Justified: Guy walks into a Bar (3×10)

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Aufstieg und Fall des Robert Quarles. So heißt das Theaterstück, das uns die neue Justified-Episode präsentiert. Quarles’ Eintreffen in Harlan sah nach einer neuen Übermacht aus, die alles und jeden unter ihre Kontrolle bringen würde. Nun ist Robert Quarles selbst derjenige, der die Kontrolle verliert – jemand, der sich selbst schon vor langer Zeit verloren und nie einen Weg zurück gefunden hat. Als Boyd (Walton Goggins) ihm mit einem geschickten Schachzug bei den Sheriff-Wahlen den nächsten Tiefschlag verpasst, scheint Quarles das Spiel verloren zu haben.

Sogar Wynn Duffy (mit zunehmend besorgten Augenbrauen) legt ihm nahe, Harlan zu verlassen. Aber Quarles kann nirgendwo hin, wie er Duffy erklärt. Er fällt zurück in die Leere, die immer schon da war – seit seiner Kindheit. Im nächsten Atemzug erfahren wir Quarles’ Geschichte, nämlich als er von einem bewaffneten jungen Mann in Duffys Wohnwagen aufgesucht und bedroht wird. Der Freund, nach dem der junge Mann sucht, ist vermutlich derjenige, den wir gefesselt in Quarles Haus sahen.

Neal McDonough (Quarles) schafft es in dieser kurzen Szene, das Menschliche und das Monströse für einen kurzen Moment unzertrennlich erscheinen zu lassen. Man verspürt dabei nicht etwa Mitleid mit der Figur, sondern einfach Verständnis für die Ausweglosigkeit ihrer Situation. Für Quarles ist der Weg zu Ende, aber er will nicht allein gehen…

Quarles geht es nicht mehr um Geschäftliches, er will nur noch an Boyd und Raylan Rache üben. Das hält ihn am Leben.

Die gleiche Ausweglosigkeit jedoch kennen wir von Raylan, auch wenn er sie nicht eingesteht. Boyds ironisches „Yes, we can“ während der Sheriff-Wahl kann man in das “Yes, we can’t” von Quarles und Raylan verwandeln: Beide können nicht von sich selbst weg, und genau das bringt sie einander näher, lässt ihre Wege sich kreuzen. Quarles geht mit einem etwas unwilligen Duffy schnurstracks in die Bar, wo Raylan mittlerweile wohnt. Er droht, ihn eines Tages zu erschießen. Raylan kann und will natürlich eine solche Ansage nicht auf sich sitzen lassen: Mit einem Schuss in die Bardecke bringt er alle dazu, den Raum zu verlassen, und Quarles dazu, sich umzudrehen. „Why wait?“ fragt ihn Raylan (Timothy Olyphant) beinahe liebevoll.

Das einzige, was zwischen den beiden steht und den echten Showdown vermeidet, ist… eine Frau mit Pumpgun. Nicht nur ist eine Pumpgun anscheinend die Lieblingswaffe der Frauen in Kentucky, sondern Justified hält an der eigenen Tradition fest. Dabei denkt man natürlich an Ava. Auf den ersten Blick scheint Lindsey Ava sehr zu ähneln: der Ava nach der Beziehung mit Raylan – vielleicht der Ava, die jetzt mit Boyd zusammen ist. Lindsey scheut nicht davor zurück, nach der Nacht mit Raylan den Finger in die Wunde zu legen, als er meint, sein Job bringe ihn ständig in Gefahr: „Sure it’s not one of the hazards of being you?“

Als sie zusammen im Bett liegen, dringt ein Lichtstrahl durch das Loch, das Raylan in die Decke schoss. Eine schöne Aufnahme, die man auf vielerlei Art und Weise als metaphorische Bemerkung über Marshal Raylan Givens weiter denken kann…

Raylan wird gegenwärtig nur und nur von dem Wunsch getrieben, Quarles und Dickie zu beseitigen. Für den zweiten bemüht er sogar den Rechtsweg und erklärt sich einverstanden, im Gerichtssaal vor seinem alten Bekannten, dem Speedo-Richter (Stephen Root), eine Rede zu halten, die Dickies Freilassung verhindern soll. So sehr Raylan in Unter-vier-Augen-Situationen das Erzählen beherrscht, so sehr hadert er mit Ansprachen vor größerem Publikum. Vielleicht, weil Showdowns meistens zu zweit stattfinden… ? Arts (Nick Searcy) Reaktion auf Raylans misslungenen Versuch ist Gold wert: „Did that go the way you rehearsed it?“

Auf jeden Fall scheint alles so zu laufen, wie Limehouse und Boyd es wollen, denn es kann den beiden nur in die Karten spielen, wenn sich Quarles und Raylan gegenseitig bekämpfen und im Eifer des Gefechts womöglich Dickie mit in die Hölle schicken.

Die Frage ist: Wäre eine Kugel für die Kentucky-Roulette-Spieler eine Strafe oder eine Erlösung?

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