am Anfang ruhig, gelassen, aber im Laufe der Unterhaltung kommen Reue, Unsicherheit, Verzweiflung, Liebe, Verrat und Schuld hoch – und die Tonlage der Emotionen schafft eine Art Vakuum für die Sinne, das kurz vor dem Explodieren ist.

Peter: „You took my family, my world!“

Walter: „I should never have crossed the line!“

Peter: „I can’t talk about this.“

Sinnlich kann man The Box in jeder Hinsicht nennen. Angefangen mit dem sinnlichen Tanz von Olivia und Peter in der Bar – und endend mit der Box, die die Sinne angreift. Walter findet heraus, dass es sich tatsächlich um eine Musikbox handelt: Ihre Frequenz ist zwar nicht hörbar, kann jedoch buchstäblich den Kopf zum Explodieren bringen. „Silent but deadly“, sagt Walter – und referiert damit zugleich auf andere physische “Phänomene” …

Eine Spiegelung findet Walters Aussage in der Szene, als Altlivia einen Schalldämpfer benutzt, um den dritten Dieb umzubringen, der ihr die Box bringt. Er ist taub – und hat deswegen überlebt!

Sehr schön wird die Altlivia-Peter-Beziehung in The Box um die Sinnes-Metaphern herum aufgebaut. Altlivia hat Peters Sinne förmlich betäubt: Zuerst verführt sie ihn, damit er die Blutlache unter der Badezimmertür in ihrer Wohnung nicht sieht. Später muss sie ihre Waffe neben seinem Kopf abfeuern, damit er die Musik-Box “entschärfen” kann: er wird kurzzeitig taub und kann sich der Box auf den Zuggleisen im Tunnel nähern. Freilich hört er auch nicht, wie ein Zug auf ihn zukommt.

Altlivia rettet ihn zwar, aber sie macht Peter metaphorisch blind und taub für alles, was ihm bevorsteht… In einer der letzten Szenen sehen wir, wie sie mit Walternate kommuniziert: „Peter has first piece. He is actively engaged.“

Walternate: „Understood. Begin work on Dr. Bishop.“

Was Walternate vielleicht nicht weiß bzw. womit er wohl nicht gerechnet hat: Massive Dynamic gehört jetzt Walter. Das ist die große Überraschung dieser Episode. Walter und Nina Sharp werden in einer melancholisch-traurigen Szene über William Bells (Leonard Nimoy) Nachlass informiert. Er besteht aus zwei Nachrichten und zwei Gegenständen. Nina bekommt die kleine Glocke, die “drüben” auf Bells Schreibtisch stand; die für sie bestimmte Nachricht lautet: „I was your right hand and you were mine.“

Was bedeutet diese Nachricht? Bezieht sie sich auf Ninas Verlust der rechten Hand, als Walter damals die Grenze überschritt? Warum ist Bell Ninas rechte Hand gewesen?

Walters Nachricht wiederum lautet: „Don’t be afraid to cross the line.“ Er erhält einen Schlüssel – und im Schließfach, das er öffnet, befindet sich das komplette Aktienpaket von Massive Dynamic.

Was denkt ihr? Wird Walter es annehmen und welche Auswirkungen wird das haben? Und wenn Teile der Walternate-Maschine in unserer Welt sind, wer hat sie hier versteckt und warum?

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