Monthly Archives: June 2012

Sons of Anarchy: To Be Act 2 (4×14)

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Wird Jax einen Schlussstrich ziehen und Charming verlassen? Das hängt nicht zuletzt von Lincolns Plan ab, der eine unerwartete Wendung nehmen muss. 

Wie ich schon letzte Woche angemerkt habe: To be or (Not) To Be, das ist die Frage vor der Jax (Charlie Hunnam) steht. Wohl keiner von uns Zuschauern hat ernsthaft erwartet, dass Jax aus Charming weggeht und als Familienvater eine normale Existenz führt. Aber auch keiner hat mit der Art und Weise gerechnet, wie Jax zu bleiben gezwungen wird. Denn letztendlich – wenn auch ein Teil von ihm es will – fällt Jax’ Entscheidung nicht freiwillig: Er wäre weggegangen, wenn nicht die… CIA wäre. Ja, ihr habt richtig gelesen.

Das SoA-Finale will uns nicht mehr lange an der Nase herumführen, und schon am Anfang der Episode bekommen wir die Wahrheit über das Kartell serviert. Das Kartell ist eine reine CIA-Operation, Romeo und seine rechte Hand sind CIA-Agenten. Von der Konstruktion der Episode her gesehen, scheint es vernünftig von den Autoren, dieser Enthüllung weniger dramatisches Gewicht zu verleihen, so dass man sich auf das “Rise of a Son” konzentrieren kann. Rise and Fall: die FX-Serie führt uns nicht nur vor Augen, dass schlechte Entscheidungen zu schlimmen Konsequenzen führen oder aber gute Entscheidungen schief gehen können, sondern dass man eine Entscheidung oft nicht einmal als gut oder schlecht einordnen kann, weil man sie nicht unbedingt freiwillig trifft.

Es ist immer ein Kontext da, sowohl ein emotionaler als auch ein ‘institutioneller’ – sei es ein Motorradclub, sei es die US-Regierung. Und jeder enge Kontext steht in einem größeren, dessen Mechanismus sich dann in Gang setzt, wenn man Grenzen überschreitet: wenn man Gedanken- und Entscheidungsstrukturen unverändert und unreflektiert vom Kleinen aufs Große überträgt. Dass das Ganze in so einem Fall über den eigenen Kopf hinaus wächst, realisiert Jax, als die irischen Bosse einen Deal nur mit Clay machen wollen und nicht mit ihm. Das heißt: Clay (Ron Perlman) muss am Leben bleiben. Jax gibt vor Romeo zu, dass die Situation die Sons überfordert, dass sie mit dem Spiel im großen Stil nicht zurechtkommen.

Sie wollen zu ihrem kleinen Spiel zurückkehren, so wie Roosevelt zu klaren Verhältnissen zurück will: Er ist der Polizist und sein Gegenüber der Kriminelle, den er überführen muss. Fertig. Am Anfang der Episode erkennt sogar Lincoln, dass seine Untersuchungen und Aktionen zu einer Überschneidung in einem viel größeren Kontext geführt haben, als plötzlich Romeo bei ihm auftaucht.

Gerade hat Lincoln alles für das Hochnehmen des Meetings zwischen dem Kartell, den Sons und der IRA mobilisiert – und nun pfeift die CIA einfach alle zurück. Sie benutzt das Kartell, um das Drogengeschäft zu kontrollieren, um andere Kartelle an der Leine zu halten etc. Auch Lincoln ist da machtlos, obwohl er vor seinem Weggang doch noch etwas Gutes schafft: Er gibt Roosevelt die Möglichkeit, Juice (der in seiner Zelle The Shield im Fernsehen schaut!) auf freien Fuß zu setzen und seinen File zu zerstören, und versetzt dem Hale-Charming-Hights-Projekt mit einer interessanten Enthüllung den Todesstoß.

Man kann sogar sagen, dass zwischen Jax und Lincoln eine Parallele besteht – vorausgesetzt, man will die beiden als „good guys“ sehen. Aufstieg und Fall, aber wer spielt welche Rolle? Ist Jax’ Aufstieg nicht gleichzeitig ein Fall? Und ist nicht Lincoln der einzige, der inmitten seines Falls einen Sieg des Guten feiern kann gegen die übermächtigen Strukturen dieser Welt? Was die SoA-Erzählung an sich betrifft und ihre Tradition, in der größere Fische die kleineren ohne Rücksicht auf Verluste benutzen, kommt diese CIA-Enthüllung nicht von ungefähr. Andererseits verpufft so die in den letzten Episoden aufgebaute Spannung.

Nach den letzten Sekunden der Episode bleibt man mit dem Gefühl zurück, dass die Autoren die Figuren dorthin bewegt haben, wo sie sie haben wollten – und nicht dorthin, wo sich die Figuren selbst gern gesehen hätten… Auch die Szene mit Tig, die letzte Woche viel Kritik provozierte, erscheint nun als Mittel zum Zweck, da Leroys Freundin die Tochter eines mächtigen Crimelords ist. Hier hat man die Konfrontation für die nächste Staffel schon angelegt.

Im Finale kracht es nicht wirklich so, wie wir alle erwartet haben; der Krach ist ein eher emotionaler, der wenig an den Charakterpositionen ändert. Andererseits hat man diesen emotionalen Krach schon seit der ersten Episode aufgebaut, und diese Staffel hatte ja versprochen, Jax aus seiner mehr oder weniger passiven Position herauszuholen – ihn die Wahrheit sehen zu lassen und eine finale Konfrontation herbeizuführen, bevor er den Thron besteigen könnte.

Man kann buchstäblich fühlen, wie etwas Schicksalhaftes in der Sons-Mischung mitschwingt, das Sutter & Co. eingebaut haben: alle Ereignisse, alle Puzzleteile fügten sich zusammen zu einem Bild, das es schon einmal gab – dem Bild von John Teller als Clubpräsident am Tisch sitzend, mit Gemma an seiner Seite. Keiner verlässt Charming lebend, und wie man an Jax und Tara demonstriert, liegt die Wahl des Lebens, das man lebt, nicht unbedingt in den eigenen Händen.

Metaphorisch und visuell ein sehr schön umgesetzter Gedanke, wenn auch dramatisch etwas überspielt, als wir am Ende Jax und Tara im Clubhaus sehen: in derselben Position am Tisch, in der auf dem schwarz-weißen Foto Gemma und John zu sehen sind. Ja, es verwandelt sich gar in den letzten Sekunden unter den Klängen von House of the Rising Su/on (White Buffalo & The Forest Rangers) das neue in das alte Bild… Vielleicht möchte die FX-Serie auch Roosevelts Wunsch erfüllen und zu den “einfachen” Konfrontationen zurückkehren? Eigentlich bin ich zufrieden mit dem Finale, aber der fade Beigeschmack will irgendwie nicht weichen…

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Sons of Anarchy: To Be Act I (4×13)

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Ist Clays Ende gekommen? Und wie beeinflussen die Ereignisse Gemmas Plan? Welche Erklärung wird Jax für die Clubmitglieder finden, so kurz vor dem großen Treffen? Wird das Treffen überhaupt stattfinden, oder geht Lincoln leer aus? 

