Breaking Bad: End Times (4×12)

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Breaking Bad begann als eine Serie, die von Ausweglosigkeit handelte, von dem Unausweichlichen des Todes, angesichts dessen Walter White (Bryan Cranston) sich entscheiden musste, wie er seine letzten Tage verbringen wollte. Danach wurde die AMC-Produktion mehr und mehr eine Erzählung über Entscheidungen und ihre Konsequenzen, die zu weiteren Entscheidungen führten. Daraus entwickelte sich eine spiralförmige Bewegung, die Walter und die Menschen um ihn herum mehr oder weniger in einer Sackgasse stehen ließ. End Times, wie der Titel es schon andeutet, markiert den Höhepunkt dieser Bewegung – oder den Tiefpunkt, je nachdem, wie man es betrachtet.

Direkt vor dem Finale der vierten Staffel kann niemand mehr wählen wie bisher. Es müssen nicht wirklich Entscheidungen getroffen werden, sondern man reagiert nur noch auf die Konsequenzen des bisherigen Tuns. Schon in der ersten Szene sagt Walter zu Skyler (Anna Gunn), dass sie einmal eine Wahl hatten, es jetzt aber keine mehr gebe. Damit weist er auf das fehlende Geld hin, das sie gebraucht hätten, um zu verschwinden. Statt dessen also schickt Walt Skyler und die Kinder unter DEA-Schutz zu Hank (Dean Norris) und Marie, während er zu Hause bleibt und wartet.

Breaking Bad findet natürlich wieder ein schönes Bild für Walters von ihm selbst als letzte Momente gedachten Augenblicke. Er sitzt neben dem Pool. Ein Stillstand – eines jener Breaking Bad-Stillleben, mit denen im Verlauf der Serie immer Katastrophen einhergingen. Walter starrt auf das blaue Wasser; neben ihm liegt die geladene Waffe. Ein Sinnbild für Walters Bewegung am Rande des Todes: „I have lived under the threat of death for a year now, and because of that I’ve made choices“, sagt er vorher zu Skyler. „I alone should suffer the consequences of those choices!“

Die unglaubliche Intensität dieser Episode ergibt sich wiederum aus dieser geschickten Bewegung in Richtung möglicher Showdowns: einer Bewegung, die aber aus dem einen oder anderen Grund am Rand der Explosion innehält, stehen bleibt, um sich danach doch fortzubewegen: aber zu einem anderen möglichen Showdown. Von Showdown zu Showdown schreitet die Erzählung voran, ohne sie zu konsumieren. Nach dem Luftanhalten vor der Explosion gibt sie uns immer wieder doch noch einen Atemzug: genug, um zu überleben, aber nicht genug, um sich von der Anspannung zu befreien.

Diese Bewegung den Rändern entlang lässt Hank Steven überzeugen, die Wäscherei zu durchsuchen – wenn auch ohne Erfolg -, und Saul seine Sachen packen und sich auf einen Not-Urlaub vorbereiten, bis sich der Staub gelegt hat. Jesse (Aaron Paul) aber bleibt standhaft, was Walters Leben betrifft – auch als Gus ihm zum wiederholten Mal nahe legt, welche Gefahr und welche Probleme Walters Existenz allen bereitet und noch bereiten könnte. Dann jedoch wird Jesse komplett aus der Bahn geworfen. Andrea ruft ihn an: Brock wurde mit einem grippeähnlichen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert und schwebt in Lebensgefahr. Als Jesse vor der Klinik eine rauchen will, bemerkt er, dass eine bestimmte Zigarette aus der Packung fehlt.

Die Verbindung ist schnell gemacht: Brock wurde mit der für Gus bestimmten Zigarette vergiftet. Also bewegt sich die Episode zum nächsten Beinahe-Showdown in Walters Haus, wo Jesse ihm die Schuld gibt und ihn beinahe erschießt. Damit würde, wie Walter Jesse auseinanderzusetzen versucht, Gus’ subtiler Plan in Erfüllung gehen, nämlich Jesse dazu zu bewegen seinen ehemaligen Partner zu töten – genau wie Walter selbst versucht hatte, Jesse zum Mord an Gus zu bewegen. Wie an einem straff gespannten Seil wurde Jesse beim Tauziehen zwischen Gus und Walter hin und her gezerrt.

Doch er hat sich beiden widersetzt – und nun ist er derjenige, der entscheidet, welcher Showdown der nächste sein wird. Ehemaliger Partner? No more. „I’m going to do this one way or another, Mr. White“, sagt Jesse. Walter: „Then let me help.“ So kehren wir zurück zu der nach den letzten Ereignissen unmöglich erscheinenden Konstellation: Walter und Jesse gegen alle Anderen! Nicht ganz: Jesse und Walter.

Genauso wie Skyler in dieser Episode die grüne Farbe Breaking Bads trägt, sehen wir auch Walter zum ersten Mal in den letzten Episoden in Farbe. Er trägt ein grünes Hemd, während er kocht. Die Farbe der letzten Hoffnung? Dieses Mal bereitet Walter eine Autobombe für Gus zu, während Jesse dafür sorgt, dass Gus im Krankenhaus auftaucht. Aber Gus’ langjährige Übung im Umgang mit tödlichen Fallen sorgt dafür, dass er kurz vor dem Auto innehält, um sich nach einem konzentrierten Rundumblick zu entfernen. Walter kann die Bombe nicht hochgehen lassen: Vorerst war das grüne Hemd umsonst, auch dieser Showdown wurde suspendiert.

Dafür aber bewegt sich die AMC-Serie auf ein bombastisches Finale zu.

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