Shattered: Review der Pilotenepisode (1×01)

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Ist Shattered eine Bereicherung für das Cop-Genre? Die kanadische Produktion wartet mit einer ungewöhnlichen Prämisse auf. 

Anfang des neuen Jahrhunderts kamen die Fernsehsender auf den Procedural-Geschmack, denn Cops, Anwälte und Ärzte schienen Woche für Woche gutes Geld für die Sender einzufahren. Dann wurde das Feld des „Berufsprocedurals“ überbevölkert, und die Fernsehverantwortlichen setzten nach und nach mehr auf serialisierte Handlungselemente in den Procedurals. Es blieb aber die Frage, was man mit den Helden anstellt, damit sie interessant bleiben und sich von der Masse der Kollegen, der anderen Serien-Anwälte, -Cops und -Ärzte, abheben? Was soll ihre Geschichte sein? Die harten Cops der alten Schule, die ziemlich geradeaus zu handeln wussten, machten Platz für die so genannten „troubled detectives“, die von Korruption über Alkohol bis zu Ex-Frauen die komplette Palette der dunklen Emotionen ausspielten.

Die nächste Stufe brachte die Cops mit den übernatürlichen Kräften, die mit Toten sprechen, selbst übernatürliche Wesen sind oder andere ungewöhnliche Methoden anwenden, um Fälle zu lösen. Die kanadische Serie „Shattered“ setzt einen drauf: Die Hauptfigur Detectiv Ben Sullivan (Callum Keith Rennie) leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung (im Volksmund auch multiple Persönlichkeitsstörung genannt). An sich ist das eine sehr interessante Prämisse, die zu einer spannenden Serie jenseits der Grenzen des normalen Cop-Procedurals führen könnte.

Aber nur, wenn die Umsetzung stimmt. Wir erfahren im Piloten zu „Shattered“, dass Bens Krankheit nicht erst jetzt entstanden ist, und seine Frau die einzige ist, die darüber Bescheid weiß. Natürlich macht sie sich Sorgen, warum Bens Probleme jetzt wieder auftreten. Wodurch die Wiederkehr ausgelöst wird, bleibt unklar. Uns wird nur angedeutet, dass Bens Probleme mit seinem Sohn zu tun haben, der allem Anschein nach gestorben ist. Callum Keith Rennie macht seine Sache gut und überspielt diesen Wechsel zwischen den Identitäten nicht. Die Frage bei dieser Serienprämisse ist natürlich, wie der Protagonist mit dem Problem umgeht und wie die anderen Figuren darauf reagieren.

Vielleicht aus diesem Grund konzentriert sich der Pilot mehr auf die Beziehung zwischen Ben und seiner neuen Partnerin Amy Lynch (Camille Sullivan), die beim ersten gemeinsamen Einsatz einen unbewaffneten Menschen erschießt. Bens anderes Ich bringt sie dazu, da es ihr den Befehl zum Schießen erteilt – und dann muss Ben selbst die Sache kaschieren. Natürlich ist es schwer zu verstehen, warum Amy seine Handlungen und Aussetzer, welche wir mehrfach zu sehen bekommen, nicht hinterfragt. Aber da sie selbst als im persönlichen Bereich problembehaftet dargestellt wird, ist ihre Inkonsequenz akzeptierbar.

Dazu kommt eine Serien von grausamen Morden und man kann wieder klischeehaft die Aussage treffen: Die dunkle kanadische Seele. Wie so typisch bei kanadischen Serien (siehe „Durham County“) ist „dunkel“ das Wort, das am besten die Atmosphäre und die Stimmung beschreibt.

Ich denke, wer „Durham County“ gemocht hat, würde vielleicht auch an „Shattered“ Gefallen finden.

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