Justified: Thick as Mud (3×05)

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Was gibt es über die neue Justified-Episode zu sagen? Kein Geringerer als Dewey Crowe (ein grandioser Damon Herriman) nimmt die Erzählung in die Hand und ist hiermit offiziell Man on Fire. Sein Kamikaze-Lauf liefert den vor Blut triefenden Beweis, dass Hauptfiguren wohl das Herz, Nebenfiguren aber die Nieren einer Serienerzählung bilden: Wenn sie nicht funktionieren, ist die Erzählung dem Tod geweiht. „I told him! I told all of you! I’m a desperate man!“ Immer wieder erzählt bzw. von der Erzählung Anderer hin und her geschubst zu werden – durchaus Grund genug, um irgendwann Rot zu sehen.

Aber nein, Justified inszeniert alles sehr figurengerecht und lässt uns damit sogar etwas wie hilflose Sympathie empfinden für den Mann mit dem tätowierten Reichsadler auf der Brust. Die FX-Serie zeigt uns, was passiert, wenn man die Erzählungen Anderer ernst nimmt. Dewey dreht nicht deswegen durch, weil er genug von allem hat, sondern weil ihm der sadistische Hobby-Chirurg Lance Folgendes erzählt: Ihm, Dewey, blieben vier Stunden, um genug Geld dafür aufzutreiben, dass er seine Nieren wiederbekäme. Die blutige Badewanne, in der Dewey aufwacht, und die Schnitte an seinen Körperseiten reichen ihm als Beweis: Er glaubt Lance.

Dies entspricht seiner Lebenshaltung: Stets geht Dewey von der Autorität Anderer aus, die wissen, wie die Welt funktioniert, und ihm das mitteilen, was ihn unmittelbar angeht. Lance hat das realisiert und schickt Dewey auf einen Amoklauf à la „Crank“: Der verzweifelte Mann überfällt einen Elektrofachmarkt (wo jeder, natürlich, mit Kreditkarte zahlt), eine Strip-Bar (um zehn Uhr morgens), eine Reinigung und abschließend eine Drogerie, wo er sich mit dem starrsinnigen alten Verkäufer – buchstäblich wegen Gott und der Welt – eine Schießerei liefert. Dann flüchtet er in den fensterlosen Lagerraum.

Und nein, eine Hintertür gibt es auch nicht. Zwar steigt die Spannung, und die Sache spitzt sich zu – aber nicht hinsichtlich Deweys Amoklauf: Der findet sein Ende mit Raylans (Timothy Olyphant) Tipp für Dewey, wie er herausfinden könne, ob Lance die Nieren wirklich herausoperiert hat. Ladies and Gentlemen – this is Dewey Crowe: „You mean I had four kidneys?!“ Jedenfalls: Raylans Geschichten zu glauben, ist doch sicherer für Dewey, den wir hoffentlich wiedersehen werden.

Mit dem Zuspitzen der Spannung also meine ich das Pulsieren des Justified-Herzens im Hintergrund der Dewey-Geschichte. Dieses Herz der Erzählung bilden natürlich Raylan und Boyd. Letzte Woche waren Winona und Ava abwesend, bekommen aber dafür in Thick as Mud zwei bemerkenswerte Auftritte, in welchen sie ihre Männer ihres Vertrauens versichern, ihnen bestätigen, dass sie an ihrer Seite bleiben werden. Ob Winona das ehrlich meint? Wir werden es erst wissen, wenn wir mehr über den Brief erfahren, den Raylan am Ende der Episode auf dem Küchentisch findet…

Das zweite Paar, Ava und Boyd, führt ebenfalls eine romantische Unterhaltung, aber mehr im Justified-Style. In Johnnys Bar, wo Boyd über Devils Verrat sinniert, erinnert ihn Ava daran, was sie beide verbindet: zwei alte Narben – von den Kugeln, die ihre Herzen verfehlt haben. Zwei Treffer, die sie am Leben ließen und füreinander bestimmen. Als Boyd von der gegenwärtigen Übermacht seines Gegners erfährt, kommen ihm Bedenken. Aber in der vermutlich besten Szene der Episode, als Quarles (Neal McDonough) und Boyd (Walton Goggins) aufeinander treffen, kann Boyd einen Treffer landen: Seine „Carpetbagger“-Rede scheint Quarles an die Nieren zu gehen.

Nicht nur, weil Boyd ihm klar macht, dass er Harlan nicht als Erster überrennen wolle, um dann zu versagen, sondern weil er Quarles auf seinen Kern festnagelt: ihm sagt, was und wer er ist. Die beiden tauschen bei dieser ersten Begegnung literarische Zitate aus, aber wie wird es bei der nächsten sein? Es scheint, als hätten beide nicht erwartet, was sie nun erleben – nicht nur voneinander, sondern auch von Limehouse, der als dritte Macht in Harlan derzeit nur den neutralen Beobachter spielt und Informationen sammelt. Auch Raylan erlebt am Ende der Episode eine unangenehme Überraschung, und damit ist nicht der Brief gemeint.

Zum ersten Mal seit Beginn der Serie – wenn ich mich nicht täusche – sieht er sich gezwungen, eine Frau zu erschießen, nämlich Lances Komplizin, die mit ihm flirtende Krankenschwester. Damit nicht genug: Er erschießt sie im Grunde durch Lance hindurch, der, als Leiche, auf ihm liegt. „I can’t believe you shot me“, sagt sie. „I can’t believe it, either“, antwortet Raylan. Harlan ist immer für eine Überraschung gut…

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