Fringe: Brave New World – Part 2 (4×22)

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Where is Peter? Auf diese Frage kommt mit dem Finale die Antwort. Sie lautet: Bei Olivia. Es ist keine überraschende Antwort, aber dafür eine höchst zufrieden stellende. Denn wir haben schon oft darüber gesprochen, dass Finge unter anderem eine Liebesgeschichte ist, eine Geschichte über das Suchen und Finden, eine Geschichte  über die Welt als Ereignis, welches man aus dem Blickwinkel der “Zwei” erlebt. Und so bekommen wir Olivia und Peter zu sehen, Hand in Hand ins kalte Wasser springen. Dieser Sprung ist aber keiner ins Ungewisse. Sie können ihn nur zusammen vollbringen, denn nur zusammen ist ihre Wahrnehmung dieser Welte(n) vollständig. Peter “schwingt” mit der Frequenz der roten Welt und Olivia der blauen. Man könnte sagen, dass hier Peter Olivia (“the power”) navigiert. Jetzt, wo die Brücke zwischen den Welten nicht mehr existiert, ist Olivia die Brücke. Sie ist die einzige, die ohne   zusätzliche Hilfsmittel überqueren kann und diejenige, die auch alles zerstören kann. Wir erfahren, dass Olivia Bells “power source” ist. You had the power all along my dear, lauten die Worte von Glinda the Good Witch aus The Wizard of Oz. Hier kommen sie aus Nina Sharps Mund.

Auf mehreren metaphorischen Ebenen kann man die Fringe-Erzählung lesen, wenn man Lust dazu hat. Fringe navigiert uns Zuschauer durch die unterschiedlichen Windungen der eigenen Erzählung und deren Positionierung innerhalb anderer medialer Erzählungen und gleichzeitig führt die Serie ihre Figuren zu sich selbst. Für dieses Durchs-Leben-Navigieren braucht man Orientierungspunkte, wie zum Beispiel Familie und Freunde. Es ging bei Finge nie darum, uns große Erkenntnisse über “Gott und die Welt” zu präsentieren, sondern uns die Schönheit von Vorhandenem aufzuzeigen, unsere Sicht auf die Welt zu navigieren.

In der berüchtigten LSD-Episode sah man Bell und Walter an Bord eines Zeppelins, wo Bell Folgendes sagte: We should circumnavigate the currents.

Die beiden sind jetzt an Bord eines Schiffes und Bell ist bereit, die Welt in den Zerfall und dadurch in die Auferstehung als eine seiner Meinung nach bessere zu navigieren. Obwohl er versucht seinen alten Freund und Weggefährten für diesen extremen Schritt zu begeistern, steuert Walter gegen die von Bell gewählte Richtung. Dabei, wie wir erfahren, gehörte die Idee mit der Geburt einer neuen Welt aus der Katastrophe der vorhandenen erschreckenderweise Walter selbst. Um sich von dieser Vision zu befreien, ließ Walter Teile seines Gehirns entfernen. Aber bevor wir uns der Auseinandersetzung zwischen den beiden “mad scientists”, Bell und Bishop, widmen, kommt ein anderes “Fringe-Event”, nämlich Jessica Holt. Sie gehört zu den Figuren, die nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Wie es sich erweist, hilft sie Bell und sorgt dafür, dass Olivia auf Hochtouren kommt, um September zu retten. Dieser ist auf einem Stück Fußboden gefangen, dank den runischen Zeichen, die Jessica dort platziert hat. Wenn ich mich nicht täsuche, ist es eine neue Erkenntnis, dass Observer mit “übernatürlichen” Mitteln bekämpft werden können? Ganz abgesehen davon, wie man diese Information werten will, ist sie hier Mittel zum Zweck. Als Jessica mit einer Spezialwaffe (Bells Kreation) September trotz seiner Schnelligkeit trifft, ist Olivia gefragt, um die nächsten Kugeln abzufangen. Nicht nur stoppt sie diese, sondern befördert sie zurück zum Absender, zu Jessica. An diesem Punkt muss man nicht nur bezüglich dieser Szene, sondern auch der Serie selbst, an den geflügelten Satz aus Lacans Schriften denken – “Der Brief erreicht immer seinen Bestimmungsort”!

