Chaos: Review zur Pilotenepisode (1×01)

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Bei der CIA als Maulwurf im Auftrag der CIA zu arbeiten, ist nicht leicht, vor allem nicht am allerersten Tag. 

Beim CBS Network läuft in den letzten Jahren alles wie geschmiert. Unter Leslie Moonves Führung wird ein Krimi-Procedural nach dem anderen kreiert, und die CBS-Zuschauer scheinen den Fernseher niemals auszuschalten. Mit einer Ausnahme: Projekte, die dem Schema nicht entsprechen. Es fällt auf, dass das Publikum mit einem “Nein” antwortet, sobald CBS im Drama-Bereich etwas anderes als hochwertig produzierte Krimi-Procedurals in Auftrag gibt und auch noch auszustrahlen wagt.

Das ist kein Wunder, wenn ein Sender mit seinem Programm jahrelang – seit CSI: Crime Scene Investigations Erfolgsstart – Sehgewohnheiten kreiert und pflegt. Zuschauer zum Beispiel, die Sci-Fi-Serials oder aber Dramedys sehen wollen, rechnen gar nicht damit, solche auf CBS zu finden. Chaos jedoch, das neue alte CBS-Projekt, gehört zu einer in letzter Zeit beliebten Gattung: Spymedy. Zuhauf tauchen Spy-Geschichten auf den Bildschirmen auf, aber die meisten scheitern: entweder an der Quote oder aber am eigenen Anspruch.

Manche Produkte wie etwa Rubicon, die die Thematik ernst angehen, werden abgesetzt, andere wie Covert Affairs, die zwischen Slapstick und Bügelbrett-Drama balancieren wollen, bekommen ihre Zuschauer, aber hinterlassen trotzdem einen faden Beigeschmack. In den seltensten Fällen gelingt es, unterhaltsame Action mit einer Prise Humor zu schaffen, wie im Fall von Burn Notice (vor allem die ersten drei Staffeln), oder aber eine Spy-Meta-Spaß-Romanze wie Chuck.

Ich hatte schon einmal geschrieben, dass sich die Networks nach den Sommererfolgen der Kabelsender wie USA nur so die Finger nach “leichter” Unterhaltung lecken. Und jetzt: Clandestine Administration and Oversight Services, zu euren Diensten – oder kurz: CHAOS. Das “h” muss man einfach imaginieren, denn nichts ist perfekt. Auch nicht bei der CIA. Dort geht es durchaus chaotisch zu.

Der Titel der CBS-Spymedy fungiert nicht so sehr als Abkürzung für die CIA-Abteilung, über die erzählt wird, sondern als Beschreibung der Handlung. Gut gefällt mir die Tatsache, dass die Serie sich und den Zuschauern nichts vormacht: Sie will unterhalten und innerhalb der CIA-Reihen Slapstick inszenieren. An sich ist die Idee gar nicht verkehrt, nur die Ausführung im Piloten überzeugt nicht besonders.

Dabei verfügt die Produktion über durchaus sympathische Protagonisten: Rick Martinez (Freddy Rodriguez), der sich sein ganzes Leben lang auf den Dienst bei der CIA vorbereitet hat, erlebt endlich seinen ersten Tag dort – nur, um den Job sofort zu verlieren. Nein, gefeuert wird er nicht: Direkt vor seinem Eintreffen greifen bei der CIA Budgetkürzungen, und Martinez’ Stelle wird gestrichen. Dennoch macht ihm Deputy Director H.J. Higgins (Kurtwood Smith) ein Angebot, das Martinez nicht ablehnen kann. Nicht weil es zu gut wäre, sondern weil es nichts Anderes gibt.

Er soll Maulwurf in der eigenen Einheit spielen, die Higgins so gern unter Kontrolle hätte und die sich nicht kontrollieren lässt. Teamleader der Troublemaker ist der smarte Michael Dorset (Eric Close), flankiert von dem Schotten Billy Collins (James Murray) und CIA-Veteran und selbsternannter „human weapon“ Casey Malick (Tim Blake Nelson).

Chaos-Schöpfer Tom Spezialy ließ sich nach eigener Aussage durch “The Four Musketeers” inspirieren, aber die erste Episode seiner Serie wirkt über lange Strecken uninspiriert – und manche Szenen dagegen übermotiviert. Damit will ich sagen, dass sehr oft das Humorvolle ins Alberne umspringt. Außerdem kriecht der komplette mittlere Teil – zwischen einem temporeichen Anfang und einem ebenso temporeichen Ende – wie eine Schnecke dahin, die die Orientierung verloren hat.

Etwas irritierend wirkt auch die Art, wie Figuren am Ende einer Aussage oft eine Pause machen, als ob sie inne hielten und darauf warteten, dass das Publikum das gerade Gesagte mit einem Lachen würdigt. Wie gesagt: Manche Szenen sind tatsächlich zum Lachen, wie die Skorpion-Einlage oder „Do you need to see my fluids?“, aber die meisten verfehlen ihr Ziel. Persönlich habe ich mir nach dem Anfang mehr Chaos von der Sache versprochen, als dann wirklich folgte.

Je chaotischer Chaos daher kam, desto besser. Nur blieb es vorhersehbar und teilweise plump inszeniert. Die neue CBS-Serie landet kleine Treffer, aber die werden auf lange Sicht vermutlich nicht reichen – wenn die Produktion überhaupt Zeit bekommt, um sich zu entwickeln und zu zeigen, was in ihr noch stecken könnte.

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