Body of Proof: Review der Pilotenepisode (1×01)

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Dr. Megan Hunt löst als brillante Gerichtsmedizinerin Mordfälle, hat aber vor allem mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen.

Nun, nach Sichtung des Piloten der neuen ABC-Serie Body of Proof, habe ich ein seltsames Gefühl. Irgendwie kommt es mir vor, als hätten die Autoren einfach ein paar Seiten aus Medizinbüchern kopiert, einige Sätze mit zu langen Wörtern herausgenommen und dann die Leerstellen mit schäbigen One-Linern und klischeehaften, pathetischen Dialogen aufgefüllt, unterstützt durch immer wieder einsetzende dramatische Musik. Die neue ABC-Serie versucht, Castle, Bones und House zugleich zu sein – und das Ergebnis lässt sich nur dann sehen, wenn man Dana Delany (Desparate Housewives) verehrt.

Von der ersten Sekunde an verbirgt die Serie nicht, worum es ihr geht: Dr. Megan Hunt, Sherlock Holmes in High Heels. Der Pilot springt von Szene zu Szene, von Outfit zu Outfit – nur um zu erzwingen, dass der Zuschauer die Hauptfigur mag. Daran ist nichts Schlimmes – für Fans der Schauspielerin. Ansonsten hat der Pilot nichts zu bieten, außer Sprüchen wie „Don’t believe everything you’ve heard about me. The truth is much worse.“ Das kann man über die Episode auch sagen.

Für alle diejenigen, die den Piloten mögen und sich über das hier Geschriebene ärgern, hoffe ich aufrichtig, dass die Serie in den kommenden Episoden guten Gebrauch von ihren Nebenfiguren machen kann: den Detectives Samantha Baker (Sonja Sohn, The Wire) und Bud Morris (John Carroll Lynch) nämlich, die einem im Piloten fast Leid tun, weil sie nur herumstehen müssen, während Dr. Hunt ihren Job macht. Eigentlich war Pathologie nicht Hunts erste Job-Wahl. Zu Recht galt Hunt als exzellente Neurochirurgin und – hier kommt der zentrale Punkt in der Story – verlor wegen ihrer Karriere alles Andere, was dazu führte, dass sie ihre Karriere verlor. Kompliziert? Nicht wirklich: Hunt hatte nie Zeit für ihre Tochter und für ihren Ehemann, also haben sie beide verlassen.

Ein Autounfall (nie fahren und telefonieren, bitte!) ließ sie dann unter einem Zustand leiden, bei dem ihre Hände taub und verkrampft werden. Das verursachte den Tod eines Patienten und das Ende ihrer Karriere. Sie blieb allein und wurde Pathologin, denn: „You can’t kill somebody if they’re already dead.“

An dieser Stelle erspare ich mir eine sarkastische Bemerkung. Dr. Hunt hingegen spart an Sarkasmus nicht, was zu den einzigen guten Szenen im Piloten führt; aber der ständige Wechsel von Sarkasmus zu bitteren Tränen funktioniert nicht wirklich. Megans Ex-Mann (Jeffrey Nordling, Desperate Housewives) und ihre Tochter wollen sie nicht sehen. Freunde hat sie auch nicht, was von mehreren Figuren angesprochen wird – vor allem von ihrem Sidekick Peter Dunlop (Nicholas Bishop), der während des ganzen Piloten bemüht ist, das Eis zu brechen und die emotionale Frau hinter der brillanten Pathologin zu erreichen.

Das Problem liegt nicht bei der Glaubwürdigkeit von Dr. Hunts Brillanz, sondern in den kläglichen Versuchen, auf der einen Seite humorvolle Einlagen und auf der anderen ernsthafte dramatische und tränenreiche Szenen zu Stande zu bringen. Die Pop-Schmonzetten aus dem Soundtrack dazu, und der Bügelabend ist perfekt. Mag die Grundidee auch gar nicht so verkehrt sein, muss an der Ausführung doch gründlich gearbeitet werden, damit die ABC-Produktion mehr wird als nur die nächste Procedural-Leiche. You can’t kill somebody… und so weiter.

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