Game of Thrones: A Man Without Honor (2×07)

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A Man Without Honor ist eine ruhige Episode. Hier gibt es mehr zu “lesen” bzw. hören, als zu sehen. Sie ist mehr Buch als Film. Das bedeutet natürlich nicht, es würde an spektakulären Bildern fehlen. Nein, Game of Thrones nimmt sich hier einfach die Zeit, um die Bewegung der Erzählung in die Tiefe gleiten zu lassen, wodurch selbstverständlich der so genannte Handlungsfortschritt verlangsamt wird. Für die Zuschauer, die “nur” an Action interessiert sind, geschieht hier herzlich wenig. Aber ist es wirklich so? In meinen Augen ist A Man Without Honor eine sehr wichtige Episode, da sie die Game of Thrones-Philosophie auf beachtiliche Art und Weise präsentiert. Es ist eine Philosophie der Bewegung, der Verschiebungen. Wir haben schon in mehreren Reviews über die Fragen nach Macht und ihrem Erhalt gesprochen, aber Game of Thrones interessiert sich mehr für die Bewegung, für den Weg zum Ziel und nicht so sehr für das Ziel selbst. Denn wissen die Figuren wirklich, was sie wollen oder besser gefragt: Wissen sie wer sie sind und wo der beste Platz für sie ist?

“Those in the margins often come to control the center, and those in the center make room for them, willingly or otherwise”, sagt Xaro in dieser Episode, als die Qarth-Verschwörung vor Danys Augen auf grausame Art und Weise Gestalt nimmt – eine Warlock-Gestalt. Oder soll man besser Gestalen sagen? Der Warlock ist viele und doch sich selbst. Xaros’ “Selbst” ist, was ihn ins Zentrum der Macht bewegt. Und wir sehen Dany nicht nur an den Menschen um sich herum verzweifeln, sondern auch an sich selbst. Ihr Zustand der Hilflosigkeit korrespondiert direkt mit dem Rezitieren ihres Namens und ihrer Herkunft aus den vorherigen zwei Episoden. Sie sagt, wer sie ist, aber glaubt sie es bzw. ist sie es schon? Dany scheint noch nicht so weit zu sein, um ins Zentrum der Macht zu rücken, wie Xaro es jetzt tut. Auch Theon ist nicht bereit und wird es eigentlich nie sein. Trotzdem macht er weiter. Und wie es aussieht, zahlen Bran und Rinkon den Preis für Theons Verzweiflung über sich selbst und die Situation, in die er sich hineinmanövriert hat. Abgesehen von der Verfolgungjagd in Winterfells Umgebung besteht der Rest der Episode mehr oder weniger aus ruhigen Dialogszenen. Sie sind wie Pinselstriche, die das Bild einer jeden Figur mehr Tiefe verleihen. Aber Tiefe bedeutet nicht immer Kontrast!

In Jons Fall ist es eine genau solche Lektion, dass nicht alles Schnee und Felsen, Weiß und Schwarz ist, sondern auch Grau: “You know nothing, Jon Snow!” Die Wahrheit dieser Aussage wird Jon mit jedem weiteren Schritt und jedem weiteren Blick in Ygrittes Gesicht deutlicher. Zum ersten Mal kommt so direkt die Frage zum Ausdruck, wann frau/man frei ist. Schicksal oder freier Wille? Kann man/frau in dieser Welt, wo jede/r an ein Königshaus oder an einen Eid gebunden ist, frei sein? Muss jemand einem König dienen, weil die eigenen Vorfahren es getan haben? Ygrittes Spielchen mit Jon macht ihn unvorsichtig und führt ihn direkt die Hände von Ygrittes Kameraden. Genauso wie Ygritte Jons innere Konflikte entblößt, balanciert auch Arya auf einem dünnen Seil in ihren Konversationen mit Tywin, der nah dran ist, ihr Geheimnis zu lüften, wenn er es nicht schon getan hat. Sowohl die Szenen “beyond the wall” als auch diese in Harrenhal bedienen nicht nur den Genuß an sprachlichen Feinheiten, sondern liefern uns auch Informationen über die Geschichte dieser Welt – sei es, was das freie Volk betrifft, sei es die Targaryen-Invasion.

Arya und ihre große Schwester Sansa lernen, dass es vielleicht besser ist, niemand zu sein, als wie in Sansas Fall die zukünftige Königin und Ehefrau von Joffrey. Ihr Kindheitstraum, Prinzessin zu sein, wird zum Alptraum. Den Platz, den sie in dieser Welt immer haben wollte, scheint jetzt mit mehr Spitzen übersät als der Eiserne Thron. Sansa hat zum ersten Mal ihre Periode und diese Tatsache versetzt sie in Panik. Ausgerechnet Cersei hat für Sansa beruhigende Worte. Man kann behaupten, dass in dieser Episode die beiden Lannister Geschwister, Cersei und Jaime, ihre Momente der Melancholie, gar Nostalgie haben. Sie blicken zurück in ihre Vergangenheit und stellen mehr oder weniger verbittert fest, dass beide die Menschen sind, die sie sind.

“It’s a good thing I am who I am. I’d have been useless at anything else.” sagt Jaime zu seinem Cousin … bevor er aus dem vertrauensvollen nostalgischen Augenblick einen für den Cousin tödlichen kreiert. Die Gefahr, die von Cersei ausgeht, genauso wie bei Jaime, ist Ergebnis derselben Feststellung nur unter negativem Zeichen. Cersei weiß, wer sie ist und dass ihr Weg für sie gewählt wurde und nicht von ihr selbst. Man kann die Lannister-Familie im Moment als ein Portät malen, auf dem Tywin und Tyrion im Vordergrund (auf Fokus), auf ihren Plätzen, zu sehen sind, während Jaime und Cersei im unscharfen Hintergrund verweilen – unberechnebar und rastlos…

Wird Catelyn, die am Ende der Episode Briennes Schwert fordert, Jaimes Rastlosigkeit ein Ende bereiten?

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