Boardwalk Empire: The Emerald City (1×10)

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„You have power you do not suspect“, sagte in Belle Femme Madame Jeunet. Margaret Schroeder (Kelly MacDonald) erzeugt in den Zuschauern das Gefühl, sich zwischen den Zeichen dieses Satzes verloren zu haben. Langsam wird sich Margaret der Tatsache bewusst, die Frau eines Gangsters zu sein. Ihre Position geht mit bestimmten Privilegien einher, fordert ihr aber in manchen Situationen ab, die Margaret von dem Foto Van Aldens im Hintergrund zu lassen, um für ihren Mann da zu sein.

In The Emerald City beschäftigt sich Boardwalk Empire sehr intensiv mit Margaret und der Frage danach, wer man eigentlich ist. Ist unsere Reflexion im Spiegel ein Spiegelbild – oder erinnert es uns daran, dass wir früher einmal andere Menschen waren? Kommt irgendwann der Zeitpunkt, da wir vergessen, wer diese Person im Spiegel war, wie sie war? So wie Richard Harrow, der Maskenmann, Margaret erzählt, dass er sich nicht mehr daran erinnern kann, wer er war?

Harrow fungiert auf Nuckys (Steve Buscemi) Anordnung hin als eine Art Bodyguard für Margaret und die Kinder und lebt im selben Haus. Seine Präsenz wirkt zunächst erschreckend auf Margaret und die Kinder, aber dank einem Märchen können sich die Kinder – und sogar Margaret selbst – ein Bild von Richard machen, das die entsetzliche Leere in seinem Gesicht und die sie verbergende Maske überlappt. Als Margaret den Kindern Den Zauberer von Oz vorliest, sagt Richard, er sei der Blechmann (The Tin Woodman). In The Emerald City geht es genau darum: zu entscheiden, wer man ist.

Boardwalk Empire zeigt am Beispiel von Margaret, dass sich Personen ändern, aber wirft gleichzeitig die Frage danach auf, ob diese Veränderung Gutes bedeutet. Sehr bezeichnend dafür sind die letzten Sekunden vor dem Abspann, als die Kamera uns Margaret zeigt, die sich im Spiegel betrachtet: Sie ist die Frau eines Gangsters geworden und unterstützt Nucky, auch wenn sie dafür ihre eigene Einstellung verraten muss.

Nucky selbst ist spätestens mit dieser Episode ein Gangster mitten in einem Gangsterkrieg. Aber als er Zeuge von Jimmys und Chalkys (Michael K. Williams) Morden an Rothsteins Leuten wird, sieht man an seinem Gesichtsausdruck, dass ihn diese Entwicklung nicht unbedingt glücklich macht. Jimmy hat sich früher für Literatur, Malerei etc. interessiert; nun ist er ein Gangster, der den Fotografen – von dem er denkt, er sei der Liebhaber seiner Frau – brutal zusammenschlägt und später einen von Rothsteins Leuten in den Kopf schießt… als Abschluss eines Witzes:

„You going to shoot me for mouthing off?“

„Well, I wasn’t going to, but you kinda talked me into it.“

Van Alden trinkt aus Frustration über die Unmöglichkeit, Nucky zu überführen, ein Glas Whisky nach dem anderen und geht ausgerechnet mit Lucy Danziger ins Bett. In der Zwischenzeit realisiert Capone, dass der Punkt gekommen ist, sein Verhalten zu ändern: erwachsen zu werden und das Geschäft ernst zu nehmen. Nach dieser Episode bekommt man das Gefühl, dass alle Entwicklungen, die die Figuren durchlaufen, sie unausweichlich immer schneller und immer näher zu einander bringen, bis es zu einer Explosion kommt .

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