To Be Act I ist genau so, wie der erste Teil einer Doppelepisode zum Staffelfinale sein soll: Der Tisch unter dem Kartenhaus wird ins Wackeln gebracht, und das Erzittern überträgt sich langsam, aber sicher nach oben – allerdings ohne wirklich eine Karte zum Fallen zu bringen. Wie der Text des Abschluss-Songs in der Episode uns mitteilt: „It’s a hard way to fall.“ Hart, aber unausweichlich. Für wen eigentlich?

Happy bringt dieses Mal den One-Liner der Episode: „He needs to die – like, a lot.“ Er bezieht sich zwar auf eine bestimmte Person, die nicht Clay ist, aber im Kontext der Ereignisse wird damit etwas über die Gesamtentwicklung gesagt – darüber, dass jede/r eine Zielscheibe auf dem Rücken trägt. Darin besteht die Stärke der FX-Serie: Sie legt sich nicht fest. Ein Game of Thrones. bietet großartige Szenen, die aber nicht nur vom Hier und Jetzt der Inszenierung leben, sondern auch von der akkumulierten Spannung über all die vier Staffeln hinweg.

Der Titel erscheint als deutliche Referenz auf Hamlet und damit auf Jax’ (Charlie Hunnam) Schwierigkeiten, endgültige Entscheidungen zu treffen. Er muss sie treffen, er glaubt sie sogar getroffen zu haben – aber dieser Hamlet wird immer noch wie eine Schachfigur durch die Gegend geschoben, indem eigentlich Andere die Entscheidungen für ihn treffen und er sie letztendlich nur übernimmt. Er wählt den Weg des geringsten Widerstands. Die Entscheidungen, die er trifft, resultieren oft aus den zu kurz greifenden Informationen, die ihm zur Verfügung stehen: daraus, dass er die Wahrheit nicht kennt. Aber wollte er sie jemals wirklich kennen? Durch das ständige Stolpern der Sons von einer miserablen und komplizierten Situation in die nächste blieb Jax nie Zeit, die Wahrheit mit sich selbst auszuhandeln.

Er bekommt sie in dieser Episode serviert, aber wie immer garniert mit bestimmten Zutaten, die den ursprünglichen Geschmack entscheidend verändern sollen. In den ersten Minuten der Episode hält Jax Opie (Ryan Hurst) mit einem Schuss in den Arm davon ab, Clay (Ron Perlman) die Kugel der Endgültigkeit zu verpassen. Clay befindet sich zwar in einem kritischen Zustand, aber er überlebt. Vorerst.

Auch wenn Clays Tod sogar von den Fans herbei gewünscht wurde – was für die Leistung der Autoren und Schauspieler spricht, in den Zuschauern diesen Hass bzw. diese Wut auf eine Figur geweckt zu haben -, gefällt es mir, wie Kurt Sutter & Co. mit der Situation umgegangen sind. Man könnte es sogar einen überraschenden Schritt nennen, was die dramaturgische Entscheidung in meinen Augen umso mehr aufwertet. Geschickt verschiebt man den Höhepunkt von der “äußeren” Konfrontation, die alle seit der ersten Staffel herbeigesehnt haben – Clay vs. Jax, Vater vs. Sohn, König vs. Prinz -, hin zu einer “inneren”: Jax vs. Jax. To Be or (not) To Be, das ist die Frage.

I have to kill him, Tara!

Es geht nicht mehr darum, ob Jax Clay töten wird oder wann, sondern welcher Jax es tun wird: der Vater oder der Sohn? Wie wir es ahnten, besteht Gemmas Plan darin, Jax Clay töten zu lassen und ihn dadurch an den Club zu binden. Aus diesem Grund gibt sie ihm die Briefe seines Vaters – mit Ausnahme derjenigen, die über ihre und Unsers Beteiligung an Johns Tod berichten. Geschickt manövriert sich Gemma aus dem Schlamassel heraus, indem sie die Wahrheit erzählt. Zuerst sagt sie Tara alles und bekommt von ihr die Briefe – angeblich um Clay zu stoppen. Aber Clay liegt bewusst- und hilflos im Krankenhaus… und Gemma hat ihre Rechnung ohne Tara gemacht.

Inmitten des eigenen Schachzugs vergisst Gemma, dass sie nicht als einzige “Queen” auf dem Schachbrett steht. Nicht Jax und Clay bekämpfen sich hier, sondern die Frauen. „Tell me you love me“: So lautet der Satz, den Tara (Maggie Siff) als Frage an Jax und später auf dieselbe Art und Weise an Gemma richtet. In der ersten Szene, um Jax’ in seiner Entscheidung zu bestärken, Charming zu verlassen – und in der zweiten, um Gemma (Katey Sagal) in Sicherheit zu wiegen. Währenddessen wachsen die Probleme für Jax weiter an, als er, um die Wahrheit vor den anderen zu verbergen, die Schuld an Clays Zustand rasch auf die Niners schiebt und dadurch einen reumütigen Tig unbewusst auf eine (Selbst-)Mord-Mission schickt.

Dieser versucht Leroy zu überfahren und tötet dabei seine Frau, was zu einer wilden Verfolgungsjagd führt und die Kluft zwischen den Niners und den Sons vermutlich unüberbrückbar macht. Tigs Flucht mit der Unterstützung der anderen Clubmitglieder ist großartig inszeniert, aber die Serie lässt uns irgendwie den faden Beigeschmack spüren, dass Tig wieder einmal eine “Ehefrau”, einen unschuldigen Menschen, durch fehlerhafte Informationen in den Tod schickt und – davon kommt. Damit schickt man ein weiteres Clubmitglied in den emotional-moralischen Abgrund, wo sich Bobby und Juice gerade befinden. Und was ist eigentlich mit Potter? Er scheint nach wie vor zuversichtlich, dass sein Plan aufgeht; aber wir wissen immer noch so herzlich wenig über ihn.

Warum können Romeos Informanten nichts über den Otto-Deal herausfinden, und warum weiß keiner von der Operation? Hat es Lincoln geschafft, alles geheim zu halten – oder hält die Serie noch mehr Überraschungen für uns parat? Der Deal soll stattfinden, aber bevor Jax zum Treffpunkt fährt, sieht er sich im Zentrum des Frauenkrieges. Zunächst erzählt ihm Gemma in einer großartigen Szene die Wahrheit über Clay, indem sie ihre Beteiligung an John Tellers Tod auslässt, gibt ihm die Briefe und überzeugt Jax davon, dass er Clay beseitigen muss. Als Tara eintrifft, bekommt Gemma zu hören, dass sie die andere Frau im Leben ihres Sohnes unbewusst viel zu gut geschult hat für das Spiel um den jungen Prinzen.

Nicht nur weiß Tara von Gemmas Beteiligung, sondern sie gibt Jax die Möglichkeit, Clay zu töten und ungeschoren davon zu kommen… im wahrsten Sinne des Wortes: zu gehen, mit ihr und den Kindern, weg von Gemma und weg von Charming. „He is mine“, wirft sie Gemma den Handschuh ins Gesicht. Mit Gemmas und Clays Gesichtern endet die Episode – und mit den Worten aus dem Soundtrack: „such a hard way to fall.“

Sons of Anarchy: Burnt and Purged Away (4×12)

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Wird Opie Konsequenzen ziehen, nachdem er die Wahrheit über den Tod seines Vaters erfahren hat? Kann sich Lincoln seiner Sache sicher sein, oder wird Otto doch noch den Rückzug antreten?

