Boardwalk Empire: Paris Green (1×11)

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Paris Green ist um drei unterschiedliche Szenarien aufgebaut, deren Vorbereitung wir in den letzten Wochen verfolgen durften. Es handelt sich erstens um Nuckys (Steve Buscemi) Beziehung zu seinem Bruder Eli, zweitens zu Margaret Schröder (Kelly MacDonald) – und den dritten Schwerpunkt bildet Agent Van Aldens (Michael Shannon) Ausbruch als selbst geglaubter Träger der Botschaft Gottes, alle Sünder zu bestrafen (in diesem Fall den Agenten Sebso). Diese drei Konstellationen stehen im Vordergrund der Episode, während Jimmys Story ihren Hintergrund bildet. Ich persönlich glaube, dass Boardwalk Empire, während wir uns auf den Vordergrund konzentrieren, die zweite Staffel vorbereitet: sei es der Handlungsstrang um Jimmy oder die New York-Chicago-Mafia-Machenschaften.

Kehren wir zurück zu den erwähnten drei Szenarien: Zwei davon funktionieren sehr gut, während die dritte für mich ein wenig über die Stränge schlägt. Nucky macht in Paris Green kurzerhand Schluss mit seinem Bruder – und in gewissem Sinne auch mit Margaret bzw. sie mit ihm. Jeder fühlt sich in dieser Episode von jedem betrogen und reagiert darauf mit Zorn, hinter dem sich Enttäuschung und Verbitterung verbergen.

Margarets Unzufriedenheit mit ihrer Situation kocht hoch, als die mit ihr befreundete Konkubine Harry Price verlässt, da er pleite ist: Margaret bekommt mit, dass sie von Nucky Geld erbettelt, nicht ohne ihm sexuelle Dienste als Gegenleistung zu versprechen. „Deception requires complicity“, lauten Hardeens Worte am Anfang der Episode… Ja, wir bekommen endlich Houdinis Bruder zu sehen und auch seine magischen Tricks, die Margaret begeistern. Aber diese Worte erinnern sie an ihren eigenen Weg… Was folgt, ist ein hitziges Wortgefecht zwischen Nucky und Margaret, in dem beide sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Margaret und die Kinder verlassen dann das Haus – aber ich schätze, dass wir sie bald wieder sehen werden.

Sowohl Nucky als auch Eli setzen Houdinis Bruder in ihrem Streit als Metapher ein. Eli ist wütend wegen Nuckys Geschichte mit Margaret, die ihn alles kosten könnte, falls Margaret redet. Nucky leugnet zwar, ein Gangster und Mörder zu sein, aber das akzeptiert Eli nicht: Seiner Ansicht nach macht es keinen Unterschied, ob man Andere alles ausführen lässt oder es selbst tut. Um es mit Hardeens Worten auszudrücken, die Eli benutzt: „The principle is the same.“

Doch auch Nucky hat eine “magische” Antwort parat. Er findet es schade, dass Eli Hardeens Kunst nicht erlebt hat: „It’s an entertaining act, but if he wasn’t Houdini’s brother, nobody’d give a fuck.“ Kurze Zeit später entlässt er seinen Bruder vor versammelter Mannschaft aus dem Sheriff-Posten. In der Zwischenzeit muss Jimmy (Michael Pitt) zu seinem Vater, dem Commodore, der auf dem Sterbebett liegt; dort erfährt er noch mehr über Atlantic Citys Vorgeschichte – und seine eigene, was ihn zum Kotzen bringt, buchstäblich.

Oder waren es das Essen und das Trinken beim Commodore? Es stellt sich heraus, dass ihn jemand kontinuierlich mit Arsen vergiftet hat. Die Marke: Green Paris! Anscheinend steckt Jimmys Mutter Gillian dahinter, die damals mit dreizehn Jahren von Nucky zum Commodore gebracht wurde.

Der Titel der Episode taucht in jedem Episoden-Plot in abgewandelter Form auf: als Bezeichnung eines Produkts in der Erzählung über Jimmys Eltern, als Name der Freiheit, die sich Angela wünscht – sie will mit dem Kind und ihrer Freundin nach Paris fliehen – und als Farbe: Grün. Genauer: die Farbe des Flusses, in dem Agent Sebso stirbt. Er versucht vergeblich, Van Alden von seiner Aufrichtigkeit zu überzeugen. Alden vertraut ihm nicht und hinterfragt ihn ständig. Als Sebso, mit Nuckys Hilfe, Alden zu einer illegalen Lieferung führen will, um sich als Agent zu beweisen, stoßen sie in den Wäldern auf eine Gruppe Afro-Amerikaner, die am Fluss gerade ein baptistisches Reinigungs-Ritual durchführen.

Nach kurzer Diskussion zwischen Van Alden und dem Pfarrer gehen sie – aber nur, um wiederzukommen: und Van Alden fordert Sebso auf, sich rein waschen zu lassen. „Take me to the water“… zu dem grünen Fluss! Auf brutale Art und Weise führt Alden das Ritual vor aller Augen durch und will Sebso zum Bekennen seiner Sünden zwingen. Sebso ertrinkt.

Einerseits ist es logisch, dass tiefgründiger Wahnsinn die Antwort auf die Machenschaften gibt, die vor sich gehen. Aber – ob die Autoren Van Aldens religiösen Fanatismus nicht etwas zu weit führen? Die drei Variationen des Episodentitels sind eigentlich Erzählungen über das Streben nach Befreiung: und alle drei scheitern. Die letzte Aufnahme zeigt uns die Atlantic-City-Promenade, getaucht in glitzerndes Versprechen. Was die Zukunft verspricht? Glamour oder Leichen, die auf dem grünen Fluss davon schwimmen?

Nucky Thompson will es wissen und besucht die Wahrsagerin Lady Jean. Kann sie ihm die Antworten geben, nach denen er sucht?

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