Breaking Bad: I See You (3×08)

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Zwischen den Geräuschen von Beatmungsmaschinen und der Luft, die einen gelben Schutzanzug ausfüllt, höre ich immer wieder dasselbe Kinderlied: „Der Hund kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei, da nahm der Koch die Kelle und schlug den Hund zu Brei. Da kamen alle Hunde und gruben ihm ein Grab und stellten drauf `nen Grabstein, auf dem geschrieben stand: Der Hund kam in die Küche…“ I See You macht uns eins klar: Nicht Walter White (Bryan Cranston) ist hier der Koch, sondern Gus.

Die Küche, die er innerhalb der Wäscherei für Heisenberg einrichtet, ist ein Spiegelbild der Außenwelt, Stück für Stück von Gus zusammengesetzt. Einzigartig, wie es Breaking Bad gelingt, still und leise eine Figur aufzubauen, bis es plötzlich vor unseren Augen “Boom!” macht. Genau wie bei einem harmlosen chemischen Übungsversuch, der seine Harmlosigkeit in den falschen (oder richtigen) Händen jeden Moment verlieren kann. Erinnern wir uns, dass Tio (der in vielen Dingen Recht behält) seine Kollegen damals vor dem „chicken man“ am Telefon warnte. Der Titel dieser Episode kommt direkt aus Gus’ Mund, genauso wie „I’m told the assassin who survived was gravely injured. It’s doubtful he’ll live. Now thank me and shake my hand.“ Das sagt er zu Walt im Krankenhaus, umgeben von DEA-Agenten, als Walt panisch feststellt, dass Gus über alles und jeden Bescheid weiß.

Diese ist nur eine von mehreren exzellenten Szenen in dieser Breaking Bad-Episode, die sich auf die Netzhaut brennen und der Balance in unseren Köpfen einen Schub verpassen. Über Breaking Bad nachzudenken, fühlt sich an wie Walts Versuch, den wackelnden Tisch im Wartezimmer auszutarieren. Jede Woche versuchen wir es – und in der nächsten Woche wackelt er schon wieder. Jedenfalls: diese Szene, in der Walt, Marie (Betsy Brandt), Sky (Anna Gunn) und Walt Jr. darauf warten, dass Hank (Dean Norris) aus dem OP kommt, bildet nicht nur eine Metapher über Balance, sondern über Walts breaking bad an sich. Eigentlich verbildlicht sie eine Frage: Wenn etwas an und in sich schief ist – bringt es dann überhaupt etwas, es auszugleichen

Denn bei dem Versuch reißt man andere Dinge – in diesem Fall: die Forbes-Ausgabe – auseinander. Jeder Eingriff, der die Balance wiederherstellt, definiert sie als Schein, als Trug. Es ist die zweite Episode in Folge, in der Walt im Krankenhaus sitzt und damit konfrontiert wird, was er an Leid verursacht hat. Diesmal allerdings weiß Marie nicht, wie Recht sie hat, wenn sie die Walt-Jesse-Verbindung für Hanks Zustand verantwortlich macht.

Leonel wiederum, der überlebende Cousin, der mit amputierten Beinen im selben Krankenhaus liegt, weiß ganz genau, wer für seinen Zustand verantwortlich ist.

Die Szene, in der er Walt sieht und dann vom Bett springt (und fällt) in dem Versuch, ihn zu erwischen – er kriecht in Walts Richtung und hinterlässt dabei eine blutige Spur -, spiegelt nicht nur die ersten Minuten der Staffel wider, sondern schreibt ein Santa-Muerte-Lied, das so geht: „Da kamen alle Hunde und gruben ihm ein Grab und stellten drauf `nen Grabstein, auf dem geschrieben stand: Der Hund kam in die Küche…“ Anschließend erhält Gus einen Anruf von Juan, der ihm Ähnliches verspricht – bevor ihn Gus’ Leute in seinem Haus in Mexico niederschießen. Wie beschreibt Walt Gus’ Vorgehen, als er Gale die angeblichen Differenzen zu erklären versucht?

„I’m classical and you’re more jazz.“

 

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