Burnt and Purged Away könnte in dieser Staffel, als Ganzes betrachtet, zu keinem besseren Zeitpunkt kommen. Alles passt, und zwei Figuren bringen den großen emotionalen Schwung in die Episode: Otto (Kurt Sutter) und Opie (Ryan Hurst). Ausgerechnet zwei der “stillen” Figuren aus dem Ensemble also, die in der Regel relativ wenig Screentime bekommen (Otto) oder aber etwas abseits der “wichtigen” Ereignissen stehen (Opie). Abgesehen von seiner Hochzeit mit und Trennung von Lyla agierte Opie im bisherigen Verlauf der Staffel wie ein neutraler Beobachter; doch stets hatte man den Eindruck – vor allem dank Ryan Hursts Performance -, dass es in Opie nur so brodelte und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis er hochginge. Denn wie die gescheiterte Beziehung mit Lyla uns vor Augen geführt hat, ist Donna noch nicht vergessen.

Opie und Otto sind diejenigen Samcro-Mitglieder, die die mit Abstand größten Opfer für den Club gebracht und emotional am meisten gelitten haben. Die enge emotionale Bindung zwischen Jax (Charlie Hunnam) und Opie droht vor dem Hintergrund der Ereignisse zu zerbrechen. Schon in der letzten Episode erinnerte Opie daran, dass Jax ihn wieder in den Club zurückbrachte. Nach Donnas und Pineys Tod hat Opie durch den Club schon zwei Familienmitglieder verloren, besser gesagt: Donna und Piney starben durch die Hände seiner “Brüder”.

Sons of Anarchy handelt hier nicht nur den Konflikt zwischen (Stief-)Vater und Sohn, zwischen Clay und Jax ab, sondern auch den zwischen Brüdern, zwischen Jax und dem (Ersatz-)Bruder Opie. Sehr überzeugend vermag Ryan Hurst in dieser Episode Opies Wut und Verzweiflung darzustellen: Opie fühlt sich verraten und verkauft, nicht nur vom Club, sondern auch von Jax persönlich. Er kam zurück in den Club, um Jax den Rücken zu stärken, damit dieser den Kampf gegen Clay gewinnen könne. Durch die gemeinsame Sache zwischen Jax und Clay (Ron Perlman) und Jax’ Wunsch, sich mit seiner Familie zurückzuziehen, bleibt nun letztendlich Opie als derjenige übrig, der das Messer in den Rücken bekommt.

Apropos Messer in den Rücken: Die Episode demonstriert durch das In-Bewegung-Setzen sämtlicher Schachfiguren auf dem Brett, dass keiner vor keinem sicher sein kann, dass keiner davor geschützt ist, hintergangen zu werden. Die Grenze zwischen Freund und Feind schwindet. Wichtige IRA-Anführer treffen in Charming ein, aber sie scheinen weder dem Club Vertrauen zu schenken noch Romeo. Und dieser verfolgt seinen eigenen Plan, der die Sons bestimmt nicht unbeschadet davonkommen lässt.

Lincoln scheint seine Figuren in die derzeit bestmöglichen Positionen manövriert zu haben, um ein Schachmatt zu erreichen – wobei noch nicht ganz klar wird, was wirklich sein Endgame ist. Otto unterzeichnet jedenfalls die Aussage, und Juice teilt ihm die Zeit und den Ort des Treffens zwischen den Sons, der IRA und dem Kartell mit. In der kurzen Szene zwischen Lincoln und Roosevelt sehen wir, dass auch Lincoln Interesse an dem Charming-Heights-Projekt zeigt. Anders als Stahl hat er überall seine Finger im Spiel.

Sons of Anarchy ist dann am besten, wenn Kurt Sutter & Co. ihre Figuren Pläne aus Verzweiflung schmieden lassen, so dass man sich als Zuchauer gar nicht sicher sein kann, in welche Richtung diese zielen. Zum Beispiel erinnerte mich die Geschichte um Juices (Theo Rossi) Verrat zunächst an Jax’ Doppelspiel mit Agent Stahl in der letzten Staffel, aber wir sehen ihn am Ende der Episode eingesperrt in einer Zelle sitzen: handlungsunfähig also. Oder hat er Chibs offscreen noch Einiges erzählt? Auch Gemmas Handlungen dürften bei vielen Zuschauern die Augenbrauen in die Höhe bewegt haben.

Welches Spiel versucht sie aufzuziehen? Übrigens: Tara (Maggie Siff) kann einem tatsächlich Leid tun, denn sie befindet sich genau in der Mitte des Spiels zwischen Clay und Gemma. Sowohl Gemma als auch Clay versuchen, sie auf je eigene Art wie eine Schachfigur herumzumanövrieren, um die Überhand zu behalten – und machen ihr im Zuge dessen Versprechen, die sie nicht einhalten können. Denn bei dem Treffen zwischen Romeo und Clay sehen wir deutlich, dass das Kartell gewillt ist, den Tara-Auftrag zu Ende zu führen – und dass Clay daran nichts ändern kann / will.

So sehr Gemma (Katey Sagal) entschlossen war, Clay tot zu sehen, versucht sie jetzt um jeden Preis, Unsers (Dayton Callie) Plan mit Opie zunichte zu machen. Sie warnt sogar Clay und teilt ihm mit, sie würde ihn lieben. Was bezweckt sie damit? Will sie, dass Clay nur von Jax’ Hand stirbt? In einer vergleichsweise gewaltfreien Episode ragt die Szene in dem Haus heraus, in dem sich die Sons mit den irischen Leadern treffen. Jax findet heraus, dass dieser Ort als Umschlagplatz für Neugeborenenhandel dient. Es folgt eine brutale Massenprügelei zwischen schreienden Kindern in ihren Bettchen. Die Szene ist extrem, und doch scheint Jax’ Reaktion gerechtfertigt angesichts dessen, was er wegen Abel durchmachen musste.

Die Serie stellt Jax gegenüber der IRA nicht unbedingt positiv dar, aber wieder einmal zieht er nicht die letzte Konsequenz daraus. Und darum geht es hier: Konsequenzen zu ziehen. Abdrücken zu können, wenn es zählt. Otto tut es und kann dann zusehen, wie Bobby abgeführt wird: „Time for you to start a list, Bobby.“ Auch Opie entscheidet sich, abzudrücken. Nachdem er Pineys Leiche im Krematorium brennen sah und uns die Kamera symbolisch die brennende Samcro-Jacke zeigte, brennt tatsächlich die Luft, und Opie rast Richtung Clubhaus.

Wieder einmal ein ziemlich schwarzhumoriger Inszenierungszug von Kurt Sutter & Co., Jax Opie mit dem Leichenwagen verfolgen zu lassen… Jax kommt zwar rechtzeitig, kann jedoch Opie die Entscheidung nicht ausreden, obwohl er ihn mit der Waffe bedroht. Opie trifft Clay – ob tödlich, werden wir nächste Woche erfahren. Ryan Hurst brilliert in dieser intensiven letzten Szene. Als Jax auf ihn zielt, ist Opies Blick voller Trauer und gleichzeitig Enttäuschung: vom Club und vor allem von Jax, der die Waffe auf den Falschen richtet. Wer und was ist noch zu retten in Samcro?

Sons of Anarchy: Call of Duty (4×11)

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Wie wird Jax reagieren, wenn er Gemma sieht? Kann Lincoln Otto dazu bringen, ihm zu helfen? Ist für alle die Zeit gekommen, in den Krieg zu ziehen?

