Fringe: Worlds Apart (4×20)

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Somewhere over the rainbow / Way up high / And the dreams that you dreamed of / Once in a lullaby / Somewhere over the rainbow / Bluebirds fly / And the dreams that you dreamed of / Dreams really do come true (…) Somewhere over the rainbow / Bluebirds fly / And the dream that you dare to dream, / why, oh why can’t I? / Well I see trees of green / And red roses too / I’ll watch them bloom / For me and you / And I think to myself / What a wonderful world!

So lautet der Text von “Somewhere over the Rainbow” (von Judy Garland gesungen), und eine bessere Beschreibung der neuen Fringe-Episode ist kaum vorstellbar. Diese Beschreibung trifft aber nicht nur die Serie selbst, sondern auch den Gemütszustand, in den die FOX-Verantwortlichen die Fringe-Fans überall auf der Welt versetzten, als sie die Verlängerung um eine letzte fünfte Staffel mit dreizehn Episoden bekannt gaben. Ein Traum ging in Erfüllung! Wie heißt es so schön: So lange man träumen kann, ist nicht alles verloren… oder doch? Worlds Apart bietet eine höchst emotionale Gratwanderung zwischen Traum und Trauma, eine Erzählung von Blau und Rot, von der Sehnsucht nach einem Regenbogen. Einen solchen Regenbogen hatte Fringe mit dieser Season erzeugt: als Brücke zwischen den beiden Universen. Und alle Figuren überquerten sie, um zu sich selbst zu finden, um sich in den roten Dorothy-Schuhen des/der jeweils Anderen zu sehen. Kansas is where the heart is, könnte man Peters Aussage gegenüber Lincoln paraphrasieren.

Wo das Herz ist, liegt auch Fringes größte Stärke, die hier in vielen Eins-zu-Eins-Gesprächen demonstriert wird: Die Schönheit liegt in den Gedanken, die Fringe vor unseren Augen wie eine Picknickdecke ausbreitet, so dass sich jede/r bedienen kann – und wer das nicht kann oder will, nun, der ist selbst schuld. Menschen wollen von TV-Serien Unterhaltung, eine spannende Handlung, bewundernswerte Helden und Heldinnen; sie wollen vor sich selbst und ihrem Alltag flüchten. Aber letztendlich wird man doch immer wieder eingeholt: von der Welt, von sich selbst, von den Gedanken an die eigene Nichtigkeit innerhalb des großen Ganzen. Warum also soll man dann nicht das Erzählte bzw. Gezeigte manchmal einfach nur schön finden und als schön beschreiben, sei es als Gedanke oder als Bild? Nehmen wir als Beispiel Walters Erklärung von Jones’ Vorhaben: beide Welten auf dieselbe Wellenlänge zu bringen, zusammen pulsieren zu lassen, wie ein und dasselbe Herz. Aber dieses Herz soll nicht als Ganzes existieren, sondern als etwas Neues. Jones‘ Rechnung, das Zusammenbringen beider Welten, lautet nicht 1+1=2, sondern 1+/-1=0 (1).

Dabei steht die Null für einen Neuanfang, für die Schöpfung eines neuen Universums aus der Asche der roten und der blauen Welt. Das Bild des Phönix drängt sich auf, wenn man an Jones‘ fliegende Stachelschwein-Menschen denkt. Einige Kreaturen hat er, wie wir wissen, an Bord seiner Arche Noah versammelt, die irgendwo den neuen Urknall erwartet – in einer Safe Zone, wie der in Westfield. Jones’ Traum von einer neuen Welt ist ein Traum von sich selbst als dem ultimativen Schöpfer. Diesen Traum erkennt Walter in seinem eigenen, wie er den zwei Fringe-Teams am Anfang der Episode mitteilt. Er stellt sie vor die Entscheidung, entweder Jones umgehend zu stoppen oder das Abschalten der Maschine in Erwägung zu ziehen. Zum ersten Mal in dieser Staffel treffen Walter und Walternate aufeinander, und Walters Schuldgefühle kommen wieder hoch. Wir erfahren, dass Jones an 27 unterschiedlichen Orten in beiden Welten die Cortexiphan-Kinder Erdbeben verursachen lässt, aber die Erschütterungen sind nur ein Ergebnis: Ergebnis der Angleichung beider Welten.

Mit jeder weiteren Erschütterung werden diese instabiler, überlappen einander, bis sie irgendwann ineinanderstürzen werden. Durch einen alten Bekannten – Nick Lane, das als “reverse empath” bekannte ehemalige Cortexiphan-Kind – kommen die Fringe-Teams Jones‘ Plänen auf die Spur. Der Nick auf der roten Seite kontaktiert Lincoln, den er für den verstorbenen Lee hält, und erzählt ihm von seinen Träumen: Alpträume, die von der Verbindung zum “blauen” Nick herrühren, in die dann Olivia eindringt, um das nächste Erdbeben zu verhindern. Warum spielt ausgerechnet Nick hier eine so große Rolle? Aus Empathie? Ironie beiseite: Fringe vollbringt wieder einmal einen metaphorischen Fringe-Akt. Nicks Fähigkeit besteht darin, seine Gefühle auf andere zu übertragen, die sie dann als ihre eigenen empfinden. Ist es nicht genau das, was Fringe mit den Menschen aus den zwei Welten tat – und gleichzeitig mit denen aus unterschiedlichen Zeitlinien? Sie gleichen einander äußerlich, aber sind innen verschieden; diese Differenz sorgte anfangs für Abstand, gar Feindseligkeit, bis irgendwann der Regen aufhörte, die Sonne durch die Wolken brach und ein Regenbogen die rote und die blaue Welt miteinander verknüpfte.

