Breaking Bad: Season 1

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Man stelle sich die folgende Situation vor: Ein Autor trägt den Verantwortlichen eines Senders das Konzept für sein Projekt „Breaking Bad“ vor. Also: Die Hauptfigur ist ein High-School-Chemielehrer namens Walt White. Obwohl er kein Raucher ist, wird bei ihm in der allerersten Episode unheilbarer Lungenkrebs diagnostiziert. Er beschließt, seine Familie (schwangere Frau und körperlich behinderter Teeniesohn) für die Zukunft finanziell abzusichern, indem er .. Drogen produziert und verkauft. Er tut sich zusammen mit einem Ex-Schüler, dem kleinen Drogendealer Jesse. Es stellt sich heraus, dass Walt als begnadeter Chemiker Super-Methamphetamin produzieren kann – und sich nicht mit Jesses Kleingeschäftgedanken zufrieden gibt, sondern größere Pläne hat. Da er bald sterben wird, will er das Leben seiner Familie komplett abgesichert wissen.

Wie klingt das? Für die Verantwortlichen von FX klang es super. Der Kabelsender ließ den Piloten drehen. Aber dann kam plötzlich die ernüchternde Erkenntnis: Wer würde das gucken? „Breaking Bad“ schien so gefährlich, dass keiner die Serie anfassen wollte. FX gab es weg, und es verharrte eine Weile in Vergessenheit, bis AMC sich seiner annahm. Das Risiko zahlte sich sofort aus: „Breaking Bad“ zog nicht nur mehr Zuschauer an als „Mad Men“, sondern der Star der Show, Bryan Cranston, bekam den Emmy. Die Serie wurde für drei weitere Emmys nominiert, unter anderem für Regie und Kamera.

Warum auch immer sich American Movie Classics für „Breaking Bad“ entschied: wir bedanken uns dafür. Denn Bryan Cranstons grandiose Darstellung von Walter White, dem Mann der “broke bad”, ist ein absoluter Zugewinn für eine Kategorie heutiger TV-Figuren, zu der auch solche gehören wie Michael C. Halls Dexter. Man könnte sagen, dass sich gegenwärtige SerienheldInnen grob in drei Kategorien einteilen lassen: erstens die seriösen, moralischen und über-kompetenten Protagonisten, beispielsweise aus dem „CSI: Crime Scene Investigation“- und dem „Law & Order“-Franchise; zweitens die charmanten Besserwisser mit besonderen Fähigkeiten wie in „The Mentalist“; und schließlich drittens diejenigen „Helden“, die mit ihren Handlungen jede Ethik und Moral in Frage stellen, wie Dexter und Walt. Und sie alle machen Spaß.

Die letzten vielleicht deshalb, weil sie Böses tun, um Gutes zu erreichen? Walt ist ein Mann, der am Abgrund entlang läuft. Aber das Faszinierende an seiner Figur ist, dass er nicht einfach irgendein Mann ist: eben nicht ein x-beliebiger Loser, der alles auf eine Karte setzt und Drogen produziert, um ein Stückchen vom Kuchen des American Dreams abzubekommen, und auch keiner von denen, die aus lauter Überdruss an Welt und Gesellschaft durchdrehen, wie Michael Douglas’ Figur in „Falling Down“, und auch keiner wie Lester Burnham (Kevin Spacey) aus „American Beauty“, der in der Midlife Crisis steckt. Walt ist ein fähiger Chemiker, der seiner Familie helfen will – aus Liebe. Einer, der sich immer sich an den Regeln gehalten hat. Walt ist anständig. Er ist klug und voller Mitgefühl. Um so prägender das Bild von Walt in Unterhose, grünem Hemd, Socken und Pistole in der Hand mitten auf der Straße, mitten in der Wüste. Dieses Bild beschreibt punktgenau den Charakter dieser Serie. Sie mutet an wie Coen-Brüder-Feeling fürs Fernsehen: Ein Drama über Sich-wirklich-Beschissen-Fühlen, bei dem man sich als Zuschauer wirklich gut fühlt.

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