Im Vergleich zu Hands formt Call of Duty ein großes Fragezeichen. Call of Duty? Das könnten wir Zuschauer fragen. Denn die Ereignisse hinterlassen ein wenig den Eindruck, die Autoren hätten alles nur Mögliche hineinzupacken versucht, um jeden Handlungsstrang anzusprechen und sämtliche losen Enden zusammenzubinden.

Daran ist nichts auszusetzen, aber niemals sollte hinter einer Figur oder einem Handlungsstrang buchstäblich der Autor mit seiner Tastatur zu sehen sein. Man kann nicht leugnen, dass die Actionsequenz Spaß macht, als die Sons und Romeos Leute sich mit den Lobos einen Kleinkrieg inklusive Landminen und RPGs liefern: aber sie dient mehr oder weniger dazu, von Kozik Abschied zu nehmen. Natürlich zeigen Juices (Theo Rossi) Worte, dass er RPGs nur aus dem Videospiel Call of Duty kenne, in welchen Schlamassel sich die Sons manövriert haben – aber das wussten wir ja schon.

Auch was Taras (Maggie Siff) Situation betrifft, finde ich es extrem überraschend, nach so langer Zeit plötzlich Abels leibliche Mutter Wendy (Drea De Matteo) wiederzusehen. Warum? Um Tara noch tiefer in den Wahnsinn zu befördern, so dass Jax (Charlie Hunnam) eine Entschuldigung hätte, um in Charming zu bleiben, ohne Chance auf ein “neues” Leben? Sollte man ihn nicht besser endlich erkennen lassen, dass er nur für Samcro taugt, anstatt ihm immer neue Stolpersteine in den Weg zu legen? Viele Szenen in dieser Episode sind zwar beileibe nicht schlecht, führen aber meiner Meinung nach zu keinem Ergebnis – abgesehen von Ottos (Kurt Sutter) Deal mit Lincoln. Über weite Strecken hören wir Wiederholungen alter Beschuldigungen, Drohungen und Versprechen.

Von der Eskalation des Konflikts her gesehen, hätte eigentlich Hands die vorletzte Episode der Staffel sein sollen, damit das Finale die Explosion bringen kann. Jetzt aber fühlt sich jede Nach-Hands-Episode wie eine Verzögerung des Unausweichlichen an. Denn wir haben oft genug gehört und gesehen, dass Clay (Ron Perlman) die letzte Grenze überschritten hat und sterben muss. Gut, Call of Duty trennt Clay von seinem ältesten und treuesten Verbündeten Tig und ihn lässt ihn somit tatsächlich ganz allein dastehen.

In einer schönen Szene stehen Clay und Gemma an zwei unterschiedlichen Seiten vom Hof jeweils in einem Türrahmen und schauen einander an, im Dunkeln. Dann schließen beide ihre Tür. Diese visuelle Beschreibung drückt genug aus. Trotzdem wird die Geschichte mit Gemma von Clay unter “persönlicher Sache” abgetan; er bekommt zwar eine böse Ansprache von Jax, darf dann aber weitermachen. Irgendwann jedoch, finde ich, muss es genug sein damit, Clay als Teufel an die Wand zu malen: nicht weil er diesen nicht verkörperte, sondern weil sich das immer mehr nach einer Art Ausrede für den Rest des Clubs anfühlt für das, was sie alle taten.

Clay schlägt zwar Gemma (Katey Sagal) zusammen – aber war es nicht Jax, der vor nicht all zu langer Zeit einer Frau eine Lektion erteilte? Kann Samcro wieder eine glückliche Familie sein, nur weil Clay tot ist? Versucht man Jax aus der ganzen Geschichte herauszumanövrieren, damit er “neu” anfangen kann, während Opie den Märtyrer für den Club spielt und Clay erledigt, nachdem ihm Unser in der letzten Szene der Episode die Wahrheit erzählt? Auf jeden Fall hat Otto genug vom Märtyrer-Dasein für Samcro und schließt den Deal mit Lincoln ab. Dadurch ist Georgies Ermordung durch Bobbys, Tigs und Opies Hände auch nicht mehr wichtig: zu spät.

Die Geschichte mit Charming Heights wurde immer wieder in Nebenszenen und -sätzen erwähnt, so wie hier – und ich frage mich, ob damit der Grundstein für die nächste Staffel gelegt wird oder uns einfach daran erinnern will, wer die Sons wirklich sein sollen und waren, nämlich die Verteidiger der Charming-Community. Fragen über Fragen! Aber ich setze Vertrauen in Sutter & Co., entsprechende Antworten zu liefern und einen fulminanten Abschluss dieser Staffel hinzulegen.

Sons of Anarchy: Hands (4×10)

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Nach dieser Episode gibt es kein Zurück mehr: für keine der Figuren, denn manche Brücken kann man nicht wieder schlagen. Sie sind für immer zerstört. Jax und Tara werden angegriffen, während Gemma Clay zur Rede stellt. 

Als FX Sons of Anarchy eine zusätzliche vierzehnte Episode zum Finale dieser Staffel spendierte, geschah damit zwar etwas Ungewöhnliches. Aber letztendlich macht der Sender damit nicht nur Schlagzeilen, sondern er zeigt Vertrauen in und Verständnis für die SoA-Erzählung. Diese Erzählung befindet sich in guten Händen, wie man in der gleichnamigen Episode Hands zu sehen bekommt. Hier gibt es alles: das gleichzeitige Entladen und Akkumulieren von Spannung, so dass ein Gefühl von Schwerelosigkeit vor dem harten Aufprall kreiert wird.

Hands ist ein harter Aufprall, in jedem erdenklichen Sinne: sei es seelisch, sei es physisch. Beziehungen, Freundschaften, Geschäfte – es schmerzt. So wie Taras Hand, nachdem man sie zu entführen versucht hat und Jax die Entführer stoppen konnte. Beide Frontfrauen von Sons of Anarchy, Tara und Gemma (Katey Sagal), schlagen hart auf in dieser Episode. Während Taras Hand verletzt wird, gleitet sowohl Gemma als auch Clay (Ron Perlman) alles aus den Händen.

Die Szenen mit Jax und Tara, singend im Auto, die im Park und sogar Jax’ ganz normales, freundliches Gespräch mit einem Polizisten über Autos und Motorräder könnten auf manche Zuschauer übertrieben wirken, aber sie erfüllen ihren Zweck: Sie zeigen nicht nur uns Zuschauern, wie ein Leben ohne die Sons für diese Familie sein könnte, sondern auch Jax selbst scheint das zu realisieren. Ein kurzes Atemholen für ihn und seine Familie, ein kurzes Schweben in den Wolken, bevor der harte Aufprall erfolgt.

Interessanterweise sehen wir direkt vor dem Entführungsversuch eine Szene, die einer anderen aus dem Finale der ersten Staffel sehr ähnlich ist: Jax und Tara picknicken und liegen glücklich auf der Wiese. Kurze Zeit später hat Jax beim Müllwegbringen eine seltsame Begegnung – wenn ich mich nicht täusche, mit derselben obdachlosen Frau, die wir in der ersten Staffel schon sahen.

Wir fragten uns damals, welche symbolische Rolle sie spielt: Ist sie Jax’ Schutzengel oder ein Zeichen des Schicksals dafür, dass er auf dem richtigen Weg ist? Im nächsten Moment hält ein Van an, und Tara wird hineingezogen. Irgendwie kann Jax den Wagen stoppen – auch durch Taras wilde Gegenwehr – und sie befreien, aber mit schwer verletzter Hand. Trotzdem frage ich mich: warum die Entführung? Ich hatte nur den Auftragskiller im Sinn, dem Clay das Geld gab und der Minuten vorher von einer Parkbank aus Tara und Jax beobachtete. Warum der öffentliche Entführungsversuch?