Die Beteiligten lernten einander kennen – und vor allem lernten sie, dass die Differenz, der Unterschied zwischen ihnen oft dasjenige ausmacht, was sie in ihrem Leben bzw. in sich selbst vermissen, wovon sie vielleicht träumen. Das Kennenlernen der Träume des/der  Anderen, seiner/ihrer Gefühle, der gemeinsame Blick auf die Welt(en) (ich erlaube mir hier einen Verweis auf meinen Text zu Fringes Episode “A Short Story About Love”) hat eine heilsame Wirkung. Und die rote Welt heilt mit Hilfe der Verbindung zur blauen. In Worlds Apart führen die beiden Olivias eine Unterhaltung über Regen und Regenbögen, darüber, Schönheit mit Hilfe der Anderen wieder sehen zu können. Als sie Abscheid voneinander nehmen, sagt Olivia zu ihrem “roten” Gegenpart: Keep looking up after the rain.

Abschied müssen sie nehmen, denn die Spur zu Jones, auf die Nick Olivia & Co. setzt, verläuft ins Nichts. Übrigens: Als sie (vermeintlich) zu Jones fahren, ist nicht nur die Nissan-SUV-Werbung allzu gut zu sehen, sondern auch extra deutlich ein Reifen, der durch die Pfütze fährt. Regen, Pfützen, Wasser, dazu das an Wasser erinnernde Geräusch der Klimaanlage in dem verlassenen Gebäude – alles Spuren zu, Hinweise auf Jones, aber keine von ihm. Es bleibt nichts Anderes übrig, als die Brücke zu zerstören, die Maschine auszuschalten. Wird damit nicht nur die andere Seite, sondern auch Peter verschwinden? Für die blaue Welt wird Lincoln verschwinden, denn er entscheidet sich endgültig, drüben zu bleiben… bei Olivia (Liv), deren Gesicht die Farbe ihrer Haare annimmt, als er ihr das mitteilt.

Geplagt von dem Gedanken an Peter und daran, wie er vor 35 Jahren alles ins Werk setzte, sitzt Walter im Korridor. Aber er bleibt nicht allein. Walternate setzt sich zu ihm, … und John Noble verdient für diese kleine Abschiedsszene den Emmy, so wie schon für Tausende Szenen davor! Walternate verabschiedet sich von Walter mit einem Zitat des römischen Imperators und Philosophen Marc Aurel: The universe is change; our life is what our thoughts make it.

Und wenn diese Gedanken schön sind, dann gibt es immer einen Regenbogen, samt Hoffnung auf Gold oder Honig an seinem anderen Ende – auch wenn sich die Welt nach dem Ausschalten der Maschine einsam und unvollständig anfühlt für Peter und den Rest des “blauen” Teams.

Hierin eben liegt Fringes Schönheit: diese Gefühle zu den unseren zu machen.

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5 responses »

  1. Eine traurige und zugleich wunderschöne Folge. Ich hoffe, dass sie die Maschine irgendwann wieder zu laufen kriegen!:) In der Zukunft wurde die alternative Welt nie erwähnt, was dagegen sprechen würde.

    Ich habe Luftsprünge gemacht als ich die Nachricht las, dass Fringe eine 5. Staffel bekommt!
    Fringe hat sich für mich zu der besten Serie entwickelt, die ich jemals sehen durfte.
    Und ich finde es klasse, dass du deine Reviews hier weiter schreibst. Danke!

  2. “Well I see trees of green / And red roses too / I’ll watch them bloom / For me and you / And I think to myself / What a wonderful world!”
    ist nicht von Judy carland sondern Louis Armstrong.
    Die beiden Lieder wurden nur von Israel …(keine Lust den nachnahmen zu googeln) zusammen gemischt.

    Trotz des Fehlers Danke für die vielen tollen Reviews

  3. Dieser Review war mindestens genau so schön wie die Folge!!! Du hast genau die richtigen Worte gefunden. Vielen, vielen Dank dafür!!!!

    Diese Folge hat viele tief emotionale Szenen gehabt, die beides waren: Traurig und doch so zuversichtlich. Außerdem hätte John Noble für diese atemberaubende Szene nicht nur einen Emmy sondern einen Oscar verdient (wenn es den für Serien geben würde)!!
    Obwohl wir noch 15 Folgen vor uns haben, bis Fringe in die ewigen (Serien-)Jagdgründe verschwindet, hätte diese Folge, allein schon von der Stimmung aus, das Serienfinale sein können.

    Meiner Meinung nach eine der stärksten Fringe-Folgen überhaupt! Ich bin sehr gespannt, wie (und ob das überhaupt noch möglich ist?) Fringe die beiden ausstehenden Folgen noch steigern will. (Aber Fringe hat uns oft das Gegenteil bewiesen:-))

  4. irgendwie fehlt mir etwas in der Folge, das Ende war mir irgendwie zu schnell hinkonstruiert (als wusste keiner wie es weitergeht^^) ….
    meine Fragen :
    -was für einen Sinn hatte die 19er Episode in der Zukunft (vorallem Bellie + seine Hand^^)
    -und müsste nicht Olivia einen Part beim Urknall spielen (warum sonst hat die böse Nina immer das Cortexdings gespritzt) und nicht nur ihre Kollegen aus ihrer Kindheit…..
    -der “neue” Jones wusste doch gar nichts von der 2.Welt (erst als Olivia ihn darauf konfrontiert bzw sie ihm sagt, dass sie ihn kennt)…..ging mir irgendwie dann zu schnell mit seiner Formel 1+1= 0 , wenn er davor gar nichts wusste……….. oder sehe ich es komplett falsch?

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