Rubicon: Look to the Ant (1×06)

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Kann es sein, dass Rubicon nur vortäuscht, langsam zu erzählen und spärliche Informationen über die Figuren preiszugeben? Look to the Ant ist eine sehr ereignisreiche Episode, allerdings merkt man das, wie für die neue AMC-Serie üblich, erst nach und nach. Die Folge Connect the Dots brachte Ereignisse in Verbindung miteinander, die aktuelle Episode verknüpft nun die Figuren. Dieser Prozess wurde schon mit dem zufälligen Treffen von Will und Katherine in Gang gesetzt.

Nein, die beiden lernen sich auch hier nicht kennen, machen aber verstörende Entdeckungen, die sie zum selben Ziel führen: Atlas McDowell. Es handelt sich um eine Organisation aus der Sicherheitsbranche. Alle Wege scheinen dorthin zu führen. Aber bremsen wir das Tempo mal und fangen von vorne an: In der Eröffnungsszene bricht Kale Ingram in Wills Wohnung ein und sieht die Zettel mit Wills Nachforschungen auf dem Fußboden. Dann kommt der Vorspann und dadurch wird uns Zeit gegeben, abzuwägen, was Kale wohl mit diesem Wissen über Will anstellen wird.

Die Handlungen und die Reaktionen der Figuren in Look to the Ant sind gleichzeitig überraschend und vorhersehbar. Kale bestellt Will zum Abendessen in seine Wohnung, und dort trifft Will auf Ingrams Lebensgefährten. Ja, Wills Boss ist schwul. Diese überraschende Erkenntnis wirft ein neues Licht auf seine Beziehung zu Donald Bloom. Kale teilt Will mit, dass er über seine Nachforschungen Bescheid weiß und dass er nicht als einziger über dieses Wissen verfügt. Er bietet Will seine Unerstützung an und rät ihm, seine Spuren besser zu verwischen und keine API-Ressourcen zu nutzen. Er lenkt Wills Aufmerksamkeit auf Edward Roy, den Mann, der Will beschattet. Die Frage ist: Will er ihn damit nur von Bloom fern halten? Welches Spiel spielt Ingram? Versucht er sich durch Will auf dem neusten Stand im Fall der Kleeblatt-Verschwörung zu halten? Kann Will ihm vertrauen? Kann er überhaupt irgendjemandem vertrauen?

Nach dem Besuch bei Ingram ist auch die letzte Schranke, die Wills Paranoia in Schach hielt, gefallen. Er sucht und findet eine Wanze nach der anderen in seiner Wohnung. Obwohl Wills nicht überrascht sein sollte, in einem verwanzten Haus zu wohnen, setzt James Badge Dale das Entsetzen seiner Figur absolut großartig und überzeugend um. Außerdem muss die Choreographie der ganzen Szene erwähnt werden: Wills Wanzensuche ist aus allen möglichen, ständig wechselnden, Perspektiven gefilmt, wobei High- und Low Angle-Aufnahmen die Bilder dominieren.

Damit wird nicht nur Desorientierung geschaffen, sondern auch der wachsende Druck auf Wills Schulter demonstriert. Der Fußboden und die Decke streben zueinander und drängen Will in die Ecke, wo er sitzen bleibt. Großartige Leistung, wie auch in jeder Episode bisher, von „Seith Mann“s und „Michael Slovis“’ Team. Aber nicht nur Wills Szenen weisen distinktive audiovisuelle Muster auf. Bei Außenaufnahmen wird Katherine Rhumor (Miranda Richardson) immer wieder aus einer Distanz gefilmt, die einen Beobachterblickpunkt suggeriert. Bei Innenaufnahmen wird sie, wie in dieser Episode bei ihrem zweiten Treffen mit Carol Bradley, oft aus einem High Angel gezeigt.

Die Szenen mit Katherine haben sogar vihr eigenes Musikthema. Es erklingt meistens dann, wenn sie kurz davor ist, eine weitere Erkenntnis über das geheime Leben ihres Ehemannes zu gewinnen. Der Zeitungsausschnitt, den sie in Toms Unterlagen findet, führt sie zu einer anderen Witwe, Carol Bradley. Katherine stellt fest, dass Tom und Bradleys Mann, über dessen Tod die Zeitungsnotiz berichtet, mit Atlas McDowell zu tun hatten. Mit Entsetzen sieht sie in Bradleys Sachen dasselbe Kleeblatt, das sie vom Todestag ihres Ehemannes kennt. Was sie nicht sieht, ist das alte Foto mit den sieben Jungs. Es ist dasselbe Foto, das wir James Wheeler aus Tom Rhumors heimlichem Wohnsitz entfernen sahen.

Was Miles nicht entfernen kann, ist sein Ehering. Miles arbeitet weiterhin auch nachts an dem Fall George und überwacht die Aufnahmen von der Hochzeit von dessen Tochter. Dafür benötigt er die Hilfe von Julia, einer API-Übersetzerin aus der Nachschicht. Dieser kleine Nebenplot um Miles und Julia ist sehr ereignisarm, aber gerade deswegen so großartig. Julia ist durchaus gewillt, mit Miles zu flirten, doch es geschieht nichts zwischen den beiden. Miles betont nach wie vor, dass er verheiratet ist – wohl weniger für Julia als für sich selbst. Rubicon liefert eine weitere hervorragende Charakterstudie und zeigt uns, wie einsam und verloren die Figur in ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen ist.

Es ist so, als würde man sich in einer Sackgasse befinden, in der man nur schwer wenden kann. Dasselbe gilt für Maggie, die endlich einige sehr gute Szenen hat. Da ihre Tochter übers Wochenende bei dem Ex ist, ruft sie Will an und möchte mit ihm etwas trinken. Der ist aber noch mit den Wanzen beschäftigt und sagt ab. Grandios setzt Jessica Collins Maggies Bedürfnis nach Kontakt um, diese sexuelle Anspannung, entstanden durch ihre Einsamkeit.

In der Zwischenzeit findet Will heraus, dass Roy Ex-CIA ist und für Atlas McDowell arbeitet. Außerdem stellt er den Mann, der ihn verfolgt. Will zieht zum ersten Mal Waffe und bedroht den Unbekannten. Durch ein Handyfoto wird der Beschatter für seinen Arbeitgeber unbrauchbar. Es ist sehr schön, wie Will langsam aber stetig aktiver wird. Nach dem Vorfall eilt er völlig durcheinander zu Maggie. Die hat allerdings inzwischen Ersatz für ihn gefunden. Die wortlosen Blicke zwischen ihr und Will durch die Türspalte sind ereignisvoller als drei Seiten Dialog.

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