Oder waren es gar nicht Romeos Leute? Die Männer ohne die Masken sahen nicht wirklich spanisch aus, oder? War es einfach die Hitze des Gefechts, oder ist ein anderes Spiel im Gange? Wie auch immer: Eins muss man dieser dramaturgischen Entscheidung lassen – sie hinterlässt uns mit dem Gefühl, gerade selbst einen Schlag bekommen zu haben, was sie viel wirkungsvoller macht, als wenn der Auftragskiller einfach auf Tara geschossen hätte. Dieses Ereignis bringt uns zu der vermutlich besten unter vielen guten Szenen dieser Episode: zu dem Gespräch zwischen Tara und Jax im Krankenhaus. Maggie Siff und Charlie Hunnam treffen jede Note.

Romeo und Julia in Charming – den emotionalen Ablauf der Geschichte betreffend, nicht den erzählerischen. Da ein Nerv beschädigt ist, wird Tara ihren Beruf vermutlich nie wieder ausüben können, und diese Tatsache bricht alle Dämme: In einem geballten Gefühlsausbruch aus Verzweiflung, Wehmut, Schmerz, Wut und tausend anderen Schattierungen fasst sie für Jax die Ereignisse, die Tragik ihrer Liebesgeschichte zusammen und realisiert am Ende: „fate.“

Erschien also tatsächlich deswegen die obdachlose Frau in der Entführungsszene – als ein Wink des Schicksals? Jax und Tara sollen zusammen sein, aber auf welche Art und Weise? Nur als Familie innerhalb der Familie? Für Jax kristallisiert sich heraus, wie schlecht er seine Ich-verlasse-den-Club-Karte ausgespielt, wie er damit alle in Gefahr gebracht hat. Das wird deutlich in dem späteren Gespräch mit Opie, als Jax ihm die Wahrheit erzählt: dass er den Club verlassen will.

Dadurch, dass Jax falsche bzw. gar keine Entscheidungen traf, dem Schicksal auswich, hat er alle verraten, seinen besten Freund und seine Familie. Auch wenn die Sympathien des Publikums bei Jax liegen, stellt die Serie sowohl Clay als auch Jax in diesem Moment auf dieselbe Stufe. Ihnen gegenüber stehen ihre Frauen und damit das Bild dessen, was sie direkt oder indirekt getan haben. Clay versucht nach wie vor vergeblich, seinen eigenen Verrat an allen zu vertuschen.

Zum wiederholten Mal demonstriert Hands, dass Clay das Spiel längst nicht so führen kann, wie er denkt. Sein Fehler besteht darin, gnadenlos handeln zu wollen, wie es etwa ein Kartell tut, aber gleichzeitig auch in familiären Strukturen – also gefühlsorientiert. Und darin liegt der Unterschied: Familie. Die Sons können diese Grenze nicht übertreten, ganz egal, wie sehr Clay über die Jahre hinweg den Club in gefährliche Geschäfte verwickelt hat. Die Strukturen mögen bis zu einem gewissen Grad denen krimineller Gruppierungen ähneln, aber an einem bestimmten Punkt ist Schluss.

Das macht die Sons bei all ihrer Gewalttätigkeit und ihren Gesetzesübertretungen zu Figuren, für die der Zuschauer sich interessiert, denen er sogar wünscht, dass sie “gewinnen”. Clay kann nicht gegen die Familie gewinnen. Für einen Rückzieher ist es zu spät, denn er hat die Grenze übertreten, dem Teufel die Hand gegeben, und es gibt kein Zurück. Clay befindet sich im Niemandsland. Romeo besteht darauf, entgegen Clays Wunsch den Anschlag auszuführen. Und Gemma konfrontiert Clay mit der Tara-Situation. Die Konstellation der Szene erinnert an die zwischen Tara und Jax, nur verläuft es diesmal anders: Die Gefühle entladen sich in einer handgreiflichen Auseinandersetzung, und Clay schlägt Gemma brutal zusammen.

Währenddessen konfrontiert Roosevelt Lincoln mit seinem Verrat und entschuldigt sich später bei Juice. Die Frage ist, wie sich Juice entscheiden und welche Rolle Roosevelt in den kommenden Ereignissen spielen wird. „Clay can’t be saved. No, he’s not going down by law. He’s gonna die by the hand of the son“, sagt Gemma am Ende zu Unser. Triumph oder Tragödie in Charming? Oder beides? Um es mit Hamlet zu beenden: „Though this be madness, yet there is method in it.“

Sons of Anarchy: Kiss (4×09)

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Die Sons geraten immer tiefer in den Kartellkrieg hinein, während Lincoln seine entscheidenden Schachzüge macht, um allen Organisationen den tödlichen Stich zu versetzen. Dafür aber braucht er Ottos und dann Juices Hilfe. 

„Clay cannot be saved“, sagt Unser zu Gemma, als sie Piney findet und Unser holt. Nein, er kann nicht mehr gerettet werden, aber Gemma will es trotzdem versuchen. Aus Liebe und mit einem Kuss. Dieser Kuss der beiden ist kein Vorspiel zu etwas Größerem oder ein Bekenntnis, sondern ein stiller Ausdruck purer Verzweiflung beim Anblick eines einstürzenden Kartenhauses. Obwohl Unser weiß, welche Gefahr Clay darstellt, hilft er Gemma: aus Liebe. Katey Sagal spielt die Szene grandios, von der Minute, als sie Piney findet und in Tränen ausbricht, bis zu diesem Kuss.

Man könnte nun behaupten, dass die Spannung nur deswegen bestehen bleibt, weil, wie in Unsers Fall – oder aber Juices, zu dem wir gleich kommen werden -, manche Figuren dumme Entscheidungen treffen. Gleichviel: Es funktioniert, denn Sons of Anarchy war noch nie eine Serie über kriminelle Masterminds oder solche des Alltags. Der SoA-Motor läuft mit Gefühlen und Emotionen.

Wir haben oft über Jax’ (Charlie Hunnam) Art gesprochen, auf Situationen zu reagieren: über sein spontanes Handeln aus einem Gefühl heraus. Zwar trifft er so in gewissen Situationen richtige Entscheidungen, kann sie jedoch nicht zu einem Langzeitplan verketten. Vielleicht, weil er damit nicht umgehen kann? Denn wäre es nicht die einzige richtige Entscheidung, der einzige sinnvolle Langzeitplan, die Führung des Clubs zu übernehmen? Während Jax in der ersten Staffel bereit war, sich Clay entgegenzustellen und für gewisse Ideale zu kämpfen, sorgten die Ereignisse in den folgenden zwei Staffeln dafür, “the big picture” vor seinen Augen zu verwischen, so dass er seinen Fokus verlor.

