Dollhouse: Review zur Pilotenepisode (1×01)

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Einen ganz bestimmten Satz spricht die mysteriöse Miss DeWitt (Olivia Williams) gegenüber Echo (Eliza Dushku) aus. Nun, die Situation scheint sich abzuspielen, bevor Echo Echo wird. Um was es geht, werden wir in diesem 48-minütigen Piloten nicht erfahren, aber Echo lässt sich auf den Deal ein. Dieser Satz beschreibt aber auch schon im Voraus den Zustand des Piloten – „a mess“.

Als Whedon-Fan bin ich jedoch gewillt, diesen Satz als ein Versprechen für die kommenden Episoden zu betrachten. Und zu vergessen. Denn diese Serie handelt genau davon: vom Vergessen. Wie auch alle anderen Projekte von Joss Whedon behandelt „Dollhouse“ sein zentrales Thema auf einer metaphorischen Ebene. Die so genannten „Dolls“ (oder „actives“), die im Dollhouse leben und ständig einer Art Gehirnwäsche unterzogen werden, sind nicht nur eine Anspielung auf herrschende Identitätskrisen in einer globalisierten Welt, sondern auch eine auf den Beruf des Schauspielers selbst, der genau das erfordert: ständig in andere Identitäten zu schlüpfen, ihre Erinnerungen und Ziele zu übernehmen. Das Vergessen bietet dann die einzige Möglichkeit zurechtzukommen. – Für uns Zuschauer ist das Vergessen auch ein wichtiges Element bei der Rezeption dieser Serie. Zu vergessen: welche Vorgeschichte sie hatte, welche Vorgeschichte Whedon mit FOX hatte, die hohen Erwartungen, die wir ihr entgegenbringen (weil es Whedon ist) und … diesen Piloten.

Erinnern sollte man sich freilich daran, dass „CSI: Crime Scene Investigation“ und „The X-Files“ ihre Laufbahn ebenfalls an dem unbeliebten Freitag starteten und dass manche Serien etwas Zeit brauchen, um zur vollen Entfaltung zu kommen. Was aber „Dollhouse“ betrifft, bin ich persönlich ziemlich skeptisch, vor allem weil die Erzählung sehr auf die Hauptfigur Echo zugeschnitten ist und ich es Eliza Dushku (bitte, nicht schießen) nicht zutraue, diese Last tragen zu können.

Der Werbetrailer von FOX für den Freitagabend mit „Terminator S.C.C.“ und „Dollhouse“) konzentriert sich auf die gut aussehenden Heldinnen (Summer Glau und Eliza Dushku) und behauptet über sie: „Hotter than Hades!“ und „Soulless! and smart!“Ja, „hot“ sind sie. „Soulless“ sind sie auch, aber während das Wort Glaus Rolle als Terminatrix in der Serie beschreibt, ist es leider bezüglich „Dollhouse“ eine Beschreibung der Performance von Eliza Dushku. „Dollhouse“ soll sich (so Whedon) nicht so sehr auf Nahkampf und Verfolgungsjagden konzentrieren, sondern auf das Thema des Identitätsverlustes und der Transformation.

Es kommt also darauf an, die Zuschauer dazu zu bringen, dass sie sich für eine Figur interessieren, die ständig einen solchen Prozess der Transformation und des Identitätsverlustes mitmacht. Und dafür braucht es mehr, als nur „hot“ auszusehen und unterschiedliche Frisuren zu tragen.Bis auf die Tatsache, dass es schwer ist, eine Verbindung zu einer Figur zu schaffen, die keinen festen Kern hat, keine eigene Persönlichkeit, ist das „Dollhouse“-Konzept (zur Freude der FOX-Verantwortlichen) ziemlich klar. Es gibt immer den Fall der Woche plus übergreifende narrative Stränge: Echo erinnert sich an Dinge, an die sie sich nicht erinnern darf, es gibt die geheime Organisation hinter all dem, ein FBI-Agent versucht das Dollhouse ausfindig zu machen und ein Ex-Doll macht auch Jagd auf ihre ehemaligen Arbeitgeber.

Im Piloten übernimmt Echo gleich zwei Aufträge – das perfekte Date und die knallharte Verhandlungspartnerin. Sie meistert beides, aber wie auch in den anderen Erzählsträngen dieser Episode geschieht alles uninspiriert – man fühlt sich als Zuschauer ziemlich verloren und ohne festen Boden unter den Füßen.

Was ist mit den anderen Figuren? Sie stehen puppenartig in schön designten Sets und sind vergeblich bemüht, interessant zu wirken, wie die eiskalte „Frontfrau“ des Dollhouse, Adelle DeWitt (Olivia Williams), der stoisch seine Rolle aushaltende Echo-Betreuer und Beschützer Boyd Langton (Harry Lennix) oder der Security-Chef Laurence Dominic (Reed Diamond), über den folgendes mitgeteilt wird: „The dolls in their infantile state disgust him.“ Hoffentlich übernehmen die FOX-Zuschauer nicht bald die gleiche Einstellung gegenüber der Serie! Denn sie ist so bemüht, einen Hype um ihre Hauptdarstellerin zu schaffen und ihre Sets schön zu gestalten, dass man den „Eingang“ für die Zuschauer vergessen hat…

Designed for forgetting!

Hoffen wir, dass die Serie sich EXTREM steigert, sonst wird FOX „Dollhouse“ bei der Programmplanung der nächsten Season einfach vergessen.

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