Breaking Bad: Problem Dog (4×07)

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„Restart or Quit? Yes or No?“ Problem Dog formt ein Fragezeichen. Die Beteiligten suchen nach einer richtigen Antwort, wo es keine richtige gibt. Die neue Episode eröffnet mit Aufnahmen von Jesse, der mit der Waffe in der Hand in seiner Wohnung steht. Er schießt: in Rage, einem Videospiel, bei dem wir mit Jesse eins werden und den Gegnern auf dem Bildschirm begegnen. Plötzlich nehmen sie Gales Gestalt an, und wir schießen ihm immer wieder in den Kopf. Aber war Gale ein Gegner? Oder nur ein Hindernis, ein Problem, für das es keine richtige Lösung gab?

Er hat niemandem etwas getan. So lauten Jesses Worte etwas später in der Episode während einer der besten Aaron Paul-Szenen in Breaking Bad, als Jesse zu seinem 12-Schritte-Programm-Treffen geht und erzählt, wie er einen „problem dog“ tötete. Während des Treffens lässt Jesse alles an den Anwesenden aus, seine ganze Frustration – nicht nur über das, was er tat, sondern vor allem über ein ausbleibendes Urteil des Gruppenleaders: „The thing is, you just do stuff and nothing happens. What’s it all mean, what’s the point? No matter how many dogs I kill, I just do an inventory and I accept?“

Damit aber reagiert Jesse auch auf die Position zwischen Walter und Gus, in die er gebracht wurde. Jeder versucht, seine Loyalität zu erzwingen, ihn für sich einzunehmen. Denn loyale Mitarbeiter erschießen Hunde, wenn sie dazu aufgefordert werden.

Jesse steckt in einem Teufelskreis – um so mehr, nachdem Walter ihn im Walter-Style darum gebeten hat, Gus’ Ermordung zu übernehmen. Jesse ist gerade dabei, die Wände seines Hauses weiß zu streichen. Aber er willigt ein. Währenddessen ist Walter nicht bereit, klein beizugeben und den Challenger einfach zurückzubringen. Wie Jesse legt er eine Art Monolog hin – ohne Worte, dafür mit Hilfe des Challengers. Er malt buchstäblich die Teufelskreise, in denen er steckt, auf den Asphalt. Man erinnert sich an Jesses Angebot am Anfang der Staffel: „Let’s go cart.“ Genau drei Kreise von Reifenspuren hinterlässt Walter (Bryan Cranston), bevor er das Auto über eine Kante fährt und es festsitzt.

Während dieser Szene läuft The Pretenders’ Boots of Chinese Plastic. Aber dann steigt Walt aus – und die typische Breaking Bad-Stille setzt ein, die nur hin und wieder von einzelnen Geräuschen durchbrochen wird. Walter steckt die Autopapiere in den Tank und zündet sie an. Das Auto explodiert nicht sofort, wie man es von audiovisuellen Erzählungen gewöhnt ist, sondern mit Verspätung. Walter dreht dem Challenger den Rücken zu und schreitet mit entschlossenem Gesicht von dannen. Sowohl er als auch wir Zuschauer warten auf die Explosion. Es geschieht zunächst – nichts. Die Kamera zeigt den leeren Parkplatz, nun wieder aus der Aufsicht. Stille. Bewegungslosigkeit.

Das Auto geht erst später in Flammen auf. Was aber prompt aufgeht in Problem Dog, ist die plötzliche (wenn auch vielleicht erwartete) Verschiebung innerhalb der Machtstruktur der Erzählung. Zwar wird Gus nicht gleich entmachtet oder Ähnliches, aber er gerät in eine komplizierte Situation, deren Komponenten er nicht vollständig wahrnimmt: Die Handlungen seiner Kontrahenten verlaufen nicht so, wie er dachte. Das Treffen mit dem Kartell ist im Grunde genommen gar kein Treffen, sondern ein einfacher Mitarbeiter wird entsandt, um von Gus eine Antwort abzuholen: „Yes or no?“ Welche Frage damit beantwortet werden soll, hören wir nicht, aber man kann sich unterschiedliche Variationen vorstellen.

Wie Jesse sitzt Gus am Anfang der Episode vor dem Bildschirm. Wird er überhaupt die Möglichkeit haben zu wählen? Denn wir sehen Hank bei einem Treffen mit seinem ehemaligen Partner und dem Chef seiner ehemaligen Einheit. Er präsentiert den beiden die Fakten der Gale-Untersuchung. Und beendet die Präsentation mit einem schlagenden Argument, das auf Gus’ Beteiligung an dem Meth-Geschäft hinweist. Als er und Walter Junior bei Los Pollos essen gehen, rechnet Hank aufgrund der ganzen Vorgeschichte damit, dass Gus höchstpersönlich auftaucht und sie begrüßt! In diesem Moment ist Gus die Schachfigur, die einen von Anderen vorhergesehenen Zug macht.

Hank holt sich Gus’ Fingerabdrücke und stellt fest, dass sie in Gales Wohnung gefunden wurden. Jetzt lautet Hanks Frage: Wollen wir Gus hochnehmen oder nicht? Die Antwort hängt davon ab, welche DEA-Mitarbeiter Gus vielleicht in der Tasche hat… Im Moment sieht es danach aus, als hätten sowohl Jesse als auch Hank den Restart-Button geklickt: ausgerechnet diejenigen, die am Anfang der Staffel aufgegeben hatten.

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