Immer wieder sahen wir ihn deswegen handlungsunfähig: nicht in dem Sinne, dass er einfach tatenlos auf seinen Händen säße, sondern indem er sich selbst und der Wahrheit ausweicht. Wie er zu Piney sagte: Er will es gar nicht wissen! So macht er es sich leichter, dem Club den Rücken zu kehren – und damit auch sich selbst. Kann er das überhaupt?, fragten wir uns immer wieder. Jax hat sich eingeredet, dass John Teller, sein Vater, die Familie und den Club verraten habe, dass er einfach nur naiv und zu sehr in eigene Gedanken verstrickt gewesen sei. Die Erkenntnis über Johns Leben in Belfast hat Jax desillusioniert. Aber wenn er die Wahrheit erfahren würde…

Nur: Jemand muss sie ihm sagen, weil er aufgehört hat, von sich aus nach dieser Wahrheit zu suchen. Das ist auch der Grund, warum Tara ihm die Briefe nicht zeigen will, wie sie in dieser Episode zu Gemma sagt. Denn in ihnen liegt die richtige Entscheidung für Jax, und davor hat Tara Angst. Es geht nicht in erster Linie darum, dass Jax Clay umbringen wird – das wird er -, sondern um Jax’ Rückkehr zu der Erkenntnis, dass sein Platz im Club ist, direkt an seiner Spitze. Von Hamlet bis Sons of Anarchy ist der Verlauf immer der gleiche: Ein neuer König übernimmt den Thron, nachdem er den alten getötet hat.

In Kiss kommt es beinahe dazu in einer Szene zwischen Clay und Jax, die an die erste Staffel erinnert. Nachdem die Sons erfahren haben, wie tief sie im Kartellkrieg stecken, in den jetzt auch die Niners involviert sind, kann nur Jax’ Einsatz ein Blutbad verhindern. Daraufhin redet er mit Clay Klartext und fordert den Rückzug aus der Kartellsache, nachdem sie den großen Waffendeal zwischen Romeo und der IRA abgewickelt haben. „Dr. Pussy is clouding who you are, son“, beendet Clay (Ron Perlman) das Gespräch, als ihm Jax eine Art Ultimatum stellt. Jax dreht sich um, und sein Blick bringt sogar Clay dazu, leicht zurückzuzucken.

Der Punkt ist erreicht, an dem es für Clay kein Zurück mehr gibt – wenn das überhaupt jemals möglich gewesen wäre. In der Situation mit den Niners stellt Jax unter Beweis, dass er ein viel besserer Leader für die Sons wäre als Clay und weiß, was der Club tun muss, um zu überleben. Aber Clay geht es nur noch um das eigene Überleben. Er verspricht Gemma in der sehr schönen, die Episode abschließenden Szene, als die beiden auf den Schaukeln im Dunkeln sitzen, Tara kein Haar zu krümmen – aber dieses Versprechen ist, wie wir sehen, ein typisches Clay-Versprechen. In diese Reihe von Gedanken fügt sich sehr gut die Nebenhandlung um Juice (Theo Rossi) und Lincoln ein.

Chibs hat Jax von dem Selbstmordversuch erzählt; während Chibs und Jax sich nicht sicher sind, was mit Juice passieren soll, gerät er wieder Lincoln in die Fänge, der ihm dieses Mal persönlich schildert, in welcher Situation alle Beteiligten stecken. Das Ticken der Bombe wird immer lauter. Bobbys Worte wird sich Jax eher früher als später zu Herzen nehmen müssen und wollen: „Your solution to a problem will always be a club solution.“

Sons of Anarchy: Family Recipe (4×08)

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Die Sons sehen sich plötzlich verwickelt in den Krieg Anderer, ohne sich befreien zu können. Währenddessen naht die Entscheidung über die internen Probleme des Clubs. Oder doch nicht?

Family Recipe ist eine Episode mit etlichen guten Szenen, die aber insgesamt in einen Rückschritt münden – oder eher in eine Art Hinauszögern, ein Retardieren. Mit einem solchen Hinauszögern beginnt denn auch die Episode: Wie wir vermuteten, hat Juice den Selbstmordversuch überlebt. Nicht dass ich Juice tot sehen wollte (obwohl ich glaube, dass er die Staffel nicht überleben wird): Theo Rossi hat in den letzten zwei Episoden hervorragende Leistungen abgeliefert!

Nein, das Problem liegt in der in meinen Augen erzwungenen Handlung um ihn herum. Und diesbezüglich hätte ein gelungener Selbstmord als starkes dramatisches Moment den faden Beigeschmack weggespült, in dem der pure Zerfall des Clubs noch deutlicher wird. So aber bleibt der fade Beigeschmack bestehen, obwohl Kurt Sutter Juice vermutlich noch braucht – als Verbindung zu Lincolns Handlungsstrang. Bestimmte Rädchen müssen da sein, um in andere zu greifen, damit die Maschinerie in Bewegung bleibt. Ich bin gespannt, ob und wie sich alles am Ende der Staffel auszahlen wird.

Zurück zum Hinauszögern: Prinzipiell gibt es an solchen Kunstgriffen nichts auszusetzen, wenn – wie es bei Sons of Anarchy meist der Fall ist – ihr Timing stimmt bzw. die Atmosphäre sie erlaubt. Hier nun haben Handlungsverlauf und Spannungsakkumulation in den letzten Episoden bereits das Empfinden verursacht, es sei an der Zeit, den internen Konflikt zuzuspitzen – beispielsweise indem andere Figuren in Taras und Pineys Geheimnis eingeweiht würden. Natürlich bedeutet es stets einen gewaltigen Schritt, eine Figur aus dem Hauptcast das Zeitliche segnen zu lassen, zumal da bisher nur Half Sack – auf Wunsch des Schauspielers! – getötet wurde.

Dass Piney von Clays Hand sterben würde, war hingegen klar: schon von der Sekunde an, in der er Clay wieder einmal ein Ultimatum stellte und sich in seine Waldhütte verzog, um am Ende der Episode von Clay getötet zu werden. Etwas früher, in der sehr starken Szene mit Jax, erwähnt Piney seltsamerweise die Briefe mit keinem Wort. Es bleibt beim Status Quo: Clay ist Chef, Piney ist tot, und Tara verlässt mit den Kindern Charming, denn die Stadt verwandelt sich langsam in ein Kriegsgebiet, wo die Köpfe nur so rollen. Im buchstäblichen Sinne.

Die Abstimmung gegen Clay wird ebenfalls hinausgezögert bzw. unterbrochen: durch einen Angriff auf den Club, der gleichzeitig eine Lieferung ist – zweier abgetrennter Köpfe (Sons und Mayans). Eigentlich sind es zu Chucks Entsetzen sogar drei. Die kleine Handlung um Chuck und sein Chili stellt einen ziemlich makabren Scherz der Autoren dar: Aus der Not heraus integriert Chuck den Kopf in das Rezept und verfüttert das fertige “Essen” an Roosevelts Leute. Ein Familienrezept, meint später Gemma (Katey Sagal). Dieses Rezept aber schmeckt nicht jedem, und so entscheidet sich Tara mit Jax’ Einverständnis, die Stadt zu verlassen.

Der Mord an Piney (William Lucking) nun gehört zu dem Familienrezept, das Clay (Ron Perlman) seit eh und je für seine Clubmitglieder parat hatte. Mir persönlich fällt es schwer, Clays Entwicklung in dieser Staffel zu bewerten. Einerseits gefiel mir die Figur so, wie sie war: angesiedelt in einer Grauzone. Andererseits ist es von der Handlung und dem Hauptkonflikt der Serie her gesehen nur logisch, dass er den Schritt zu einer Art Bösewicht vollzieht. Das lässt uns buchstäblich spüren, wie die Uhr tickt.