Für Jessica endet das Übersenden von Botschaften mit ihrem Tod nicht. Sie wird “befragt”, so wie im Piloten damals Nina Sharp die “Befragung” von Olivias totem Partner befahl. Jessicas Aufwachen kann man definitiv als ein Fringe-Event bezeichnen: Das Überlappen der zwei Stimmen und die sich in unterschiedliche Richtungen drehenden Augen hatten es in sich! Viel wichtiger noch ist ihre “Kindheitserzählung”: “My bicycle is blue and it has a little chimey bell!” Während Peter, Olivia und Nina weiterhin aus Jessica herauszubekommen versuchen, wo Bell ist, richtet sich dieser Satz an uns Zuschauer. Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Fringe die treuen Zuschauer in die Erzählung miteinbezieht: Die Farbe Blau und die Klingel, wobei “bell” natürlich uns direkt zu William Bell und seiner Glocke führt. Wenn der Postmann zweimal klingelt…

In Fringe gibt es immer ein zweites Mal, sei es eine zweite Chance, sei es ein Doppelgänger, sei es ein zweites Universum oder aber das wiederholte Läuten der Glocke. Zu diesem kommen wir, nachdem Olivia und Peter es an Bord schaffen und Walter zu einer Verzweiflungstat gezwungen wirdt. Er nimmt den Luger aus Bells Vitrine und schießt … Olivia in den Kopf. Wird damit Walter zu Mister X? Im Grunde “bricht” damit Walter Bells Gotteshand die Finger. Im Vergleich zu den etlichen “mad scientists”, mit welchen uns Fringe im Laufe der Zeit konfrontierte, ist Bell keiner, der aus Liebe oder aus dem Streben nach Liebe handelt. Er sieht sich über die Liebe erhaben.

Es fällt auf, dass im ersten Teil des Finales Walter von der Uhr seines Onkels Heinrich erzählte, jetzt den Luger benutzt und der Glyph in dieser Episode “PURGE” lautet. Außerdem gab es im Nazi-Deutschland auch eine Glocke, eine Geheimwaffe. Vermutlich beziehen sich diese kleinen Hinweise auf das Eintreffen der Observer…

Diejenigen, die die Sache mit dem Zitronenkuchen als ein Vorwegnehmen kommender Ereignisse sahen, werden in dieser Vermutung bestätigt. Nachdem Walter Olivia erschießt, schafft sie die Auferstehung aus eigener Kraft bzw. dank dem Cortexiphan.

Am Ende überstürzen sich die Ereignisse: Bell fleiht mit Hilfe der Glocke, Olivia lebt wieder und sie ist so gut wie Cortexiphan frei und schwanger, Peter hat ein Haus für die beiden gefunden und die Fringe Divison bekommt von der Regierung alles was der frisch gebackene General Broyles’ Herz begehrt.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Fringe-Autoren doch für ein mögliches Ende bereit waren. Trotzdem fehlt nicht der Cliffhanger, als September in Walters Labor auftaucht, um eine Warnung auszusprechen.

Werden wir in der fünften Staffel einen Zeitsprung erleben? War Olivias Tod der Tod, von dem September sprach? Werden wir die rote Welt wiedersehen? Wo ist William Bell? Fragen über Fragen in einem Fringe-Universum, wo es auf jede Frage zwei Antworten gibt…

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6 responses »

  1. Danke für das großartige Review!
    Buchstäblich atemberaubende Folge. Fast schon ein bisschen zu hoch, um sie zu fassen. Mit dem Ende verlockt uns Fringe wieder in die Illusion zu wissen wie es weiter geht. Olivia ist schwanger. Das führt laut September in “The End of all Things” zu der Zukunft, die die Observer wollten. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es die ist, die wir in “Letters of Transit” sahen. Und ob es wirklich die Observer sind, die kommen? Wir werden am 28. September – (Observer) wie ironisch – herausfinden.
    Ich bin sehr gepannt auf die finale Staffel und deine Reviews!!!

  2. Hallo Leute,

    Als Leser bin ich hier schon länger aktiv, nun will auch mal meinen Senf zu Fringe geben. Ich war von der Serie seit Anbeginn enorm fasziniert. Die ersten drei Staffeln zählen zum Besten was ich jemals in einer TV-Serie gesehen habe – innovativ, unvorhersehbar, gefühlsstark, mit allerlei Mehrdeutigkeiten eingestreut und natürlich grossartig vorgetragen von allen Akteuren.

