Detroit 1-8-7: Review zur Pilotenepisode (1×01)

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Die Produzenten von Detroit 1-8-7 wollten Homicide: Life on the Street wiederbeleben. Ob es ihnen gelungen ist?

Detroit 1-8-7 ist nach dem zweiten Piloten nichts Halbes und nichts Ganzes geworden. Lasst mich kurz erklären. Die neue ABC-Produktion hat turbulente Zeiten hinter sich. Der erste Pilot wurde im dokumentarischen Stil gefilmt: mit Figuren, die sich der Kamera und den Zuschauern vorstellen, und mit Augenzeugen und Verdächtigen, die ihre Geschichten erzählen. Nachdem aber die Stadt Detroit ein Verbot ausgerufen hatte für Filmcrews, die Polizisten bei ihrer Arbeit begleiten, entschied man sich dafür, einen zweiten Piloten zu machen. – Warum das Verbot? Ein kleines Mädchen wurde getötet, während ein Fernsehteam für eine Reality-Show Polizisten begleitete.

Das Problem des zweiten Piloten, der letztendlich ausgestrahlt wurde, besteht aus den Überresten des Originalpiloten. Die in die Kamera sprechenden Detectives hat man durch Titelkärtchen links unten auf dem Bildschirm ersetzt. Sie berichten uns, wie die Beteiligten heißen und seit wann sie bei der Mordkommission sind. Trotzdem gibt es etliche dokumentarische Überbleibsel, die meiner Meinung nach störend wirken.

Zum Beispiel hält ein Augenzeuge sein Gesicht in die Kamera, fletscht die Zähne und grölt uns an; Detectives grimassieren in Richtung Kamera und so weiter. Ich will die dokumentarische Herangehensweise nicht für schlecht erklären. Nur: wenn schon dokumentarisch, dann bitte durchgehend – und nicht halbherzig nach dem Prinzip “einer macht es, die anderen nicht”: ich kann mir nämlich kaum vorstellen, dass die Überbleibsel aus dem ersten Piloten aus Versehen drin geblieben sind. Wie auch immer: Diese Mischung bringt der Serie nichts.

Ganz anders verhält es sich mit der Location. Die Serie spielt nicht nur in Detroit, sondern ist zum Teil auch dort gefilmt. Aber nur wenige Minuten des Piloten bestehen aus originalen Detroit-Aufnahmen, denn die Steuererleichterungen und -gutschriften in Michigan haben die Produzenten dazu bewegt, zum Großteil dort zu filmen. Laut Berichten ist aber die zweite Episode komplett on location in Detroit entstanden. Die vielen Außenaufnahmen im Piloten bringen uns den kommerziellen Verfall einer Stadt nahe: verlassene und verrottete Wohngegenden, wo die Verbrechensraten zu den höchsten in Amerika zählen. Der hoffnungslose Eindruck wird durch die grau-bräunliche Farbpalette verstärkt.

„Stevie Wonder“s “Higher Ground” (1973) bildet das musikalische Eröffnungsthema – und danach ist der Pilot bestrebt, fast jeden Musikgeschmack zu bedienen, von Soul und Blues über Rock bis zum Rap. Ein kleines Problem ist, dass der Soundtrack an manchen Stellen überhand nimmt und teilweise von den Ereignissen ablenkt.

Denn auf Detroits Straßen passiert Einiges. Natalie Martinez’s Detective Sanchez, Sgt. Jesse Longford (NYPDs James McDaniel), Detective Vikram Mahajan (Shaun Majumder), Detective John Stone (D.J. Cotrona) und die Polizeichefin Lt. Maureen Mason (Aisha Hinds) sind mit etlichen, auf den ersten Blick zusammenhangslosen Morden konfrontiert.

Aber wir Zuschauer sind speziell an ein Pärchen gekoppelt und begleiten es im Laufe des Piloten. Detective Louis Fitch (Michael Imperioli) hat Probleme mit dem wortreichen neuen Partner Damon Washington (Jon Michael Hill) – und mit sich selbst. Er macht seine Arbeit exzellent, aber ist für seine Kollegen emotional ein verschlossenes Buch. Am Ende der Episode bekommen wir auch eine kleine Erklärung, warum. Da die jedoch von Fitch stammt, bleibt zu fragen, ob dies alles nur eine Geschichte ist, um einen Kriminellen zum Aufgeben zu überreden.

Imperioli macht seine Sache gut; die von ihm verkörperte Figur passt perfekt in das Bild, das die Serie von einer gottverlassenen Stadt malt. Auch das Zusammenspiel mit Jon Michael Hill funktioniert. Es bleibt zu hoffen, dass Damon Washington den Piloten überlebt hat, denn am Ende wird er niedergeschossen.

Detroit 1-8-7 hat aber auch seine humorvolle Seiten, was den Piloten abwechslungsreich gestaltet. Die Szenen mit Fitch und Damon, wie der erfahrene Cop den Rookie anruft (auch nur einen Meter von ihm entfernt), um ihn zu belehren; Damons bedrängte Lage, als der von ihm auf einem Spielplatz Verhaftete mit der Kinderrutsche wegzulaufen versucht, während Damon seine Frau am Telefon hat oder das “beep”-Verhör (es ist ja eine Network-Serie) kreieren zusammen mit den Handkamera-Verfolgungsjagden ein “Sabotage” (Beastie Boys)-Feeling, das der neuen Serie gut tut. Was aus Detroit 1-8-7 noch wird, ist nur nach dem Piloten schwer zu sagen. Wenn die Serie die nötige Zeit bekommt, um sich zu finden, dann kann sich das Einschalten langfristig lohnen.

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