Tatsächlich ist in dieser Episode mehrmals eine tickende Uhr im Hintergrund zu hören, zuerst in der Szene zwischen Piney und Jax und dann in derjenigen zwischen Tara (Maggie Siff) und Jax (Charlie Hunnam). Es sieht so aus, als beträfe das Ticken Jax: als zähle es ihm die Sekunden vor und dränge ihn dazu, seinen Kopf wieder herauszuziehen aus dem Sand, in den er ihn im Laufe dieser Staffel gesteckt hat. Piney stellt in diesem Sinne die wichtigste Frage in Family Recipe: „Do you even have a side anymore?“ Das muss Jax schleunigst für sich beantworten, denn es geht dieses Mal um alles: um Leben und Tod.

Obwohl sich also die Episode unterm Strich wie ein vorläufiges Hinauszögern anfühlt, verdeutlicht sie vor allem mit der Verzweiflung und Verbitterung, die die Szene zwischen Chibs und Juice ausstrahlt, an welchem Punkt sich die Serie befindet. Der Club zerfällt, von internen und externen Konflikten zerrissen. Damit kehrt man geschickt und deutlicher denn je zur Prämisse der Serie zurück, zu der Frage, die schon in der ersten Staffel gestellt wurde: Quo vadis, SAMCRO?

Sons of Anarchy: Fruit for the Crows (4×07)

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Als die Sons den Mayans einen Besuch abstatten, bricht plötzlich die Hölle los, und keiner weiß genau, wer hinter dem Angriff steckt. Gemma findet die Notiz in Taras Auto, während Roosevelt sich gezwungen sieht, weiterhin Druck auf Juice auszuüben. 

Wie schon in den letzten zwei Wochen bemängelt, wirkt der Handlungsstrang um Juice arg konstruiert, aber Theo Rossi macht in dieser Episode das Beste daraus. Juices Misere lässt er uns buchstäblich spüren: das bohrende Empfinden, dass man sich in eine Sache hineinmanövriert hat, ohne zu wissen, wohin sie führt und wie sie enden soll. Dasselbe gilt mit ähnlichem Gewicht für Sheriff Roosevelt, der Lincolns Vorgehensweise nicht mehr tolerieren, ihn aber auch nicht aufhalten kann.

An diesem Punkt tritt Sons of Anarchy in die eigenen Fußstapfen. Denn was wir mit Lincoln erleben, kennen wir bereits von Agent Stahl – zwar leicht variiert, aber mit derselben Prämisse: Die Menschen, die das Gesetz vertreten, müssen es übertreten, um den Sons das Handwerk legen zu können. So schenkt man uns Zuschauern zugleich eine gewisse moralisch-ethische Rechtfertigung unserer Liebe zu den Sons – und des Wunsches, sie siegen zu sehen! – Allerdings haben wir über Lincoln noch nicht alles erfahren, und ich bin mir sicher, dass er nicht nur dazu dienen soll, von Roosevelt durch die Gegend gepusht zu werden: Bestimmt hat Kurt Sutter noch die eine oder andere zusätzliche Geschichte für Lincoln auf Lager.

Vorläufig bleibt er eine enigmatische Figur, aber um ihn als wirklichen Gegner etablieren zu können, braucht es Zeit.

Die Zeit dieser Episode wird durch viel dringendere Probleme beansprucht: Das neue Geschäft der Sons breitet sich wie ein Lauffeuer auf die einzelnen Schicksale aus. Zuerst findet Gemma (Katey Sagal) den Zettel mit der Todesdrohung in Taras Auto und bringt sie und die Kinder sofort in den Club. Als sie Jax (Charlie Hunnam) und Clay (Ron Perlman) die Neuigkeit mitteilen will, schweben die selbst in Lebensgefahr: Während des Besuchs bei den Mayans eröffnen unbekannte maskierte Männer das Feuer.

Wieder einmal nimmt Jax (Charlie Hunnam) als erster und diesmal einziger die Verfolgung auf. Und wieder einmal stellt man ihn, seine ungebändigte Aggression, seinen Einsatz für den Club im Kontrast zu seinen Worten am Anfang der Staffel dar und lässt uns fragen: Kann er – oder besser: will er – jemals den Club verlassen? Dieselben Gedanken scheinen Tara zu beschäftigen, als sie sich von Gemma und dann von Jax bestätigen lässt, dass der Club ins Drogengeschäft involviert ist. Wenn man einmal drin steckt, kommt man so schnell nicht wieder raus. Und wie sich zeigt, fallen die internen Probleme des Kartells auf jeden zurück, der mit Galindos Männern arbeitet.

Fruit for the Crows zieht die Schlinge um Clays Hals enger: Er erfährt, dass Unser ihn hintergeht, dass es nicht so leicht sein wird, Tara zu beseitigen und das Bobby eine Abstimmung für neuen Clubpräsidenten will. Wie Clay so lange mit eiserner und zugleich streichelnder Hand den Club führen konnte, zeigt die Szene zwischen ihm und Juice: Clay überreicht Juice den Aufnäher mit Men of Mayhem für besondere Verdienste gegenüber dem Club und erklärt, er sei stolz auf ihn. Ironischerweise ist es in meinen Augen ausgerechnet diese Geste Clays, die Juice gleichsam den Rest gibt und ihn zu einem letzten Akt treibt: zum Selbstmord.

Obwohl die Episode etliche Actionszenen enthält und ziemlich hektisch verläuft, ist sie geladen mit Emotionen. Die typische Musikmontage am Ende betont noch einmal die gegenwärtige Ausweglosigkeit für die Figuren. Der abschließende Song, Billie Holidays “Strange Fruit”, wird von Katey Sagal performt und gibt diese Stimmung sehr gut wieder. Und der Cliffhanger? Die Bezeichnung selbst wirkt an dieser Stelle makaber, als wir sehen, wie Juice sich zu erhängen beschließt. Zwar deutet das letzte Geräusch darauf hin, dass der Ast abbricht, aber wir werden sehen! Die Äste des Samcro-Baums jedenfalls brechen einer nach dem anderen, denn er krankt schon an seinen Wurzeln: seiner Vergangenheit…

Sons of Anarchy: With An X (4×06)

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Wie werden die Sons Romeo klar machen, dass etwas von der Drogenlieferung fehlt? Opies Seitensprung hat unangenehme Konsequenzen für alle Beteiligten.

Nach dem Cliffhanger der letzten Woche war eigentlich klar, dass Juices Handlungsstrang im Zentrum von With An X stehen würde. Ich bin mir ehrlich gesagt immer noch nicht sicher, wie ich diesen Plot zu bewerten habe. Er hinterlässt bei mir bisher einen eher faden Nachgeschmack, da wir über all die Regeln der Sons nicht wirklich im Bilde sind.

Natürlich kann sich kaum eine der Figuren hinstellen und einen Workshop für die Clubregeln veranstalten, aber ein bisschen mehr als nur das knappe Gespräch zwischen Chibs und Juice in dieser Episode dürfte es schon sein – denn gemessen an dem Vertrauen und der Akzeptanz, die Juice im Club genießt, erscheint es immer unglaubwürdiger, dass er wegen seiner Herkunft gar tödliche Konsequenzen fürchten müsste.