    Zu meinem Bedauern ist meine Euphorie nach dem Konsum der 4. Staffel etwas geschwächt. Meiner Meinung nach war es ein grosser Fehler der Autoren Peter am Ende der 3. Staffel aus der Zeitlinie zu streichen nur um ihn wieder mit einer abstrusen, esoterisch geladenen „ Wahre Liebe überwindet Raum und Zeit“-Floskel wieder einzubauen. Bei aller Offenheit gegenüber Mysterie-Themen..das war einfach unkreativ (auf-)gelöst.

    Ich kann mir bei der Genialität von Walter Bishop nicht erklären, dass der eine Maschine ersinnt, die Peter zurückschickt bzw. ihn in die Zukunft blicken lässt, diesen aber anschliessend auslöscht. Denn er hat ihn ja schon einmal verloren. Interessant wäre gewesen mit Walter ins Jahr 1985 zu reisen um den Tod des hiesigen Peter`s zu verhindern. Hätte sich dann dieser Peter mit unserer Olivia Baby Etta und unser Peter mit Bolivia Baby Henry gezeugt.?

    Etta und Henry versus Observer?

    Ich vermute,die Autoren hatten einfach keine rationale, wissenschaftstheoretische Antwort ( denn genau das war stets die Stärke von Fringe) zur Hand um dieses Dilemma zu klären. Auch wie bei Olivia die Erinnerungen aus der ursprünglichen Zeitlinie die alternativen Erlebnisse ohne Peter Bishop überschreiben…naja ok, mit irgendeinem Clou musste ja die Peter/Olivia Liebesbeziehung wieder aufgenommen und somit Peter`s Verlangen in seine eigene Zeitlinie zurückzukehren gekappt werden. Das kann ich schon nachvollziehen und es ist auch spannend anzuschauen. Es bleibt aber ein fahler Beigeschmack.

    Darüber hinaus wurden William Bell und David Robert Jones offensichtlich zu früh aus dem Verkehr gezogen und man hatte für die 4. Staffel keine Masterminds mehr als Gegenspieler parat.

    Wie löst man diese Problematik?

    Mit einer neuen Zeitlinie. Etwas zu entlarvend.

    Es fehlte der Mut einen neuen Strippenzieher aufzubauen, obschon das in 22 Episoden bestimmt möglich gewesen wäre. Stattessen wurde mit Füll-Episoden und der Peter-Rückkehr und seine komplexe Beziehung zu Olivia zu lange herumoperiert.

    Generell drängt sich mir jetzt aber der Gedanke auf, dass die Autoren nie echte Antworten parat hatten, auf Fragen und Charaktere, welche sich durch die ersten 3 Staffeln zogen. Da wäre zum Beispiel Olivia`s bösartiger Stiefvater ( war er Mr. X im Zeppelin in 3*19 LSD?) der Ihr jährlich eine Geburtstagskarte schickt, um Sie wissen zu lassen, dass er da draussen lauert. Hätten die Verantwortlichen diesen Ansatz vertiefter angepackt, es wäre als Kontrast zu den Ermittlungen des Übernatürlichen (Freaks der Woche, Gestaltwandler, Cortexiphan-Kinder, Beobachter, das rote Universum, die ersten Menschen, Doomsday Maschine, William Bell, David Robert Jones) bestimmt ein sehenswerter Drama-Story-Ast geworden, welcher sich mit den psychosozialen Beziehungen befasst. Dasselbe gilt für die Peter/Bolivia/Henry-Situation. Eine Konstellation mit emotionalem Sprengstoff, die zu früh wieder gelöscht wurde – buchstäblich.

    Auch Herkunft und Bestimmung des kahlköpfigen Junge in S1e15 „Ohne Worte“ blieib ungeklärt. Hier hoffe ich allerdings noch auf die 5. Staffel. Auch über die genaue Funktionsweise der zwei Versionen von Gestaltwandlern, stehe ich noch grösstenteils im Dunkeln. Man sieht sie zwar mal in Wassertanks, mehr aber auch nicht.

    Wo werden sie gefertigt?

    Wer liefert die Blaupausen? (Walternativ? William Bell? David Robert Jones? Nina Sharp?)

  3. Gibt es eigentlich auch Reviews der 3. Staffel? Die gehörten nämlich zusammen mit der Folge an sich immer zum Höhepunkt meiner Woche…

  4. Hi wann kommt die 5. Staffel 🙂

    Deine Reviews sind super, seit du weg bist von SJ, schau ich nur noch hier.

    mach weiter so.

    Grüße aus Hamburg

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