Whitechapel: Review der zweiten Staffel

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Joseph Chandler und sein Team leiden nicht nur unter dem ihnen angehängten Versagen im Ripper-Fall, sondern auch unter der Langeweile des Polizeialltags ohne spektakuläre Fälle. Aber nicht mehr lange. Die Frage ist nur, wie hoch der Preis ist, den man dafür bezahlt, der Gefahr hinterher jagen zu dürfen…

Someone is recreating the Krays’ crimes. It’s not about pretence or an act. It’s about being… A KRAY! So lauten die Worte eines gewissen Edward Buchan (Steve Pemberton), den wir in der ersten Staffel der britischen ITV-Produktion Whitechapel als „ripperologist“ kennen lernen durften: als den Mann, der der Polizei im Jack-the-Ripper-Fall dank seiner immensen historischen Kenntnisse eine große Hilfe war. Auch in dieser zweiten Staffel ist er mit von der Partie, genauso wie alle anderen bekannten Figuren. Wieder widmet sich die Erzählung einem Copycat-Fall, der auf historischen Vorfällen beruht, und versucht, Vergangenheit und Gegenwart dramatisch-humorvoll zu verbinden.

Produziert von David Boulter (He Kills Coppers) und Sally Woodward Gentle, versetzt uns die Serie in die sechziger Jahre, als die Kray-Zwillinge ein kriminelles Imperium aufbauten und den Osten von London in Angst und Schrecken versetzten. Es scheint so, als wären Ronnie und Reggie Kray auferstanden, denn die Stadt wird von einer Welle der Gewalt überrollt – und der Name „Kray“ wird lauter und lauter geflüstert! Joseph Chandler, der nach seinem „Versagen“ im Ripper-Fall als Nur-DI bei Miles & Co. bleiben muss und auch will, scheint die Sache ganz gelegen zu kommen. Er hatte sich bei Anderson über das Fehlen interessanter Fälle beschwert („I am inert!“) und von ihm das Versprechen erhalten, dass es bald sehr interessant würde. Aber der Fall könnte zu interessant sein… und damit zu gefährlich? Chandler, Miles – der sich von dem Ripper-Angriff gerade erholt hat -, McCormack und Kent bekommen einen neuen Kollegen namens Finley Mansell, der sich rasch ins Team einfügt, während Fitzgerald auch in dieser Staffel die Rolle des Verräters vorbehalten bleibt.

Eigentlich ist alles beim Alten – nur die Art, wie die Serie den Fall behandelt, hat sich etwas verändert. Und nicht unbedingt in eine positive Richtung. Sowohl die Darstellung der Kray-Zwillinge als auch der Verlauf der Untersuchung hat eine Prise Slapstick mehr abbekommen, als der Serie gut tut – so dass das Ganze an manchen Stellen ins Lächerliche zu kippen droht. Das Gefühl von Mysterium ist nahezu verschwunden und wird durch holprig kreierte politisch-kriminelle Verschwörungen ersetzt, die zu keinem Zeitpunkt Spannung aufkommen lassen. Allerdings gefiel mir die Auflösung am Ende, die mit dem Slapstick-Charakter der Präsentation gut harmoniert und so die Story auf den letzten Drücker abrundet. Was diese zweite Staffel interessant und sehenswert macht, ist weniger der Kray-Fall als die Dynamik zwischen Miles und Chandler (Rupert Penry-Jones).

Schon die erste Szene am Tatort bildet einen bewussten Kontrast zu der entsprechenden aus der ersten Staffel: Beide sind am Tatort, aber dieses Mal ist Miles derjenige, der die Fassung verliert und eine regelrechte Panikattacke erleidet. Nicht nur Chandler, der hartnäckiger und unsicherer als je zuvor an den Fall herangeht, verliert hier immer wieder den Boden unter den Füßen, sondern auch Miles. Denn wir bekommen Einblick in seine persönliche Geschichte, die in direkter Verbindung mit den echten Kray-Brüdern steht. Auf visueller Ebene werden die Erschütterungen im Innenleben der Figuren, die jeden Moment krankhafte Formen annehmen können, von gelblichen Bildern begleitet, die auch bei dem Handlungsstrang um den Chef der Einheit gegen das organisierte Verbrechen zur Anwendung kommen: DCI Cazenove (Peter Serafinowicz).

Die gelbe Farbe, entweder als Gesichtsfärbung oder in Form von unterschiedlichen Gegenständen im Bild (bis hin zur quietschgelben Wand in einer Szene), dominiert die Palette und verleitet dem Ganzen einen beinahe übernatürlichen Charakter, was dem Kray-Fall gut zu Gesicht steht. Chandler und Miles sind dem Spiel streckenweise nicht gewachsen und finden sich im Laufe der Erzählung immer wieder einmal wie der Esel auf dem Parkplatz wieder. Aber wenn Esel eine herausragende Eigenschaft haben, dann ist es Hartnäckigkeit! Trotz aller Erschütterungen scheinen am Ende sowohl Miles als auch Chandler als Charaktere einen Schritt nach vorn gemacht zu haben – und aufeinander zu. Die gelbe Farbe weicht am Ende dem roten Schimmern eines Kaminfeuers, vor dem sich Anderson und Chandler im letzten Bild die Hände schütteln. Aber wer für wen die Hand ins Feuer legen will und wer mit dem Feuer spielt, wird sich in der dritten Staffel zeigen, die auf ITV ausgestrahlt wird und zwei unterschiedliche Fälle in jeweils drei Episoden abhandeln wird.

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