Boardwalk Empire: Home (1×07)

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Home ist eine Erzählung über Monster, Erinnerungen und die Narben, die sie hinterlassen haben. Erinnerungen sind hartnäckig. Sie neigen dazu, immer wieder aufzutauchen und unser Handeln zu beeinflussen, auch dann, wenn wir eigentlich nur vergessen wollen. Die Männer in Boardwalk Empire tragen ihre Erinnerungen als sicht- und unsichtbare Narben mit sich. Die Episode beschäftigt sich vor allem mit Nuckys (Steve Buscemi) Kindheitserinnerungen und mit Jimmys Erinnerungen an die Kriegszeit: die Zeit, die aus ihm ein Monster machte.

Als er wegen der Schmerzen in seinem kriegsverletzten Bein ins Krankenhaus geht, trifft er auf ein… “Monster”: Pünktlich zu Halloween weckt die HBO-Serie Dr.-Jekyll-Metaphern. Richard Harrow heißt der Mann, mit dem sich Jimmy (Michael Pitt) im Krankenhaus anfreundet. Die Hälfte seines Gesichts wurde weggeschossen – er muss eine Metallmaske tragen, um das Loch zu verbergen.

Diese Maske hat eine doppelte Funktion: Sie verbirgt zwar, was darunter ist, aber gleichzeitig macht sie darauf aufmerksam, dass da einfach nichts ist, eine gähnende Leere, wie in den Seelen der beiden Ex-Soldaten Jimmy und Richard. Beide haben kein Zuhause, nur die Leere in sich. Als Jimmy Richard ins Bordell mitnimmt, fragt dieser: „You live here?“

Am Ende der Episode versäumt es Boardwalk Empire nicht, einen weiteren Figuren-Monolog anzubieten. Diesmal wieder von Jimmy, der in einem Cafe auf den Mann trifft, der Pearl verunstaltete und sie so in den Selbstmord trieb. Jimmy erzählt eine grausame Geschichte aus dem Krieg, deren Pointe darin liegt, dass Leben schlimmer als Sterben sein kann.

Er lässt den Mann am Leben, aber nur für ein paar Sekunden: dann erfolgt ein Schuss, der ihn direkt unters Auge trifft. Genau wie in einer anderen Erzählung, nämlich Richards, der im Krieg Scharfschütze war. Wir sehen ihn im gegenüber liegenden Haus sein Gewehr wieder einpacken. Boardwalk Empire-Ironie: Der Mann mit dem verunstalteten Gesicht tötet den Mann, der das Gesicht eines anderen Menschen verunstaltete.

Es erklingt die Toccata und Fuge in d-moll, und die Bilder wechseln zu einer Kinovorführung des Stummfilms “Dr. Jekyll und Mr. Hyde”. Lucy sitzt allein im Kino. Auch sie musste erfahren, dass Nucky eine Maske trägt und akzeptieren, dass sie nie erfahren wird, was dahinter steckt: Sie glaubte es zu wissen – aber die Story mit Margaret (Kelly MacDonald) überzeugt sie vom Gegenteil.

Folgerichtig erzählt Nucky die Geschichte dahinter Margaret. Er erzählt von traumatischen Erinnerungen an Zuhause und von seinem Vater, den wir zu sehen bekommen. Margaret blockt zuerst ab: „Sometimes it’s best to leave the past where it is.“ Doch dann hört sie doch zu.

Nuckys Vater wohnt allein im alten Familienhaus, fällt und bricht sich das Bein. Die Parallelen zu Jimmys Beinbeschwerden in Chicago sind offensichtlich. Nucky beschließt, das alte Haus einem Freund zu schenken, da der Vater dort nicht mehr allein wohnen kann. Er bietet so der Familie einen Neustart. Aber nachdem das Haus renoviert, neu gestrichen und gereinigt wurde, liegen auch Nuckys Wunden wieder offen an der Oberfläche – gemeinsam mit den traumatischen Erinnerungen. Am Ende brennt er in einer wunderschön gefilmten Szene das Haus nieder.

In Flammen droht auch sein Geschäft bald aufzugehen, denn die Feinde – Luciano und die D’Alessio-Brüder – schlafen nicht und schließen sich zusammen, um ihm einen vernichtenden Schlag zu verpassen. Auf wessen Seite sich Chalky White (Michael K. Williams) stellen wird, gehört zu den Fragen, die entscheidend für die Auseinandersetzung sein könnten.

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