Boardwalk Empire: Gimcrack and Bunkum (2×05)

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Letzte Woche endete Boardwalk Empire mit hasserfüllten Ohrfeigen. Mit der neuen Episode wird das Schlagen fortgeführt, nur brutaler – und mit tödlichen Konsequenzen für Manche. Es ist Memorial Day in der fiktionalen Welt der HBO-Serie, und es ist Schluss mit dem Herumreden um den heißen Brei. Nucky (Steve Buscemi) will testen, ob Jimmy die Regeln des Spiels kennt, das sie spielen. Überraschenderweise spielt Jimmy (Michael Pitt) durchaus nach den Regeln – wenn er sie auch auf seine Weise interpretiert und mit Gewalt umsetzt.

Aber die wirkliche Differenz zwischen Nucky und Jimmy, die diese Episode demonstriert, heißt Richard Harrow. Mehrmals sehen wir Nucky im Laufe der Ereignisse müde: müde seiner so genannten Verbündeten, müde, immer dasselbe Gesicht aufzusetzen, sich um ihr Wohl zu kümmern, sich ihre Loyalität zu erkaufen. Sogar das Verhältnis zum eigenen Bruder ist für immer zerrüttet, wenn es überhaupt irgendwann in brüderlicher Liebe bestand. In einer der drei exzessiven Szenen der Episode kommt Eli verzweifelt zu Nucky und bittet um eine zweite Chance. Die Antwort: „I need you to get on your knees, bend down to the ground and kiss my shoes, you fuckin’ piece of shit.“ Dann gehen beide Männer aufeinander los.

Buscemi und Shea Whigham spielen diese Entladung von aufgestautem Hass und gleichzeitig Verzweiflung und Enttäuschung grandios. Nur dank Margarets Eingreifen mit einer Schrotflinte (die übrigens nicht geladen ist) hat der Kampf keine tödlichen Konsequenzen. Und doch tötet Eli seinen Bruder in meinen Augen, wenn auch nur symbolisch: Etwas später, als er betrunken in seiner Garage sitzt, kommt George vorbei, um Besorgnis wegen der gemeinsamen Sache zu äußern, in der sie stecken. Mehr durch Trunkenheit und Zufall schlägt Eli auf George ein und verletzt ihn schwer, um anschließend seinen Kopf zu Brei zu schlagen – mit demselben Gesichtsausdruck wie während des Kampfes mit seinem Bruder, als er auf Nucky lag. Im Grunde ist es Nucky, den er zu Brei schlägt.

Die Beziehung zwischen Jimmy und Richard hat eine ganz andere Grundlage. Sie ist tatsächlich eine Bindung im positiven Sinne, denn Jimmy ist für Richard der Strohhalm, der ihn am Leben hält. „Richard: Would you fight for me?“ „Jimmy: Of course I would. Right down to the last bullet.“ Diese Konversation ereignet sich erst gegen Ende der Episode, aber sie bietet Richard eine Gewissheit, die er braucht, um am Leben zu bleiben und – ironischerweise – den Job für Jimmy zu machen.

Im Vergleich zu anderen Episoden verbringt Gimcrack & Bunkum eine Menge Zeit mit Richard. Die stille Erzählung um ihn herum bildet sozusagen ein Gegengewicht zu dem gesprächs- und gewaltlastigen Rest. Wir beobachten Richard, der, nachdem er in seinem Buch geblättert hat, einen Ausflug in die Wälder unternimmt, letztendlich um dort zu sterben. Nicht so sehr von der Kameraarbeit her, sondern atmosphärisch wirken die Bilder in den Wäldern surreal. Zuerst wird Richard bei seinem Selbstmordversuch von einem streunenden Hund abgelenkt, der seine bei Seite gelegte Maske ins Maul nimmt und wegläuft.

Als Richard ihm folgt, begegnet er zwei Unbekannten, die am Lagerfeuer sitzen und eine Menge gehäutete Eichhörnchen zum Essen haben. Sind es zwei freundliche Jäger – oder einfach eine Verkörperung der Erinnerung, dass es immer etwas gibt, wofür sich es lohnt zu leben, dass es jemanden gibt, für den es sich lohnt zu kämpfen? So wie der alte streunende Hund mit den Narben im Gesicht, von dem sie sagen, er kämpfe immer noch… „These woods are for living.“ Das erinnert Richard daran, dass es in seinem Leben eine solche Beziehung gibt: die zu Jimmy. Die einzige Frage ist: Meinte Jimmy seine Antwort ehrlich?

Die Episode endet mit einem monströsen Akt, der zum Tode führt: Jimmy und Richard skalpieren den alten Mann im Rollstuhl, der früher in der Episode Jimmy ins Gesicht schlug.

Eine weitere Leiche am Memorial Day – und sie wird nicht die letzte sein im Kampf um Atlantic City.

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