Als die Sons beispielsweise herauszufinden versuchen, was im Lagerhaus passiert ist, zweifelt niemand an Juice. Er wird nicht den Befragungen unterzogen, durch die sich die Prospects hindurchquälen müssen. Klar, sind sie nur Prospects – aber Juice war auch im Lagerhaus, und es geht immerhin um das Drogenkartell, das für niemanden Gnade walten lässt. Auch Miles’ Ermordung durch Juice, als Letzterer beim Kokainpäckchen-Holen erwischt wird, trägt zu meiner persönlichen Unzufriedenheit mit denjenigen Ereignissen bei, die die meiste Screentime beanspruchen. Andererseits war es bei all den Auseinandersetzungen wohl an der Zeit, dass auch die Sons wirklich “bluten”.

Zu den positiven Aspekten zählt in meinen Augen die Überraschung dieser Episode: Tigs “blutendes Herz”! Scherz beiseite: Das Auftauchen seiner Tochter – ihr wisst schon: Dawn / Margaux-with-an-X, „the crazy one“ – bringt ihn ein bisschen aus dem Schatten heraus, in dem er seit Anfang der neuen Staffel steckte.

Wenn auch für Gemma und Bobby überraschend, zeugt Tigs (Kim Coates) Einverständnis damit, sich von der eigenen Tochter wegen Geld belügen zu lassen, von seinem ganz eigenen Familienbedarf: Dadurch besteht schließlich die Möglichkeit, dass sie immer wieder zu ihm kommt… Nachdem Clay (Ron Perlman) Tigs mehr oder weniger links liegen ließ, wirkt er in der neuen Staffel tatsächlich einsam. Diese kleine Erzählung finde ich deswegen sehr gelungen, genauso wie diejenige um Unser und Clay.

Als Unser erkennt, dass Clay Tara opfern will, um das Geheimnis zu wahren, trifft er Vorkehrungen, um dies zu verhindern. Clays Auftrag an Romeo, Tara zu beseitigen, scheint den Höhepunkt der Episode zu bilden und leitet in meinen Augen einen internen Krieg ein, der für manche ein tödliches Ende nehmen könnte… Was denkt ihr über die Opie-Lyla-Geschichte? Oder die letzte Szene, als Jax (Charlie Hunnam) Ima einen Besuch abstattet? Und: weiß Chibs, dass Juice die Drogen mitgenommen hatte?

Sons of Anarchy: Brick (4×05)

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Roosevelt verfolgt hartnäckig Juice, während die Sons dabei sind, das Geschäft über die Bühne zu bringen. Piney konfrontiert Clay mit der Wahrheit über John Teller und die Briefe. 

Mit dieser Episode hat sich endgültig das handlungsübergreifende Thema der Staffel etabliert: Bricks. Ob Geldbündel oder Kokainpäckchen, macht keinen Unterschied: Bricks sind Bausteine von Entscheidungen und lasten gleichzeitig auf jedem einzelnen Leben. Wie eine Mauer aus einzelnen Bausteinen, aus einzelnen Lügen, schützen Bricks die Sons vor der Vergangenheit und bilden zugleich ihr einziges Polster, ihre einzige Rückendeckung für die nahe Zukunft. Und wenn eine Mauer ausgerechnet am Fundament zusammenzufallen beginnt, dann ist sie nichts mehr als ein Kartenhaus, das der nächste Windstoß wegfegen kann.

Aus diesem Grund sind Clays (Ron Perlman) Handlungen nicht wirklich paranoid, sondern gerechtfertigt. Er weiß, dass er derjenige sein wird, den die Mauer beim Einstürzen unter sich begraben wird, und ist zum Äußersten bereit, um sie noch für eine gewisse Zeit aufrecht zu erhalten. Sogar Tara ist nicht sicher vor ihm, ganz egal, wie Gemma (Katey Sagal) ihn zu beruhigen versucht. Brick dreht sich die meiste Zeit um Unsers von Gemma und Clay beauftragte Suche nach den Briefen – denn wie wir erfahren, hat Unser damals den Mord an John Teller vertuscht und Clay geholfen. Als Piney ihn mit den Briefen erpresst, gibt Clay zum ersten Mal zu, John getötet bzw. den Mord organisiert zu haben.

Die kleinen Nebenstorys fand ich viel interessanter als die Haupthandlung um die Briefe, denn jede von ihnen könnte in der nahen Zukunft in eine unvorhersehbare Richtung abdriften, was sowohl Überraschungseffekte als auch eine gewisse Spannung verspricht. Fangen wir jedoch mit dem Kritikpunkt an, mit Juices Story: Roosevelt lässt nicht locker und übt weiterhin Druck aus – so lange, bis Juice tatsächlich im Begriff ist, Verrat am Club zu üben, indem er einen „brick“ Kokain entwendet. Allerdings gebe ich Roosevelt Recht, der im Gespräch mit Lincoln sagt, dass dieser die „race card“ nicht wirklich überlegt zu spielen versuche. Nach wie vor kann mich Juices Herkunft als Druckmittel, den Club zu verpfeifen, nicht wirklich überzeugen.

Aber mit Roosevelts Versprechen, den Club in Ruhe zu lassen und nur das Kartell vernichten zu wollen, erscheint die Story in einem anderen Licht. Roosevelt helfen, um die Sons aus dem Drogengeschäft herauszubekommen – das ist eine in jeder Hinsicht bessere Begründung für Juices Handeln! Aber auch hier bauen die Beziehungen auf Lügen: Stein auf Stein, Lüge auf Lüge. Roosevelt belügt Juice, während Lincoln wiederum ihm Versprechen gibt, die nicht einzuhalten sind. Wie in den bisherigen Seasons, so sind auch diesmal die Gegner der Sons ebenso in Lügen und Verrat verwickelt; ihr Kartenhaus wird genauso einstürzen.

Die Frage ist: Wer wird überleben? Otto will nicht, dass Luanns Mörder am Leben bleibt, und beauftragt die Sons, mit Gemmas Hilfe den Mörder zu finden und zu beseitigen. Übrigens: wenn ich mich nicht täusche, ist Gemmas Besuch bei Otto im Gefängnis die erste gemeinsame Szene der Familie Sutter/Sagal? Eine sehr gute allemal – wie jede der (wenigen) Szenen mit Otto. Jax & Co. gehen also zu Dondo (David Hasselhoff), dem Pornoregisseur, den Luann groß gemacht hat. Wie wir zu hören bekommen, war er immer schon groß, aber nur in einer Hinsicht: „She told me that I am more than just a big cock!“ Mit Dondos Hilfe locken sie Georgie Caruso, den vermeintlichen Mörder, zu einem Treffen. Das jedoch endet zu Dondos Unzufriedenheit nicht mit Georgies Tod, sondern mit einem Deal. Clays Gier verleitet ihn dazu, die von Georgie versprochenen Anteile vom Business anzunehmen.

Währenddessen findet Opie heraus, dass alle Versuche, ein Kind mit Lyla zu bekommen, von vornherein zum Scheitern verurteilt waren, da sie die ganze Zeit Antibabypillen nimmt. Eine weitere Lüge, die zu weiteren falschen Schritten führt und noch führen kann. Genauso wie Bobbys Lüge gegenüber Otto, als er ihm versichert, dass Caruso getötet und Luann gerächt wurde. Am Ende der Episode stellen die Sons und die Myans fest, dass eine Packung Kokain fehlt. Mit Rammsteins Worten kann man nur sagen: „Stein um Stein!“ Der Anfang vom Ende einer jeden Mauer. Stein um Stein, Lüge um Lüge, Auge um Auge…