Terriers: Quid pro Quo (1×12)

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Wenn man sich zwei FX-Serien anschaut, „Sons of Anarchy“ und „Terriers“, gibt es dort gewisse Ähnlichkeiten – und einen großen Unterschied: „Sons of Anarchy“ hat bombastische Ratings, während „Terriers“ miserabel abschneidet. Was die beiden Serie verbindet, ist nicht nur die Freundschaft zwischen den Showrunnern und ehemaligen „The Shield“-Kollegen Kurt Sutter und Shawn Ryan, sondern auch ihr Geist, ihre Prämisse: Streben nach Freiheit, Unabhängigkeit, danach, den eigenen Lebensstil beizubehalten – trotz allen Veränderungen.

Das führt uns auch gleich zum zentralen Plot von „Terriers“. In „Quid Pro Quo“ finden Hank (Donal Logue) und Laura heraus, dass Ben Zeitlin (Michael Gaston) einen Flughafen in Ocean Beach zu bauen beabsichtigt. Die Immobilienfirmen, die Zeitlin vertritt, finanzieren Projekte, die absichtlich zum Scheitern verurteilt sind, so dass Zeitlin durch etliche Abrisse von Gebäuden Platz für den Flughafenbau schaffen kann. Das bedeutet: Alle freien Geister werden vertrieben! Blogger, Ärzte (die Eis verkaufen), Surfer, Studenten, Nerds und Privatdetektive… Sie werden ihr Fleckchen Frieden verlieren. Und die Chancen, Zeitlin noch zu stoppen, stehen schlecht für Hank & Co.

Lustigerweise spiegelt die Handlung der Serie ihr Schicksal. Sie ist anders, ungewöhnlich, aber irgendwie auch vertraut. Mir jedenfalls. Nur leider scheint sich dieses warme Gefühl beim Genuss der Interaktionen von „Terriers“’ Figuren nicht in vielen Zuschauern breit zu machen. Weil der Sender, wie ich schon einmal erwähnt habe, das Produkt so unpassend promotete, dass viele potentielle Zuschauer gar nicht erst auf „Terriers“ gestoßen sind… ?

Wie dem auch sei: Terriers Kampf ums Überleben ähnelt dem Kampf ihrer Hauptfiguren. Es ist ein ebensolcher Kampf gegen Windmühlen, wie ihn Britt (Michael Raymond-James) und Hank seit Serienbeginn mit Don Quijote’scher Hartnäckigkeit führen. Die Chancen für „Terriers“, verlängert zu werden, stehen ebenfalls schlecht! Falls die Serie abgesetzt wird, endet dieses TV-Jahr höchst unzufriedenstellend. Denn in meinen Augen können „Terriers“ und „Rubicon“ neben „Justified“ und „Boardwalk Empire“ als beste Neustarts des Jahres gelten.

„Rubicon“ wurde ja bedauerlicherweise schon abgesetzt – wir können also nur noch die Daumen drücken, dass FX die Fahne der Unabhängigkeit, des freien, kreativen TV-Geistes, weiterhin schwenkt: damit sich die Kabelsender nicht nach und nach im Network-Territorium der Finanzhysterie und der Ungeduld festfahren! Ich weiß, das sind harte Worte. Aber „Rubicon“s Absetzung verzeihe ich AMC nicht so leicht!Zurück zum einzig übrig gebliebenen „Rubicon“-Darsteller auf dem Bildschirm: Michael Gaston, der als Donald Bloom in „Rubicon“ noch vor Serienende das Zeitliche segnete. In „Terriers“ befindet er sich als Anwalt Ben Zeitlin noch immer in einer sehr machtvollen Position. So machtvoll, dass sogar der Stadtrat sich plötzlich aus der Sache heraushält, obwohl er Laura und Hank zunächst Hilfe angeboten hatte. Oder ist er sogar derjenige, der Zeitlin Informationen über Hanks Nachforschungen liefert?

Ein Anderer aber zieht sich trotz Vorgeschichte mit Hank nicht zurück. Gretchens Mann Jason arbeitet als Architekt für eines der zum Scheitern verurteilten Projekte und schließt sich Hank und Laura an. Während die drei nachforschen, befindet sich Britt in einer Art Niemandsland: Ihm drohen drei Jahre Gefängnis. Ausgerechnet Zeitlin zahlt seine Kaution und verspricht Britt weitere Hilfe, wenn er Hanks Aufnahmen aus dem Hotel ausliefert. Britt teilt ihm mit, dass das Ganze ein Bluff von Hank war. Im Grunde bedient er so beide Seiten: auf Zeitlins Befehl versucht er, den Informanten zu finden (im Tausch gegen seine Freiheit und Lauras und Hanks Sicherheit), aber auch Hank und Laura wollen die Quelle auftun.

Britt ist hier tatsächlich Sancho Pansa: sein Benehmen ist zugleich tragisch und rührend. Britt: „My brain is about to shit itself!“ Er schläft mit Ashley, einer Mitarbeiterin von Zeitlin – vielleicht ein wenig aus Rache an Katie (Laura Allen) oder um sich als Maulwurf zu stellen, aber letztendlich weiß er nicht, warum er es tut…

Man kann die Leistung aller Schauspieler in „Terriers“ nicht genug loben! Und die quotenarme FX-Produktion schafft es wieder einmal, die Zuschauer aus der Bahn zu werfen: Als Laura und Jason die Informantin treffen wollen, wird Jason erschossen. Ganz ehrlich: damit habe ich nicht gerechnet. Gretchen stürzt sich dann ausgerechnet in Hanks Arme, um Trost zu suchen. Dabei ist er der Mann, der ihr Leben, direkt oder indirekt, endgültig ruiniert hat. Die Episode endet mit Hank, der sich ein ganzes Arsenal an Waffen von einem lokalen Waffenhändler besorgt. Kann das Ganze noch böser enden? „Terriers“ ist alles zuzutrauen!

Neben all den Enthüllungen steckt „Quid Pro Quo“ wieder voller kleiner Momente zwischen den Figuren, die diese Serie so sehenswert machen und dem Zuschauer, der seine Zeit in diese Figuren investiert hat, mitfühlen lassen. Das kann nur geschehen, wenn eine Serie zu einem abgerundeten Ganzen geworden ist – und „Terriers“ ist eine solche Serie, die dem Zuschauer, wie „Firefly“ oder eben auch „Rubicon“, wirklich ans Herz wächst.

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