Breaking Bad: Open House (4×03)

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„The Devil is in the Detail“, sagt Skyler (Anna Gunn) gegen Ende von Open House zu Walter (Bryan Cranston). Ja, in Details liegt auch Breaking Bads Erzählung. Von Anfang an legte man großen Wert auf Details, sei es um die Zuschauer auf kommende Ereignisse hinzuweisen, sei es um sie in die Irre zu führen und Spekulationen zu provozieren – Beispiel: das Teddy-Auge… oder diese Woche die etlichen extremen Close-Ups, die zur Lösung des Geldwäsche-Problems von Familie White führen.

Open House erzählt von der Schließung von Bogdans Autowaschanlage und von ihrem Verkauf an Skyler und Walter. Nachdem beide sich im Gespräch mit Saul einig dafür aussprachen, dass Bogdans Car Wash gekauft zu werden habe und kein anderes, verhilft ein kleines Detail Skyler zu einer brillanten Idee. Wie wir schon besprachen, setzt Breaking Bad zur Lenkung des Zuschauerempfindens nicht nur visuelle, sondern auch auditive Details ein – oftmals die einzelnen, sehr lauten Geräusche, die das Bild “erfüllen”.

So wie das Geräusch der schaumigen Lauge, die in der White’schen Küche in den Abfluss gurgelt, gefolgt von dem plötzlichen Lächeln auf Skylers Gesicht, dem extremen Close-Up der Zündholzschachtel mit Sauls Telefonnummer, als sie ihn kontaktiert, und einem Schnitt auf ein Reagenzglas mit Flüssigkeit, das in der Luft angehoben und geschüttelt wird.Und richtig: Skyler schüttelt das As aus dem Ärmel, das Bogdans Augenbrauen zum Zittern bringt. Das Wasser in seiner Anlage sei kontaminiert; es bestehe die Gefahr der Grundwasserverschmutzung. Kontamination war immer schon eine beliebte Vokabel in Breaking Bads Welt. Also muss Bogdan schließen – und verkaufen, damit ihm überhaupt noch etwas bleibt von seinem Geschäft. Inzwischen allerdings ist der Preis für das Etablissement von 879 000 auf 800 000 Dollar gesunken, dank Skylers geschäftlicher Hartnäckigkeit und ihrem Wunsch nach einer kleinen Rache für Bogdans Worte bei ihrem letzten Treffen.

Bei einer solchen Summe erscheint die Differenz unbedeutend: ein kleines Detail. Aber im Gegensatz zu Walter legt seine Frau großen Wert darauf. Die Details könnten ins Auge fallen, befürchtet Skyler. Und dann würde Walter nicht etwa mit einem blauen Auge davon kommen, sondern gar nicht mehr. Also wäscht sie ihm den Kopf wegen der teuren Champagnerflasche, die er kauft. Gus will sich kein Detail aus Jesses (Aaron Paul) und Walters Arbeit im Labor mehr entgehen lassen: Ab sofort verfolgen an den Wänden angebrachte Kameras die beiden während des Kochens auf Schritt und Tritt, was Walter zur Weißglut bringt. Er und Jesse stehen auch sonst unter Beobachtung, wie man etwas später sieht. Einmal ins Auge gefallen zu sein, bedeutet in diesem Geschäft: für immer im Auge behalten werden!

Open House versieht das einzige Ereignis der Episode – den Kauf der Autowaschanlage, jenen von Familie White mit Champagner begossenen Erfolg – mit dem faden Beigeschmack emotionaler Zusammenbrüche: Jesses und Maries. Jesses Welt entgleitet ihm weiter: Sein Haus droht zur Ruine zu werden, in der ruinierte Existenzen Zuflucht finden, wobei Jesse sein Geld an sie verschwendet. Beim Kartfahren, zu dem er Walter vergeblich einlädt, kann Jesse zwar in der Bahn bleiben, aber im Leben entgleist er bis zur Unerträglichkeit. Marie wiederum hat sich selbst nicht mehr unter Kontrolle; wir sehen sie bei mehreren Hausbesichtigungen auftauchen, immer unter falschem Namen und mit erfundener Lebensgeschichte, und Gegenstände entwenden. Ihre Kleptomanie ergreift Besitz von ihr.

Was Marie jedoch wirklich ergreifen will, ist ein neues Leben als eine Andere. Sie wird erwischt und dank Hanks Polizeikontakten wieder frei gelassen. Neben dem verantwortlichen Detective sitzt eine Marie, die in Tränen ausbricht.Kurze Zeit später taucht der Kollege bei Hank und Marie auf und will seinen alten Freund dazu bewegen, etwas Anderem Aufmerksamkeit zu schenken als nur seinen Mineralen. Wir erinnern uns an die Nahaufnahme von Gales “Lab Notes” am Ende der Staffelpremiere. Jetzt bekommt Hank eine Kopie von dem Heft, um vielleicht seinen ehemaligen Kollegen weiter helfen zu können: als der Mann, der hinter dem berüchtigten Heisenberg her war. War er es wirklich? Hat er etwas dabei erreicht? Konnte er etwas tun? Vielleicht ist es Hanks Angst davor, genau das zu sein – keine Hilfe, unfähig -, die ihn dazu bringt, Gales Heft zunächst abzulehnen. Aber dann sehen wir ihn in der letzten Szene mitten in der Nacht, unter dem blauen Licht seiner Nachttischlampe, Gales Labornotizen durchblättern: The Devil is in the detail…

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