Whitechapel: Episode 3 (3×03)

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Während sich Miles als frisch gebackener Vater feiern lässt, finden sich in Londons Straßen Überreste einer grausamen Tat. Im Laufe der Ermittlungen trifft Chandler auf eine Kollegin, die ihn an jemanden erinnert. 

Mit dem zweiten Fall der neuen Staffel begibt sich Whitechapel erneut in die dunklen Abgründe menschlichen Seins. Körperteile werden gefunden, die auf eine Vergiftung der Opfer hinweisen, bevor die Körper zerstückelt wurden. Und Vergiftung ist in diesem Fall nicht als „schonende“ Vorgehensweise zu betrachten: Das benutzte Gift ließ die Betroffenen (ausschließlich Frauen) unter buchstäblichen Höllenqualen sterben. Sie müssen sich gefühlt haben, als würden sie von innen verbrennen, sagt die Gerichtsmedizinerin zu Chandler (Rupert Penry Jones) und Miles (Phil Daves).

Die einzige Spur führt zu einem… Fuchs: Der nämlich hatte seinerseits einen Arm aufgespürt… Aus der Fuchsperspektive bekommen wir anfangs Whitechapels Straßen zu sehen, während Joe und der Rest des Teams Miles’ Tochter feiern: Einige Monate sind seit dem letzten Fall verstrichen. Aber Whitechapel lehrt uns, dass Zeit hinsichtlich menschlicher Grausamkeit irrelevant ist. Was schon einmal geschehen ist, geschieht wieder und wird wieder geschehen. Buchan kann denn auch zwei Verbindungen zu früheren Fällen herstellen. Seinen Arbeitsplatz besuchen wir in dieser Episode häufiger – und kann man schon dort kaum mehr den Fuß hineinsetzen, ohne in Kartons festzustecken, so führt der Fuchs die Ermittler zu einem alten Haus, das die ungebetenen Besucher unter Kisten und alten Gegenständen förmlich begräbt.

Die Besitzerin, die wie ein mittelalterliches Gespenst erscheint, leugnet die Morde. Sie ist nur daran interessiert, zu sammeln, Sachen zu behalten, zu bewahren – die Leiche ihres an Krebs verstorbenen Ehemannes inklusive. Die Episode präsentiert einen interessanten Kontrast zwischen dem unheimlichen, vollgestopften und mit Fallstricken versehenen Haus, wo die Ermittler einen Großteil der Episode verbringen, und Buchans (Steve Pemberton) Kellerräumen, dem Polizeiarchiv, wo sich die Kisten und Papierstapel nur so häufen. Dieser Kontrast nämlich erweist sich auf den zweiten Blick als Parallele: Auf der einen Seite steht die scheinbar wahllos gehortete Sammlung als – für uns und die Ermittler – Spur ins Nichts, die nur zu anderen Spuren führt; kein Leser außer der Sammlerin selbst kann sie entziffern.

Das Archiv vermag zwar zu einem Muster zu führen, zu einer Anordnung menschlicher Begehren und den daraus resultierenden Taten – doch auch hierfür bedarf es der geübten Augen eines geeigneten Spuren-Lesers, der das Material gesichtet und angeordnet hat und die benötigten Akten allererst (wieder)findet. Whitechapels Suche kann man als klassisches Whodunnit bezeichnen: Es wird nach dem „Wer“ gesucht. Aber was Whitechapel besonders macht, ist die Tatsache, dass das „Whodunnit“ stets mit einem „Whoareyou“ verknüpft wird: Gesucht werden auch die Suchenden selbst, auf einer persönlichen Ebene. Diese zweite Doppelepisode führt eine weitere Frau als potentielles „love interest“ für Joe ein. Im Vergleich zu Lizzie, der aufdringlichen, etwas schlampigen Laborantin, deren Wohnung Chandler einen Schock versetzte, ist DI Mina Norroy (Camilla Power) eine gleichrangige Kollegin: Nicht nur steht sie in der Polizeihierarchie auf derselben Ebene wie Chandler, sondern sie ist ihm auch im Persönlichen ähnlich.

Die extremen Close-Ups von ihren Händen, die minutiös Dinge handhaben und anordnen, und das Sprachspiel („Maybe we have a match“), verbunden mit Miles’ breitem Grinsen, lassen eine Möglichkeit ahnen… Es kommt im Laufe der Episode sogar dazu, dass beide zusammen etwas trinken gehen, während Miles Probleme mit dem Wachbleiben hat. Sein ständiges Einschlafen während der Arbeit treibt Joe in den Wahnsinn. Nur: angesichts des nächsten Fundes bleibt ihm wenig Zeit, darüber nachzudenken. Wie schon bei der Verfolgung des Fuchses auf Londons nächtlichen Straßen steht Joe Chandler an der Spitze einer Jagdgesellschaft – und wieder scheint ihm eine Lady zur Seite zu stehen, obwohl die Jagd doch eigentlich traditioneller Lieblingssport der Gentlemen ist…

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