Rubicon: In Whom We Trust (1×10)

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Orientierung, Kartographie, Geographie. Das sind die Schlüssel zu Rubicon. Damit ist nicht nur das Überqueren des Rubicon gemeint, über das ich letzte Woche gesprochen habe, sondern die Art und Weise, wie die AMC-Produktion ihre Routen fortschreibt. Schon im Vorspann zeichnen die gelben Linien den Weg, be-zeichnen die Verbindungen, ver-zeichnen die Welt, – um sich dann in die gelben Wände von API zu verwandeln.

Rubicon zeichnet eine Karte der Bemühungen, eine solche zu erstellen. Die Serie malt – Andy ist doch nicht durch Zufall Malerin! – melancholische Routen des heutigen Menschen, verzweifelte Orientierungsversuche in einer Welt, die in ihrem Zusammenwachsen unübersichtlicher denn je geworden ist. Rubicon spiegelt das Streben des Einzelnen wider, eigene Kartographie zu betreiben.

Gleichzeitig kartographiert sie unsere Zuschauer-Blicke. Kartographie bedeutet das Erstellen von thematischen und topographischen Karten der Erdoberfläche. Unser Blick, bewusst und unbewusst, erstellt mit jeder weiteren Episode eine Karte der Rubicon-Oberfläche. Damit ist nicht nur die Verschwörungstheorie (thematisch) gemeint, sondern auch die Strecken, die die Figuren zurücklegen (topographisch): sei es physisch oder emotional. In dieser Episode überkreuzen sich die Wege von Will (James Badge Dale) und Katherine (Miranda Richardson) an einem Punkt auf der Karte von New York. Warum sage ich das? Weil die AMC-Serie größtenteils auf die übliche New York-Kartographie verzichtet, die nahezu jede Serie betreibt, die vorgibt, dort zu spielen.

Die meisten Establishing Shots in Rubicon erfassen nicht die typischen Standorte und Räume von New York, sondern sie bieten einen Blick auf die erlebten Räume: diejenigen, in denen sich die Figuren bewegen. Damit ist nicht gesagt, dass die Serie verbergen will, wo sie spielt, sondern dass sie einen anderen Blick zu spiegeln versucht: einen, der die Orientierung zu verlieren droht.

Will kontaktiert Katherine in dieser Episode. Es kommt zu einem Treffen der beiden auf einer Bank in der Nähe der Brooklyn Bridge. Aber auch hier ist die Brücke zwar zu sehen, aber aus einem absolut untypischen Winkel gefilmt: ganz anders als in sonstigen audiovisuellen Erzählungen. Man hat das Gefühl, dass die Serie die topographisch ‚korrekte’ New York-Karte mit ihrer eigenen überschreibt, wobei sich unser Blick an den Schnittstellen der Vertikalen und Horizontalen orientiert.

Katherine und Will finden diese Schnittstellen – aber sie übersehen, dass es auch noch Diagonalen im Bild geben kann. Donald Bloom ist die Diagonale in dieser Episode, die das Bild durchkreuzt und Katherine zwei Botschaften übermittelt: Wenn sie weiterhin Kontakt mit Will pflegt, wird er terminiert. Und umgekehrt.

„By terminated, they mean killed. Do you understand this message?“„Yes.“„Because sometimes they can be unclear, but that one was pretty straightforward.“

Trotz dieser Drohung werden wir – bis auf die Folterszenen – nicht direkt mit Spionage-Blutbädern konfrontiert, sondern der Horror begegnet uns auf subtile Art. Die ganze Action geschieht Off-Screen – und trotzdem akkumulieren die Rubicon-Bilder enorme Spannung. Wofür ich dankbar bin, sind die fehlenden Uhrzeit- und Location-Überschriften, die Flashbacks, die Währenddessen in-Einschübe, die glänzenden Computerbildschirme, die Bedrohungen ausrechnen etc. Gelegentlich gerät eine alte MS-DOS-Oberfläche ins Bild – und sonst: Notizen, Blätter, Bücher, Schrift, Fotos – und der Blick darauf.

Dieser Blick erstellt die Verbindungen: Die Kateb/George/Yuri-Story kommt zu einem Höhepunkt, als die Informationen über den Mord an den letzten beiden eintreffen. Will & Co. stellen die Verbindung her zwischen New York und den Bombenattentaten, hinter welchen Kateb steht: Jede Kateb-Bombe, die irgendwo auf der Welt hochgeht, tut das immer genau um 4:20 p.m. New York City-Zeit.

Führt das zu Truxton & Co.? Wird man etwas so Undefinierbares wie diese Verschwörung letztendlich doch definieren können? Eine Karte davon erstellen? Man braucht mehr Information, sagt Miles. Das heißt: Sitzen und warten, bis mehr Informationen auftauchen.

Das werden wir auch tun: Sitzen und darauf warten, dass noch mehr Rubicon-Episoden kommen, um die Karte zu vervollständigen.

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