Rubicon: Keep the Ends Out (1×03)

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Der Prozess, in den Rubicon die Zuschauer hineinzieht, repräsentiert die Ereignisse in der Erzählung selbst. Das Versprechen der AMC-Produktion lautet: Wenn ihr lange genug auf den Bildschirm starrt und jedes Detail mit seiner Verbindung zu den anderen wahrnehmt, dann werdet ihr den Code knacken, dann werdet ihr belohnt. Irgendwie habe ich nach dieser Episode, die von dem Erzähltempo her gesehen genauso langsam wie die ersten zwei ist, an Vertrauen gewonnen, dass sich das Zuschauen von Rubicon auszahlen wird.

Nach wie vor fühle ich mich von der kaum vorhandenen Entwicklung weder gelangweilt noch verspüre ich das Bedürfnis, alles zu erfahren. Kann man eigentlich behaupten, dass keine Entwicklung vorhanden ist? Das hängt davon ab, was man darunter versteht! Rubicon setzt auf Selbstreflektion und auf Entwicklung, die vor allem durch die Kamera und die schauspielerische Leistung hergestellt werden. „Rubicon“ kann man durchaus nicht als Stillstand bezeichnen. Die ununterbrochen wechselnden Kameraperspektiven und Kameraeinstellungen bringen eine Unruhe, Bewegung ins Bild und gleichzeitig konstruieren sie es. Man bekommt das Gefühl, das Bild wird vor unseren Augen zusammengepuzzelt.

Wir sehen selten Establishing Shots, sondern die Bilder, vor allem mit Will darin, werden aus unterschiedlichen Aufnahmen zusammengesetzt, die nicht nur subjektiv sind (Wills Blick darstellen), sondern immer wieder auch einen möglichen fremden Blick suggerieren. In dieser Episode bekommt er mehrere Träger. Seit Davids Tod ist Will (James Badge Dale) paranoid genug geworden, um die Blicke auf seinem Rücken zu spüren. Aber Wills Verfolger, der Mann im schwarzen Mantel, erweist sich als FBI-Agent, der Will für eine Freigabe der höheren Sicherheitsstufe überprüfen soll.

Das Problem: Das ist nicht der einzige Beobachter. Die beiden, die sich am Ende im Waschsalon treffen, verfolgen auch jede Bewegung von Will.

Für wen arbeiten sie und wem übermitteln sie die Nachricht, dass Will weiterhin Davids Spuren sucht und findet? Den Männern in dem Raum, die wir im Piloten gesehen haben? Pflegte der Banker, der Selbstmord beging, auch im selben Raum zu sitzen? Sein bester Freund James Wheeler (David Rasche), der die Witwe auch in dieser Episode mit lieben Worten ruhig zu stellen versucht, nimmt ein altes Bild aus der Wohnung des Verstorbenen. Auf dem Bild sind sieben Jungs zu sehen. Waren die Männer in dem Raum ursprünglich zu siebt?

Davids Sohn, der lange in einer psychiatrischen Anstalt war, trifft sich mit Will und möchte gerne das Motorrad haben, das David Will geschenkt hat. Das sei ihm vom Vater versprochen worden! Diese Tatsache bringt Will dazu, sich das Motorrad näher anzuschauen, und er entdeckt eine Liste mit zehnstelligen Nummern auf der Rückseite eines Klebebandes und auch noch eine Waffe, versteckt im Sitz. Nach dem Kombinieren von Hinweisen und Spuren, von Wissen und persönlicher Geschichte – die Kamera liebt es, Wills Denkprozess zu zeigen – kann Will die Nachricht dekodieren und feststellen, dass es sich um sieben Namen handelt.

Sieben? Kleeblatt-Verschwörung? Man kann davon ausgehen, dass Will bald durch Davids Botschaften sich an einem Punkt vorfinden wird, von dem aus er alleine neue Erkenntnisse gewinnen muss. Die Frage ist, ob man ihn lässt und um welchen Preis? Rubicon ist zwar um eine unheimliche Verschwörung aufgebaut, aber mit dieser Episode fängt die Serie an, auch kleine Notizen über die beteiligten Figuren zu hinterlassen, sie voneinander innerhalb dieser anonymen Welt zu differenzieren. Während die Verschwörung, obwohl wir über sie so gut wie nichts wissen, die Welt als Ganzes zu bedrohen scheint, sehen wir (zum Beispiel bei Miles) wie ganz persönliche Welten erschüttert und bedroht werden.

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